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EHC München mit Titel-Ambitionen

Wolf : "Ich bin kein Fan schreiender Trainer"

München - Der neue Torjäger Michael Wolf spricht im Merkur-Interview über Münchens Potenzial, die Aura Don Jacksons und 1,53 Meter mehr Platz im Angriff.

237 Treffer hat er erzielt in neun Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga – Michael Wolf ist die Tormaschine der Liga. Und der prominenteste Neuzugang beim EHC München. Der Klub aus dem Red-Bull-Imperium hat den 33-Jährigen aus Iserlohn abgeworben. Wolf war für die Offerte zugänglich, weil er näher an seiner Heimat Füssen sein wollte.

Michael Wolf, München statt Iserlohn – wie verändert sich das Leben dadurch?

Ich kann jetzt an einem freien Tag zwischendurch nach Hause fahren, was vom Westen aus nicht möglich war – und München ist ein anders Pflaster als Iserlohn: von der Größe, den Leuten, dem Verkehr. Die Umstellung dauert noch.

So ganz neu sind Sie im Raum München aber nicht. Es weiß nur keiner: Sie haben im Sommer in Germering immer Inline-Hockey gespielt.

Im vergangenen Sommer erstmals nicht, doch in den 12, 13 Jahren davor. Da bin ich regelmäßig ins Training und zu den Spielen gefahren. Man kann da technisch immer noch was lernen, an der Fitness arbeiten, es ist ohne Körperkontakt – und erfolgreich waren wir ja auch noch. Nur mit der Inline-Nationalmannschaft habe ich aufgehört: Eishockey-Saison, Eishockey-WM, Inline-WM, Inline-Saison – irgendwann war es zu viel.

Wie löst man sich von einem Klub, in dem man neun Jahre war und geliebt wurde wie Sie in Iserlohn?

Einfach war das nicht, als der Abschied endgültig feststand. Ich hatte viele sehr gute Freunde gewonnen.

Der Frust-Faktor in Iserlohn: Die Roosters galten als regelmäßiger Playoff-Verpasser.

Wir hatten immer auf mehr gehofft, waren in neun Jahren aber nur dreimal in der Endrunde.

Und Sie waren immer schon ab Anfang, Mitte März in der wochenlangen WM-Vorbereitung mit der Nationalmannschaft.

Für die war es gut, wenn ein paar Spieler ausgeschieden sind, für einen selber war es nicht so toll. Man hat schon den einen oder anderen Spruch abbekommen.

Iserlohn war in einigen Jahren ein Geheimtipp, doch offensichtlich sind Prognosen im Eishockey schwer. Auch über den EHC München gehen die Experten-Meinungen auseinander: Er wird als Topfavorit auf die Meisterschaft genannt, doch ebenso auch nur als Anwärter auf die Plätze sieben bis zehn. Ihre Einschätzung als Beteiligter?

Münchens neuer Torjäger Michael Wolf.

Es gehört sehr viel dazu, um am Ende Erfolg zu haben: Die Mannschaft muss sich finden, das System muss sitzen, man weiß nicht, ob Verletzungen passieren – ich denke, Meisterschaftsanwärter sind Mannheim und Köln, die seit Jahren ihren Kader zusammenhalten. In unserer Mannschaft steckt aber sicher das Potenzial, unter die ersten Sechs reinzufahren.

In der vergangenen und für München nicht glücklich verlaufenen Saison wurden vom damaligen Trainer Pierre Pagé die Formationen ständig verändert. Sie sind aber schon einer, der gerne mit festen Partnern spielt, oder?

Richtig, davon bin ich eher der Freund. Wenn man länger zusammenspielt, kann man sich auf die Feinheiten und Macken des anderen einstellen, man weiß, was er macht.

Mit Robert Hock, der inzwischen aufgehört hat, haben Sie lange Jahre in Iserlohn das erfolgreichste Sturmduo der DEL gebildet. Beim EHC könnte man Sie sich gut mit Alexander Barta vorstellen. Ihr Favorit?

In der Nationalmannschaft habe ich mit ihm ein paarmal gespielt, das hat ganz gut geklappt. In der Vorbereitung hier in München habe ich mit fast jedem mal gespielt, auch wegen Verletzungen. Ich denke, so hundertprozentig sind die Reihen noch nicht gefunden.

Sie haben verschiedenste Trainertypen erlebt. Wie muss ein Coach sein, dass er Ihnen behagt?

Ich habe keine Favoriteneigenschaften, bin aber nicht der Fan davon, wenn ein Trainer immer laut wird und zuviel schreit.

Ist Don Jackson, der den EHC übernommen hat, laut?

Er kann laut werden, weiß aber genau, wann das so sein muss. Sonst ist er der ruhige Vertreter. Am ersten Tag hat man schon gemerkt, wie viel Ahnung er hat und dass er ein Guter ist.

In sechs Jahren in Berlin hat Jackson fünf Titel geholt. Wirkt das auf die Spieler, verschafft es ihm eine Aura?

Das umgibt ihn, ja. Es wird auch nie einen Zweifel geben.

Wenn im Fußball aus dem 16-Meter-Raum ein 18-Meter-Raum würde, wäre das das Top-Thema in der Sportwelt. Im Eishockey gibt es Änderungen dieser Dimension: Die Linien wurden so verschoben, dass die beiden Drittel vor den Toren jetzt je 1,53 Meter länger sind und die neutrale Zone über drei Meter kürzer. Wird sich das Spiel verändern?

Es wird noch schneller hin- und hergehen. Wenn man sich im Angriffsdrittel festsetzt, kann man mehr kreieren. Für uns Stürmer wird es aber in der defensiven Zone anstrengender, weil der gegnerische Verteidiger mehr Platz hat. Wir werden uns daran gewöhnen.

Das Thema Alter: Sie sind 33.

Im Fußball wäre man alt. Im Eishockey gibt es genügend Leute, die mit 36 oder 38 noch spielen und topfit sind. Ich habe nicht das Gefühl, dass es bei mir relativ schnell zu Ende sein wird.

Haben Sie sich eine Tormarke gesetzt für die Saison?

Ja, aber über die spreche ich mit niemandem.

Das Interview führte Günter Klein

Rubriklistenbild: © gepa

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