Red Bulls mit verändertem Gesicht

Das sind die neuen EHC-Kanadier - einer erinnert an einen Münchner Meister-Verteidiger

+
Früher Gegner, nun Kollegen: Trevor Parkes (l.) aus Augsburg und Jason Jaffray.

Der EHC Red Bull München ist bislang mit fünf kanadischen Neuzugängen dem Abgang von acht Akteuren entgegen getreten. Wir stellen die neuen Legionäre vor.

München – Als der EHC München im April seinen dritten Meistertitel in Serie feierte, stand schon fest, dass es mehr personelle Veränderungen im Kader als sonst zwischen den Spielzeiten geben würde. Der Umbruch ist massiver ausgefallen als damals gedacht. Acht Stammspieler sind nun weg (Leggio, Kettemer, Lauridsen, Kahun, Aucoin, Macek, Pinizzotto, Flaake), geholt hat der EHC fünf „Imports“, die sich am Freitag beim ersten Eistraining präsentierten. Wir stellen sie vor.

Andrew Bodnarchuk: Der 30-Jährige ist der einzige neue Verteidiger der Münchner. Er hat die klassische Nordamerika-Karriere hinter sich. Mittlere Draftposition (2006 an Nummer 128 von den Boston Bruins), ein paar NHL-Anläufe (42 Spiele für drei Clubs), eigentliche Heimat wurde die Farmteamliga AHL (694 Partien). Beschäftigt war Bodnarchuk bis Mitte Juni, mit den Texas Stars stand er im AHL-Finale, die Serie endete mit einer Niederlage im siebten Spiel gegen die Toronto Marlies – die gegenteilige Erfahrung des EHC München also, der sein siebtes Endspiel gegen Berlin gewann. In einem Scouting-Report steht über Bodnarchuk, er sei ein solider Allrounder, sein Spiel sei aber mächtiger, als seine Größe (1,80 m) es erahnen ließe. Typ Jeremy Dehner, den die Münchner vor zwei Jahren zu ihrem Leidwesen an Wolfsburg verloren hatten. Woran Bodnarchuk sich gewöhnen muss: an die größere Eisfläche im Vergleich zu Nordamerika. Er gilt aber als guter Schlittschuhläufer, was bei der Umstellung hilfreich sein wird.

Mark Voakes: Klassischer Center, Spielmacher, möglicher Eins-zu-eins-Ersatz für Keith Aucoin, der seine Karriere beendet hat. In Nordamerika war Voakes überwiegend unterklassig unterwegs gewesen, erst mit dem Wechsel in die DEL (Krefeld 2012) entfaltete sich sein Talent. Stabiler Scorer, positionsüblich mit mehr Pässen als Toren. In den vergangenen vier Jahren ein Herzstück des Wolfsburger Teams, das dem EHC meist in den Playoffs begegnete. Voakes kam mit seinem anspruchsvollen Trainer Pavel Gross zurecht, da wird er in München mit Don Jackson keine Probleme bekommen. Allerdings: Voakes ist 34 und hat schon einige Verletzungen hinter sich.

Trevor Parkes: Erstaunlich an dem Rechtsaußen, Typ Power Forward, ist sein noch junges Alter – 27. Er wirkt deutlich gesetzter, wenn er nach dem Tor die Teamkollegen wie Jünger um sich schart, die ihm, dem Meister des Torabschlusses, huldigen. Mit 25 kam der Kanadier nach Augsburg, spielte für die Panther zwei Saisons mit je 22 Hauptrunden-Treffern. In Kanada hatte er die Scouts nie überzeugen können, über die AHL kam er nicht hinaus. Sein größter Erfolg war, dass er im erweiterten Olympia-2018-Kader Kanadas stand und zu ein paar Testspielen eingeladen wurde. Er rang lange mit sich, ehe er den delikaten Wechsel von Augsburg nach München vollzog.

John Mitchell: Im Profi-Eishockey ein Allerweltsname. Unter den diversen Mitchells, die auch noch John heißen, ist der Stürmer-Neuzugang des EHC aber der mit der glamourösesten Laufbahn. Eine Teilsaison mit den Nürnberg Ice Tigers (inklusive Playoffs 49 Spiele mit 17 Toren und 26 Vorlagen) hat den EHC überzeugt, dass der 33-jährige Kanadier in die DEL passt. Bis 2017 hatte Mitchell stabil seinen Platz in der NHL gehabt (566 Spiele). Der Makel: In neun NHL-Jahren erlebte er nur eine Playoff-Serie. Was in nordamerikanischen Quellen Nettes über ihn geschrieben wird: Er ist ein „Team first-player“, ein Mannschaftsspieler.

Justin Shugg: 2017 setzte der EHC München seinen Namen auf den Einkaufszettel – kurz zuvor war er von dem Kanadier, damals neu in Augsburg, mit drei Toren in einem Spiel abgeschossen worden. Den Panthern war klar, dass Shugg auf Dauer eine Nummer zu groß für sie sein würde, sie hatten ihn seinerzeit bekommen, weil er sich als Kanadier bei Dinamo Riga nicht wohlgefühlt hatte. Sein Talent (2010 in der vierten Runde vom NHL-Club Carolina gedraftet) konnte der Techniker Shugg nicht immer bestätigen, die Karriere verlief wechselhaft. 2017/18 spielte er für die Kölner Haie, trotz der guten Bilanz von 16 Toren und 21 Assists empfand man ihn als enttäuschend. Shugg ist 26 – jung angesichts seiner bewegten Karriere.

Von Günter Klein

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Das sind die neuen EHC-Kanadier - einer erinnert an einen Münchner Meister-Verteidiger
Das sind die neuen EHC-Kanadier - einer erinnert an einen Münchner Meister-Verteidiger
Red Bull Salute als EHC-Meister-Omen? „Ein bisschen abergläubisch sind wir ja auch“
Red Bull Salute als EHC-Meister-Omen? „Ein bisschen abergläubisch sind wir ja auch“

Kommentare