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Schwele: Das Rezept der Kölner? Amnesie!

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Basti Schwele.

München - Spiel 1 des Playoff-Halbfinals zwischen dem EHC Red Bull München und den Kölner Haien muss noch keine Aussagekraft haben, meint Basti Schwele. Das zweite Duell kann aber richtungsweisend sein. tz-Experten-Kolumne. 

Der klare Sieg des EHC München gegen Köln war nicht überraschend. Nach dem ersten Drittel hätte ich gedacht, dass die Haie ihrer defensiven Linie treu bleiben. Das war bis dahin ein kompletter Abgleich zur Serie der Red Bulls gegen Straubing, nur mit höherer Qualität. Doch das haben die Kölner hinterher nicht mehr aufs Eis gebracht.

Körperlich war das sicher in Spiel 1 kein Problem. München ist im Viertelfinale zweimal nach Straubing gefahren. 160 Kilometer für die einfache Strecke, und sie konnten zuhause schlafen. Die Haie haben in dieser Zeit fast 5000 Kilometer zurückgelegt, waren fast nur unterwegs und im Hotel. Da kriegst du den Kopf einfach nicht frei. In den Playoffs ist aber vieles mental gesteuert.

Köln werden sich wieder berappeln, sie lagen ja auch gegen Berlin 1:2 und 2:3 in der Serie hinten. Ob du ein Playoff-Match 0:1 oder 1:5 verlierst, spielt am Ende keine Rolle. Die größte Gabe ist die Amnesie: Du musst sofort vergessen und nur noch auf das schauen, was kommt. Zumal die Haie abgezockt sind, sie standen in den vergangenen drei Jahren zweimal im Finale. Sie werden sicher nicht in Panik verfallen.

Daher kann es am Freitag (ab 19.30 Uhr hier im Live-Ticker) ein ganz anderes Spiel werden, ohne dass Köln seinen Stil verändert. Die defensive Herangehensweise der Haie hat sich ja auch gegen Mannheim und Berlin durchgesetzt. Sie entspricht dem Charakter des Teams. Sie werden einfach schauen, dass sie frischer sind. Im Idealfall gibt Cory Clousten seinen Jungs am Donnerstag frei. Wie sagt Hans Zach so schön: Du musst die Spieler nicht auf das Training heiß machen, sondern auf das Match.

Auch die Münchner werden nichts ändern. Sie haben vier Reihen, die ein Spiel entscheiden können und verlassen sich auf ihr Kollektiv. Zudem haben sie die Eier zu sagen: Wir holen das Ding. Ganz egal, wie defensiv der Gegner eingestellt ist. Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen. Deswegen glaube ich auch, dass Don Jackson in der Abwehr Richie Regehr draußen lässt. Er ist das Gegenstück zu Kölns Shawn Lalonde. Beide bringen nach vorne enorm viel, aber eben mit Risiko. Das will Jackson vermeiden. Er vertraut auf Verteidiger, die einen sicheren ersten Pass spielen. Er weiß, dass nach vorne immer etwas geht.

Ein Auswärtserfolg am Freitag kann sogar schon richtungsweisend sein für den EHC. München könnte so im Heimspiel auf 3:0 stellen. Und da noch einmal zurückzukommen - das hat in der DEL noch niemand geschafft. Aber es wird spannend, interessant und hochklassig - darauf darf man sich freuen.

Basti Schwele,  ServusTV-Kommentator

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