Aufstiegsheld Dylan Gyori

"Der EHC war meine zweite Heimat"

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Gyori verleiht zu Hause in Kanada mit seiner Firma nun Anhänger für Ölfirmen

München - Aufstiegsheld Dylan Gyori macht Schluss und beendet seine Karriere. In Zukunft verleiht er in Kanada Wohnanhänger für Ölfirmen. An seine Zeit beim EHC erinnert er sich gerne zurück.

Wenn man Bundestrainer Pat Cortina nach seiner ewigen Starting-Six aus seinen sieben Jahren beim EHC München fragt, fällt sofort der Name Dylan Gyori. Der feurige Stürmer ist einer der Großen der Klubgeschichte: Er ist mit 237 Punkten in 240 Spielen drittbester Scorer der ewigen Rangliste. Nun hängt der Aufstiegsheld von 2010 seine Schlittschuhe an den Nagel. Vor drei Jahren schoß er die Münchner gegen Schwenningen in die DEL. Am Sonntag (16.30 Uhr) gastieren ebendiese Wild Wings in München.

Gyori ist 34 Jahre alt, er hätte noch ein paar gute Jahre auf dem Eis vor sich gehabt. Doch die vergangenen zweieinhalb Jahre „waren eine absolute Tortur“, sagte Gyori der tz. Er hat beschlossen, sich fortan auf seine Firma im kanadischen Bundesstaat Alberta zu konzentrieren, ein Wohnanhänger-Verleih für Ölfirmen.

Los ging die Qual nach der größten Saison seiner Karriere, 2010/11, als er Aufsteiger München mit starken 14 Toren und 18 Assists in die Preplayoffs verhalf. Der Klub teilte ihm kurz nach Saisonende mit, dass man auf andere Ausländer bauen wird. „Ich war enttäuscht und wütend“, sagt Gyori. Doch als hemdsärmeliger Typ beschloss der Kanadier, seit 2004 im Land, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Er büffelte vier Monate lang – und erfuhr zudem, dass ein Elternteil einen Herzinfarkt erlitten hatte. Nach kurzem Krankenbesuch flog er zurück und unterschrieb in Hannover, um die Residenzpflicht zur Einbürgerung zu erfüllen.

Während er dort spielte, erfuhr er von einer Krebserkrankung eines Elternteils. „Zu dieser Zeit war ich mental und emotional ein Wrack“, sagt Gyori, „mein Kopf war voller Sorgen.“ Auch bei der Einbürgerung gab’s schlechte Nachrichten. „Die zuständige Beamtin hat mir voller Stolz beim ersten Treffen erklärt: Ich habe in 16 Jahren noch nie eine doppelte Staatsbürgerschaft genehmigt.“ Die ist in Deutschland nur in Ausnahmefällen möglich. Gyori sieht sich als einen solchen und beruft sich auf §12 Satz 1 Nummer 5 des Staatsangehörigkeitsgesetzes. Demnach kann dieser einen zweiten Pass halten, dem sonst „erhebliche Nachteile insbesonderer wirtschaftlicher oder vermögensrechtlicher Art entstehen würden“. Gyori sagt: „Einen Pass hätte ich bekommen, aber ohne die Ausnahmeregelung hätte ich viele Privilegien verloren. Ich hätte mit meiner Firma mehr als doppelt so viel Steuern zahlen müssen und ein Arbeitsvisum gebraucht.“

Gyori hätte sein Geld gerne in Deutschland investiert. In ein Herzensprojekt: eine Eishockey-Schule. Mehrere renommierte Trainer und ein kanadischer Minister hatten ihm ein entsprechendes Empfehlungsschreiben ausgestellt. Alles vergeblich. Der zuständige Beamte in Ravensburg, seiner nächsten Station, lehnte sein Gesuch ab. Am vorigen Freitag hätte er aus dem Heimaturlaub zurückkehren müssen, um seine Forderung auf den Pass aufrechterhalten zu können. Er stieg nicht in den Flieger.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Die zweite Liga reizt ihn nicht mehr. „Es ist schön, wieder zu Hause zu sein“, sagt Gyori. „Ich bin mit 16 Jahren von hier weg für meinen Eishockey-Traum und war selten hier.“ Diese Traumphase ist nun vorbei, ganz. Sein Onkel Wes ist Präsident bei den Bentley Generals, für die Ex-EHCler Eric Schneider im Vorjahr spielte. Er wollte Dylan zum Weitermachen in diesem semiprofessionellen Team bewegen. Aber der will sich nun voll auf seine Firma konzentrieren. Und auf seine neue Liebe, eine Bekannte von früher, sie denken ans Heiraten. Die Dinge haben sich für Gyori zum Guten gewendet. Im April oder Mai kommt er noch einmal nach München, um seinen Kram abzuholen. Und er hofft, dass er dann Playoffs beim EHC sehen kann. „Der EHC war wie meine zweite Heimat“, sagt Gyori. Im Vorjahr, als er zwischenzeitlich keinen Job angenommen hatte, ließ ihn der Klub für lau bei Lubor Dibelka wohnen und mittrainieren. „Großartig. Die vier Jahre beim EHC waren die faszinierendsten in meinem Leben, an der Seite der besten Fans. Danke an alle beim EHC!“

Martin Wimösterer

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