Empty Net funktionierte schon viermal

EHC-Trainer Jackson: Immer wieder Ausnahmezustand

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Das Tor ist verwaist, der Puck schlägt ein – ist dem EHC München in dieser Saison dreimal passiert.

München - Spielen ohne Torwart – für Trainer Don Jackson, dem Trainer des EHC München eine Herausforderung, für die er die Statistik zu Rate zieht.

Wochenlang hatte es keine Gelegenheit dafür gegeben, denn der EHC München feierte Sieg um Sieg, er kontrollierte seine Spiele, war kurz vor Schluss nie in Rückstand. Am vergangenen Freitag jedoch trafen die Münchner auf die wohl einzige Mannschaft in der Deutschen Eishockey-Liga, die personell noch mehr zu bieten hat als sie selbst. Und so ergab es sich mal wieder: Trainer Don Jackson musste aufholen: 2:3-Rückstand – in der drittletzten Minute erging ein kurzer Wink in Richtung von Torhüter Niklas Treutle. Runter! Wir spielen lieber vorne mit einem Mann mehr.

Es ist nicht so, dass Don Jackson es genießen würde, wenn sein Team zurückliegt. Aber es ist für ihn eine interessante Herausforderung. Er ruft dann den Ausnahmezustand aus. Spielen ohne Torwart, dafür vorne den Druck erhöhen.

Jackson kann sich erinnern an seine erste Finalserie in Deutschland, er bestritt sie mit Düsseldorf. Damals waren er und sein Team auch in einer aussichtslosen Lage. „14 oder 15 Minuten vor Schluss habe ich den Torwart runtergenommen“, erinnert er sich, „und der Gegner hat es geschafft, gegen uns nur ein Tor zu erzielen“. Klar, dieses Risiko geht man ein: Jeder Scheibenverlust, den man sich leistet, kann Sekunden später bestraft werden – man hat ohne Keeper niemanden, der die Scheibe noch aufhält.

Doch der EHC München hat eine gute Quote, wenn er Alles oder Nichts spielt. In sechs Punktspielen hat Jackson so gehandelt, nur gegen die Hamburg Freezers (da wurde aus einem 0:2 eben noch ein 0:3) und am Freitag gegen Mannheim (statt 2:3 endete das Spiel mit einer Münchner 2:5-Niederlage) ist sein Plan, mit mehr Sturmpower noch zum Ausgleich zu kommen, nicht aufgegangen. Die ausgefuchsten Adler Mannheim haben zweimal den Puck im verlassenen Münchner Kasten untergebracht.

Jackson wird aber auch in Zukunft bei Bedarf auf seine Methode setzen. Er begründet es so: Die Spieler würden konzentrierter agieren, ein jeder für kurze Zeit sein Repertoire erweitern: „Man nimmt etwas vom Charakter des anderen an: Handwerker werden auch Künstler, Künstler auch Arbeiter.“ Er schätzt zudem die Optionen, die man in der Offensive hat: „Zwei Drittel der Tore im Eishockey entstehen dadurch, dass Schüsse abgefälscht werden. Wir bringen einen zusätzlichen Schläger ins Spiel.“

Am Sonntag hatte der EHC spielfrei, weiter geht’ am Donnerstag bei den Hamburg Freezers. Wie schon zuletzt muss Don Jackson mit einem reduzierten Kader auskommen: Abwehrspieler Felix Petermann, gegen Mannheim ausgeschieden, war gestern zu diversen Untersuchungen (inklusive Kernspin) unterwegs. Tim Bender und Dominik Kahun sind dann auch weg, sie reisen zur Junioren-WM nach Kanada. Jackson: „Ach ja, das auch noch.“

Von Günter Klein

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