Einer ist der beste Keeper der DEL

Treutle oder Hardy: Wer wird EHC-Playoff-Torhüter?

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Bester Torhüterwert in der DEL: Niklas Treutle.

München – Die Play-offs werfen ihre Schatten voraus und der EHC ist auf dem besten Wege sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Doch wer wird dann das Tor hüten?

Mannheim hat ein Spiel weniger, aber sieben Punkte mehr – ob der EHC München, derzeitiger Zweiter, die Hierarchie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch verändern kann in den verbleibenden drei Wochen der Vorrunde? Eher nicht. Doch zumindest können die Münchner ein Spiel noch als letzten Angriff auf die Spitze verkaufen, denn am Sonntag (16.30 Uhr) erwarten sie besagte Adler Mannheim in der Olympia-Eishalle. Ins Wochenende steigen sie bereits am Freitag ein, in Iserlohn (19.30 Uhr).

Interessant wird in diesen beiden anspruchsvollen Partien auch sein: Welchen Torhüter lässt EHC-Trainer Don Jackson spielen? Einen zweimal, den anderen keinmal? Oder wechselt er ab zwischen Niklas Treutle und Florian Hardy? Die Playoffs sind nicht mehr fern, und die Coaches (zumal nordamerikanische wie Jackson) tendieren dazu, in die Spiele, auf die es ankommt, mit einer klar definierten Nummer eins zu gehen.

„Ich mag diese Bezeichnung Nummer eins nicht“, sagt Jackson. Er behandelt das Thema mit mehr Gelassenheit als sein Vorgänger Pierre Pagé. Der hielt die Position für die wichtigste und verpflichtete für die Endphase der vergangenen Saison noch den NHL-erfahrenen Finnen Mika Noronen, obwohl er in Jochen Reimer (inzwischen in Nürnberg) und Niklas Treutle zwei vollwertige Keeper zur Verfügung hatte. In Kevin Reich und Jimmy Hertel hatte Pagé sogar noch einen vierten und fünften Torsteher lizenziert gehabt.

Don Jackson legte für die Saison 2014/15 erst einmal eine Art Rotationsprinzip fest: Hardy, der Neuzugang aus Frankreich, und Treutle teilten sich fast jedes Wochenende. „Ich denke, das ist fair“, argumentierte der Trainer. Der international erfahrene Florian Hardy, in Frankreich die Nummer zwei und eben 30 Jahre alt geworden, schien anfangs derjenige zu sein, den Jackson im Zweifelsfall vorziehen würde. Doch Hardy musste zwei Verletzungspausen nehmen, und mittlerweile stellt sich die Lage so dar, dass Niklas Treutle, 23, gebürtiger Nürnberger, mehr Spiele gemacht hat: 27. Hardy stand 20 Mal im Tor. Treutle hat 420 Minuten mehr bestritten als sein Kollege. Und auch die besseren statistischen Werte: 2,03 beträgt sein Gegentorschnitt, damit ist er der beste Torwart der Liga; bei Florian Hardy hat es je 60 Minuten 2,52 Mal eingeschlagen – Platz acht.

Nach Zahlen ist Niklas Treutle die Nummer eins der DEL – in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Als Stars auf ihrer Position gelten der Mannheimer Dennis Endras, der Düsseldorfer Koloss (1,96 m) Tyler Beskorowany, ein Kanadier, Ingolstadts Meister-Goalie Timo Pielmeier, Iserlohns Deutsch-Österreicher Matthias Lange, Berlins finnischer Routinier Petri Vehanen. In der Wertschätzung von Bundestrainer Pat Cortina stehen mindestens Endras, Pielmeier und der Kölner Danny Aus den Birken vor dem Münchner Treutle, der in dieser Saison auch schon zum Kooperationspartner SC Riessersee in die DEL2 beordert wurde. Erst wieder am Sonntag, da sammelte Treutle in Garmisch-Partenkirchner Diensten Spielpraxis. Er sagt, gegen gelegentliche Einsätze eine Liga tiefer sei nichts einzuwenden, er helfe gerne aus.

Den klassischen Publikumslieblings-Status, wie ihn Jochen Reimer hatte, erreichen beim EHC derzeit weder Treutle noch Hardy. Reimer war ein Spektakeltorwart, der in Pagés Hochrisiko-Hockey auch viel stärker gefordert wurde. Treutle und Hardy können ihren Job 2014/15 hinter einer weitaus stabileren Abwehr verrichten. Und gerade einem wie dem stillen Florian Hardy würde ein Zucken und Grätschen à la Reimer auch gar nicht behagen. „Ich bin mehr ein Torhüter, der mit den Augen spielt“, sagt er.

von Günter Klein

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