Der neue Coach im interview

EHC-Trainer Jackson: "Fans wollen harte Arbeit sehen"

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Der Meistermacher: Don Jackson wurde mit Eisbären Berlin fünfmal Deutscher Meister, zuletzt war er in Salzburg, künftig trainiert er den EHC München.

München - Don Jackson, der neue Coach des EHC München, spricht im Interview über seine  Liebe zu Salzburg, neue Spieler und seinem Vorgänger und Ex-EHC-Trainer Pierre Pagé.

Don Jackson, 57, ist der neue Trainer des EHC München in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), am Montag wurde sein Transfer innerhalb der Red-Bull-Organisation aus Salzburg bekannt gegeben. Vorgestern hat der US-Amerikaner, der mit den Eisbären Berlin in sechs Jahren fünfmal die Deutsche Meisterschaft gewann, die Arbeit aufgenommen und sein erstes Interview gegeben. Er bat, um 10.30 Uhr deutscher Zeit angerufen zu werden – in Nordamerika, das sechs bis neun Stunden zurückliegt. „Guten Morgen oder guten Abend, Herr Jackson?“ Er lacht. „Ich hatte schon geschlafen und bin wieder aufgestanden.“ Derzeit lebt der ehemalige NHL-Verteidiger (Stanley-Cup-Sieger mit den Edmonton Oilers in den 80er-Jahren) in Wichita, Kansas: „Das ist in der Mitte.“

Herr Jackson, nach einem Jahr in Salzburg geht es für Sie nun nach München.

Don Jackson: Das ist das Trainerleben. Ich war an keinem Ort länger als drei Jahre, ausgenommen Berlin mit sechs Jahren. Es braucht immer Zeit, über einen Wechsel hinwegzukommen, man lässt so viele Emotionen zurück, die sich aus der Arbeit mit einem Team ergeben haben. Man muss immer aufs Neue erkennen: Das ist ein Teil des Geschäfts, dein Blick muss nach vorne gehen. Also bin ich wieder im Übergang. Ich weiß es seit einigen Wochen, dass ich nach München wechseln werde, so konnte ich mich bereits sammeln und mit der Mannschaft befassen, auch mit Christian Winkler (EHC-Manager, d. Red.) arbeite ich bereits am Team.

Vor einiger Zeit sagten Sie aber noch, dass Sie in Salzburg bleiben würden. Warum nun der Wechsel?

Don Jackson: Ich fühlte mich gut aufgehoben in Salzburg, die Verbindung zum Team hat gestimmt, außer in den letzten Sekunden der Overtime (Salzburg verlor das Liga-Finale gegen Bozen). Ich wusste: Ich war glücklich dort. Aber die Firma hat mich gebeten, über die Situation nachzudenken.

Die Fans in München sind neugierig: Kommt mit Don Jackson ein Coach, der dem von ihnen wenig geschätzten Pierre Pagé ähnelt, oder ein ganz anderer Typ? Er hat sie ja auch nach Deutschland gebracht und später zu Red Bull nachgeholt.

Don Jackson: Wenn du ein junger Coach bist, sind alle älteren Coaches deine Mentoren, von denen du lernst. Ich habe von Pierre das Beste übernommen, von anderen Trainern, auch von Spielern, und ich habe meine eigene Philosophie entwickelt. Pierre hat sicher einen großen Einfluss auf mich gehabt. Er ist schon so lange in diesem Spiel, er hat den Übergang von Nordamerika nach Europa geschafft, die Kultur verstanden, er ist ein kreativer Mensch mit einer Vision.

Pagé wirkte etwas sperrig im Umgang mit dem Anhang. Wie ist Ihre Beziehung zu Fans?

Don Jackson: Die Fans sind überall gleich, die Spieler sind überall gleich, die Trainer sind überall gleich. Wir sind im professionellen Sport, und das Ziel ist für alle, auch für die Fans, zu gewinnen. Außerdem wollen sie harte Arbeit sehen, wenn sie ins Stadion gehen. Ich habe große Athleten auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erlebt und große Athleten, die sich dem Ende zubewegten. Die Fans antworten darauf, wie erfolgreich ihr Sportler ist. Ein gutes Beispiel sind die letzten Olympischen Spiele: Claudia Pechstein. Die Reaktion war: So eine große Sportlerin – aber schlecht, dass sie nicht gewinnt und nur Vierte wird. Man kann es aber auch so sehen: Was hat sie für Erfolge erzielt und ist immer noch dabei! Oder nehmen wir Boris Becker im Tennis: ein ständiger Wechsel von Höhen und Tiefen. Die Fans leben das mit In der deutschen Sportkultur gibt es sicher eine ausgeprägte Gewinnerwartung.

Wie wird das kommende Team des EHC München aussehen? Großer Wechsel auf den Importpositionen?

Don Jackson: Das ist jetzt schwer zu beantworten. Man hat ja eigentlich jedes Jahr zwei, drei neue ausländische Spieler, manchmal auch vier oder fünf. Jeder, der da war, ist ein Kandidat – es kann am Ende aber auch einer oder keiner sein, der zurückkehrt. Und es sind nicht nur die Importspieler, die eine Mannschaft ausmachen.

Da Sie gerade in Nordamerika sind: Scouten Sie?

Don Jackson: Für die American Hockey League haben wir einen Scout, wir sind bei der WM in Weißrussland vertreten, ich schaue Spiele im Internet an und kenne den österreichischen Markt, Christian Winkler den deutschen.

München ist ein schwieriger Sportmarkt mit zwei prominenten Fußballvereinen und einem sehr guten Basketballteam. Welchen Platz kann der EHC München finden?

Don Jackson: Wir können nicht kontrollieren, was die anderen machen, wir müssen unsere Arbeit verrichten und vor allem zu Konstanz finden.

München gilt auch als problematischer Wohnungsmarkt. Sind Sie schon fündig geworden?

Don Jackson: Ich war noch nicht da, bin aber zuversichtlich, dass wir schnell einen schönen Platz für uns finden. Ich komme im Verlauf der nächsten zwei Wochen rüber. Im Fokus steht jetzt aber, die passenden Spieler zu finden.

Das Interview führte Günter Klein

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