Unterirdische Powerplay-Quote

Luftikus-Eishockey des EHC

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EHC-Spieler Daryl Boyle.

München – Nur zwei Punkte aus zwei Spielen, den zweiten Tabellenplatz an die Hamburg Freezers verloren – nein, es war ganz sicher nicht das Wochenende des EHC München. Wieder nicht.

Die Mannschaft von Trainer Don Jackson hat in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nur eines der letzten sechs Spiele gewonnen, und auch bei diesem Sieg trat der EHC alles andere als souverän auf. Beim 5:4 nach Verlängerung gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Straubing verspielten die Münchner am Freitag eine 4:0-Führung. Eineinhalb Sekunden vor Ende der Overtime verhinderte Daniel Sparre mit seinem Siegtreffer gerade noch die totale Blamage.

In Köln brachten die Münchner dann das Kunststück fertig, schon nach sieben Sekunden in Rückstand zu geraten, das schnellste Gegentor in der DEL-Geschichte des EHC leitete die 1:2-Niederlage ein. „Wir haben nicht genug Respekt vor den Gegnern und nicht genug Respekt vor dem Spiel“, fasst Don Jackson die Luftikus-Auftritte zusammen.

Die Mannschaft hat nicht viele Argumente gegen diesen Vorwurf. „Das war vielleicht unser schlechtestes Spiel in dieser Saison. Die Einstellung war nicht gut“, sagte Mads Christensen nach dem 5:4 gegen Straubing, das sich nicht wirklich wie ein Sieg anfühlte. „Das ist nicht zu akzeptieren“, fügte Daniel Sparre hinzu. Es waren nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Was zählt, ist auf dem Eis. Und da kommt der EHC derzeit nicht annähernd an die Leistung heran, die die Mannschaft während der sieben Siege in Folge von Mitte November bis in den Dezember hinein Spiel für Spiel abrufen konnte.

Von dieser Serie zehrt der EHC noch. Aber nicht mehr lange. Die Situation hat sich um 180 Grad gedreht. Während der Siegesserie funktionierten die Special Teams, die Münchner spielten defensiv wie offensiv konzentriert, alle vier Sturmreihen waren torgefährlich. Jetzt vergeben die Angreifer selbst allerbeste Chancen, die Gegentore fallen teilweise nach haarsträubenden Fehlern – und die Powerplay-Quote in den vergangenen sechs Spielen ist mit nur drei Überzahl-Toren bei 33 Gelegenheiten unterirdisch. Zuletzt gelang dem EHC in drei Partien überhaupt kein Powerplay-Treffer.

Don Jackson tüftelte an der Formation, schickte Verteidiger Matt Smaby vor das gegnerische Tor. Er sollte den Goalies mit seinem Kühlschrank-Körper die Sicht verdecken. Auch das half nichts. Hinzu kommt die lange Verletztenliste, die sich mittlerweile bemerkbar macht. Die Sturmreihe mit Garrett Roe, Daniel Sparre und Jon DiSalvatore ist die einzige, die über die vergangenen Wochen intakt geblieben ist. Alle anderen musste Don Jackson immer wieder umstellen. Dazu spielt der EHC München seit der Verletzung von Felix Petermann Mitte Dezember mit fünf statt sechs Verteidigern. Das geht an die Substanz.

Auch zum Derby gegen die Augsburger Panther heute Abend um 19.30 Uhr lichtet sich das Lazarett nicht. Allerdings greift diese Ausrede nicht immer. Dass Abwehrspieler Florian Kettemer in Köln nach dem gewonnenen Anfangsbully die Scheibe verlor und den Haien damit schon nach sieben Sekunden den Führungstreffer ermöglichte, war sicher keine Frage der fehlenden Kraft, sondern ganz schlicht eine der Konzentration.

Von Christoph Fetzer

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