Rick Goldmann im Interview

Experte verrät: Das macht den EHC so stark

Rick Goldmann.

München - Nicht nur EHC-Gegner Köln zählt zu den (Negativ-)Überraschungen der bisherigen Saison. Experte Rick Goldmann spricht über Tops und Flops dieser Spielzeit und das Erfolgsgeheimnis der Münchner.

EHC RB München gegen Köln – die Partie vom Freitag klang definitiv nach DEL-Spitzenspiel. Doch während sich das Team aus der bayerischen Landeshauptstadt ein Duell mit den Mannheimern um die Spitze lieferten, befinden sich die Rheinländer (zuletzt zweimal in Folge in den Finals um die Meisterschaft) im Tabellenkeller – eine der Überraschungen dieser Saison. Über andere Tops und Flops dieser Spielzeit und das Erfolgsgeheimnis des EHC sprach die tz mit Rick Goldmann (38). Der gebürtige Dingolfinger bestritt 500 DEL-Spiele (sein letztes 2008 für München), eine Partie in der NHL (’99/’00 Ottawa), ist Mitglied der Hall of Fame des deutschen Eishockeys und gehört zum Experten-Team des die DEL übertragenden Senders Servus TV.

Herr Goldmann, wie fällt Ihr bisheriges Zwischenfazit aus?

Rick Goldmann: Gewinner sind die Mannheimer, die Münchner und die Ingolstädter. Die Mannheimer sind in der Vorsaison im Viertelfinale ausgeschieden, jetzt haben sie sich mit den Münchnern schon richtig abgesetzt. Die wiederum sind in der vergangenen Saison in den Pre-Playoffs raus, aber der EHC ist viel konstanter geworden. Ingolstadt ist zwar Meister geworden, hat aber eine ganz neue Mannschaft und ist oben dabei. Bei den Verlierern muss man natürlich den abgeschlagenen Tabellenletzten Straubing nennen, deren Performance ist desaströs. Enttäuscht haben auch die Kölner, obwohl sie zuletzt ein bisschen im Aufwind waren.

Was ist das EHC-Erfolgsrezept?

Goldmann: Wichtige Eckpfeiler müssen bleiben. Leute, die Spiele entscheiden können, aber auch in der Kabine was sagen. Wie Alex Barta beispielsweise. Und du brauchst einen Trainer wie Don Jackson, der die Mannschaft nicht spaltet. Nicht durch seine Art und Weise oder gewollt. Ein Trainer, der sein Team auch mal machen lässt – natürlich unter seinen Vorgaben.

Welche Spieler sind Ihnen in der Liga positiv aufgefallen?

Goldmann: Bei den Goalies Niklas Treutle vom EHC München, das ist von den Werten her der Top-Torhüter der Liga. Und Dennis Endras von den Mannheimern, der im Ranking auf Platz zwei liegt. Bei den Feldspielern muss man Richie Regehr vom EHC erwähnen. Das ist der punktbeste Verteidiger der Liga und hat defensiv eine Wahnsinns-Konstanz. Ganz stark spielt bislang auch der Hamburger Kevin Clark mit 18 Toren in 21 Spielen.

Was ist Ihnen negativ aufgefallen?

Goldmann: Leider sind in der Scorer-Wertung unter den Top 20 nur drei Spieler, die in Deutschland geboren wurden. In der letzten Saison waren es noch drei unter den Top Ten.

Kommen wir zur Nationalmannschaft: Wie sehen Sie da die Lage?

Goldmann: Der Sieg beim Deutschland-Cup war wichtig, vor allem für die öffentliche Wahrnehmung. Entscheidend wird die WM in Tschechien, daran hängt sehr viel: Olympia, die Zukunft von Pat Cortina.

Apropos Zukunft: Für Leon Draisaitl läuft’s nicht gut, die Edmonton Oilers sind Schlusslicht in der Western Conference.

Goldmann: Ja, aber als Einzelner kannst du nicht viel reißen. Die Oilers waren in den letzten Jahren nicht gut und lange nicht mehr in den Playoffs. Ich war als Spieler auch drüben und finde, es ist ein Wahnsinns-Erfolg, dass sich Leon Draisaitl da durchgesetzt und alle Spiele bestritten hat. Man kann die Sportarten nicht vergleichen, aber auch im Eishockey brauchen wir Aushängeschilder wie Steffi Graf, Boris Becker und Dirk Nowitzki. ­Leon Draisaitl wäre auch eines, wenn er sich weiter so entwickelt.

Interview: Bernd Brudermanns

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