Die (Weiß)russen kommen

Kontrastprogramm zum CHL-Start: Was den EHC von Kontrahent Minsk unterscheidet

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Für Don Jackson (l.) und sein Team geht es darum besser aufzutreten als bei den Pleiten im Testspiel-Turnier in Garmisch-Partenkirchen.

Erstes Pflichtspiel des EHC Red Bull München in der Champions League gegen zweite Kraft aus Minsk – ein echtes Kontrastprogramm in der Champions Hockey League.

München – Der EHC München ist keine „Cinderella“ mehr. Martin Baumann, der Schweizer Chef der Champions Hockey League (CHL), spricht jedes Jahr von seinem großen Wunsch, es möge sich in seiner Liga etwas Überraschendes tun. Er sagte immer, der Sieg eines deutschen Teams wäre „so eine Cinderella-Story, wie ich sie mag“. Für 2018/19 hat er die Aschenputtel-Geschichte neu definiert: „Das wäre, wenn die Nürnberg Ice Tigers als neues Team in der CHL den Cup holen würden.“ Keine Rede mehr vom EHC München. Der hat in der Europa-Liga des Eishockeys zwar auch noch nicht mehr erreicht als das Achtelfinale, doch das reicht um als etabliert zu gelten, als ein Stück Inventar der Liga: Der Deutsche Meister der Jahre 2016, 17 und 18 geht in der CHL in die vierte Saison.

Sie beginnt am Freitag (19.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Yunost Minsk. Nach dem, was der EHC in der kurzen Vorbereitung gezeigt hat, müsste ihm vor dem ersten Pflichtspiel angst und bange sein. Die beiden Testspiele beim eigenen Einladungsturnier in Garmisch-Partenkirchen endeten in krachenden Niederlagen (1:4 gegen den SC Bern, 1:8 gegen Sparta Prag), doch Don Jackson reagiert darauf mit der Gelassenheit eines Trainers, der mit acht Deutschen Meisterschaften der erfolgreichste Trainer der DEL-Geschichte ist. „Natürlich waren das keine guten Ergebnisse, doch wir haben gesehen, was wir wollten.“ Die personellen Veränderungen im Kader greifen tiefer als sonst, „wir haben einige neue Jungs, die sich an uns und die Hockey-Kultur in Deutschland noch gewöhnen müssen. Die erfahrenen helfen ihnen dabei.“

Aus der NHL in die AHL? Für den Neu-Münchner Stajan keine Option

Jackson wird – noch nicht am Freitag gegen Minsk – einen dazubekommen, der beides ist: neu und erfahren. Matt Stajan, bisher bei den Calgary Flames in der NHL aktiv. Tatsächlich war der 34-Jährige dort Stammspieler. Allerdings in einer eingeschränkten Rolle: In der abgelaufenen Saison kam er auf weniger als elf Minuten Eiszeit pro Match. Obwohl als „unrestricted free agent“ in einer guten Position, fand Stajan keinen NHL-Club. Er war ja auch ein Nicht-so-schlecht-Verdiener mit 2,5 Millionen Dollar. Eine Fortsetzung der Karriere in der AHL ist, wenn man wie Stajan über 1000 NHL-Spiele in der Vita stehen hat, keine Option; die AHL sieht sich auch nicht als Auffangbecken, sondern als Ausbildungsliga. Dann lieber Europa. München hatte noch eine Mittelstürmer-Stelle frei – so kam man zusammen.

Der Neuzugang des EHC: Matt Stajan aus Calgary. Fotografiert im Moment, als er den Helm verloren hatte.

Minsk kommt mit 25 weißrussischen und fünf russischen Spielern

Der Deutsche Meister hat eine stark nordamerikanisch geprägte Truppe, das Kontrastprogramm zu Yunost Minsk. Der weißrussische Club qualifizierte sich über den zweitklassigen Continental Cup (Gegner: Ritten, Sheffield, Astana) für die CHL, hat 25 weißrussische Spieler gemeldet. Und als Ausländer fünf russische. In der Stadt ist er nur die Nummer zwei. Hinter Dinamo Minsk, das in der KHL spielt, der großen osteuropäischen Liga. Welche die Champions League weiterhin ignoriert und nicht teilnimmt. Lauter Cinderellas dort.

Von Günter Klein

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