"Ich bin der erste, der dagegenhält"

Für Neuzugang Roe prügeln sich die EHC-Kollegen

+
Garrett Roe kam aus Salzburg nach München.

München – Der kleine Garrett Roe kam vor der Saison aus Salzburg zum EHC und überrascht die Fans mit einem guten Start in München. Für ihn prügeln sich sogar die Teamkollegen.

Garrett Roe sagt gleich mal Sorry: Sein Deutsch sei noch nicht konversationsfähig. Dabei ist er gebürtiger Wiener.

Nun gut, amerikanischer Wiener. Zur Welt gekommen ist Garrett Roe im amerikanischen Wien. In Vienna, Bundesstaat Virginia, „nahe an Washington D.C.“, wie Roe sagt. Aus ihm ist ein professioneller Eishockeyspieler geworden. Vergangene Saison hat er in Salzburg zugebracht. Im originalen, dem österreichischen, der Mozartstadt. Trainer des dortigen Teams in der Saison 2013/14 war Don Jackson. Jetzt ist er Coach der Münchner – und er hat Garrett Roe mitgebracht. Und Evan Brophey, einen weiteren Stürmer.

Roe und Brophey – als der EHC diese Namen als Zugänge von seinem Mutterklub Red Bull Salzburg bekanntgegeben hat, fiel die Reaktion der Münchner Fans verhalten aus. Wenn man einen Spieler noch nie in Aktion gesehen hat, schaut man erst einmal nach, was er statistisch zu bieten hat: Brophey konnte einige Jahre in der American Hockey League nachweisen, die in Nordamerika als eine Art zweite Liga gilt. Aber sein Ertrag aus Toren und Assists lag weit unter dem, was etwa Darren Haydar, einer der Promis des vorjährigen Münchner Teams aufzuweisen hatte – und der enttäuschte in der DEL (mittlerweile spielt Haydar in Zagreb). Und in Roes Karriere überwiegen Stationen im College- und Universitäts-Eishockey – von der Reputation ein gutes Stück unter der AHL.

Don Jackson, der EHC-Trainer, war verwundert, dass Roe und Brophey in München keine Vorab-Anerkennung fanden. Er hatte sie in Salzburg ein Jahr lang, er war hochzufrieden mit ihnen. Beide böten ein interessantes Gesamtpaket: „Sie sind Charakterspieler, sie haben Speed und Skills“ – Geschwindigkeit und technische Fertigkeiten sowie Spielintelligenz.

Beide, Brophey und Roe, haben ihren Wert am ersten Punktspielwochenende des EHC München schon stark angedeutet: Fünf der Tore, die das Team beim 6:3-Sieg in Hamburg (am Freitag) und beim 7:0 über Schwenningen (am Sonntag), wurden von ihnen vorbereitet. Und vor allem die Pässe des kleinen Roe haben was von Spektakel.

Garrett Roe ist offiziell 1,73 m groß – und wenn er die Schlittschuhe ausgezogen hat, wirkt das Maß leicht nach oben geschönt. Spieler wie er haben es im nordamerikanischen Profi-Eishockey schwer – sie werden von den Scouts der berühmten Klubs oft automatisch als Typen eingeschätzt, die im physischen Spiel nicht bestehen können. Roe hält das für ein Vorurteil: „Wenn der Gegner hart spielt, bin ich der erste, der dagegenhält. Ich mag es, so zu spielen.“ Doch er hat auch gemerkt, dass er gut auf die größeren europäischen Eisflächen passt, auf denen er seine läuferische Fähigkeit einbringen kann. Irritiert hat ihn, als er dann vor einem Jahr nach Salzburg kam, nur, „dass die Geschäfte am Sonntag geschlossen hatten“. Folge: „Ich hatte nichts zum Essen zuhause.“ Österreich ist nicht Vienna.

Schweinsteiger sieht EHC-Kantersieg gegen Schwenningen

Schweinsteiger sieht EHC-Kantersieg: Bilder

Obwohl es in Salzburg gut lief für Garrett Roe, hat er sich zum Wechsel nach München entschieden. Grund: „Die DEL hat mehr Tiefe. Manche Spieler sind hier schon seit Jahren, das sagt viel aus.“ Erkundigt hat er sich bei Rob Goepfert, dem Torhüter der Düsseldorfer EG – ein Kumpel. Am Sonntag wird er auf ihn treffen, in der Münchner Olympia-Eishalle steht man sich gegenüber. Am Freitag, zwei Tage zuvor, spielt der EHC in Krefeld. Zielsetzung: die Tabellenführung verteidigen.

In der Münchner Mannschaft scheint Garrett Roe beliebt zu sein. Als er am Ende der Schwenningen-Partie von seinem Gegenspieler umgerammt wurde, eilte Florian Kettemer zu Hilfe und schlug sich mit Ryan Ramsey, dem Aggressor.

Kettemer kassierte die unausweichliche Spieldauerdisziplinarstrafe, hatte nach dem Match ein Pflaster über der Nasenwurzel und sagte stolz: „Das war überhaupt mein erster Faustkampf.“

Sein Resümee: „Gute Erfahrung – und ich kann mich noch verbessern.“

Von Günter Klein

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare