Gut besucht, doch nicht ausverkauft

Hockey Halleluja: Der Zuschauerpotenzial-Test

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Gut besucht, doch nicht ausverkauft: Teil eins des „Hockey Halleluja“ in der großen Münchner Olympiahalle.

München - Der EHC München fühlt vor, wie es in einer Red-Bull-Arena sein könnte – 6:3 gegen Augsburg

Das übliche Prozedere, wenn der EHC München gewonnen hat, ist: Die Mannschaft verabschiedet sich in die Kabine und kehrt, da die Fans im Erfolgsfall noch einmal nach ihr verlangen, aufs Eis zurück. Einige Spieler um einige Ausrüstungsteile erleichtert, dafür mit Kappe oder barhäuptig.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde von diesem Muster abgewichen. 6:3 (3:1, 2:1, 1:1) hatte der EHC München seinen Widersacher Augsburger Panther besiegt – doch zur Bebauchpinselung durch den Anhang blieb das Team auf dem Eis und absolvierte sofort seinen Showblock mit „Humba“-Gesang und Torhütertanz. Begründung: „Weil der Weg in die Kabine hier schweineweit ist“, so Stadionsprecher Stefan Schneider. Gespielt hatte der EHC nicht in seiner kompakten Heimat, der Olympia-Eishalle (dauerhaftes Eis, Fassungsvermögen 6200 Zuschauer), sondern nebenan in der Olympiahalle (temporäres Eis, Platz für 10 000 Besucher). Und heute (19.30 Uhr) wird er dort erneut antreten, zu Teil zwei der Veranstaltung, die die Werbestrategen des Klub-Eigners Red Bull „Hockey Halleluja“ getauft haben: Dann kommen die Eisbären Berlin, der Spitzenreiter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Dafür sparte der EHC seine Kräfte: keine unnötigen Kabinenwege zurücklegen.

Ja, ist es denn so weit in der Olympiahalle? „In der Köln-arena“, erzählt Uli Maurer, der Münchner Stürmer, „da ist es ein halber Marathon“. In der Münchner Olympiahalle sei es nicht so schlimm, aber dennoch weiter als in der Eishalle, „wo du die Kabinentür öffnest und auf dem Eis stehst“, sagt Maurer. „Aber vielleicht denkt man daran in der neuen Halle.“ Das ist das Schlagwort: Red Bull möchte eine Arena bauen im Olympiapark, der Konzern nimmt offiziell keine Stellung zum Stand der Verhandlungen mit dem möglichen Partner FC Bayern Basketball und der Stadt München – aber offensichtlich ist, dass mit der Halleluja-Doppelveranstaltung das Zuschauerpotenzial ausgetestet werden soll.

Zum Derby gegen die Augsburger Panther wurden 9700 Zuschauer gezählt. „Das ist gut“, meint Maurer. Es ist aber auch eine leichte Enttäuschung. 2011 war der EHC München – am Silvester-Vorabend – schon einmal in die Olympiahalle ausgewichen, ebenfalls mit Augsburg als Gegner; damals waren die 10 000 Tickets lange im voraus weg. Nun, anno 2015, blieben am besten Eishockey-Datum überhaupt, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, ganze Sitzreihen leer. Auch gegen Berlin, das nicht so viele Fans wie Augsburg (etwa 1500) mitbringen wird, dürfte es nicht voll werden. Am Samstag wurde mehr als einmal darauf hingewiesen, dass es noch „wenige Restkarten“ an den Kassen zu kaufen gebe. Wenige können auch mehr sein.

Die Atmosphäre war gut, passend zum rassigen Spiel, in dem Augsburg, so sein Trainer Mike Stewart, „einen unserer besten Starts dieser Saison“ erwischte, nach einem Drittel aber 1:3 hinten lag, „weil München unsere individuellen Fehler eiskalt genutzt hat“. Bis zum Empty-Net-Goal des EHC in der letzten Minute blieb die Partie spannend, laut offizieller DEL-Statistik war Gast Augsburg gleichwertig (32:32 Schüsse), nach den eigenen Aufzeichnungen agierten die Panther sogar überlegen. „31:25 Schüsse für uns“ hatte Sportmanager Duanne Moeser notiert, Cheftrainer Mike Stewart verwies darauf, „dass wir im letzten Drittel nur drei Münchner Schüsse zugelassen haben“. Bei den Pfostentreffern „gewann“ Augsburg 3:1. EHC-Trainer Don Jackson ist klar, dass man heute gegen Berlin in einigen Kategorien wird zulegen müssen.

Grundsätzlich gefiel ihm der Abend in der Olympiahalle. Laute Musik, eine Glocke, die sich zu den Akkorden von „Hell’s Bells“ hinab aufs Eis senkte, vier Feuerstöße, die bei der Vorstellung jeden Spieler aufs Eis-Rechteck begleiteten – die Show davor war ausgiebig. „Ich mag eine solche Atmosphäre“, versichert der Amerikaner Jackson, „und ich mag es, wenn die Zuschauer hoch sitzen“. So ist es in der Olympiahalle, so wäre es auch in einer neuen multifunktionalen Sporthalle. Jackson ist sich sicher: „Red Bull wird sie bauen.“

Günter Klein

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