Der Zweite beim Ersten und gegen den Dritten

EHC winkt Tabellenführung: "Man will immer Erster sein"

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Unterzahl-Spezialist: Keith Aucoin (weißes Trikot), hier beim Derby in Augsburg.

München – Der EHC Red Bull München könnte an diesem Wochenende die Tabellenführung der DEL übernehmen. Gegner sind Spitzenreiter Berlin und der Dritte aus Düsseldorf.

Man merkt es Stefan Schneider, dem altgedienten Stadionsprecher des Münchner Eishockeys, an, wie gerne er mal wieder den Hinweis anbringen würde, dass der EHC an der Spitze der DEL stehe. Am Sonntag bietet sich ihm unter günstigen Umständen die Möglichkeit, Triumph in die Stimme zu legen. Denn das Team von Trainer Don Jackson, lange im Mittelfeld der Liga gefangen, ist vorgerückt auf Platz zwei – und bekommt es mit der Tabellennachbarschaft zu tun. Bereits heute (19.30 Uhr könnte es durch einen glatten Sieg (nach 60 Minuten) beim zwei Punkte entfernten Ersten Eisbären Berlin die Tabellenführung übernehmen. Nächster Gegner dann: Düsseldorf, der Dritte, am Sonntag im Heimspiel (bereits um 14.30 Uhr, da die DEG mit Sonderzug-Anhang kommt). Wäre es denn wichtig, Erster und vielleicht Hauptrundenmeister zu werden, Mister Jackson? „Man will immer Erster sein“, sagt der Amerikaner und lächelt milde.

Neun Spiele, sieben Siege, 33:17 Tore – die Bilanz des EHC aus dem Monat Januar. Der Aufschwung habe sich irgendwann im Dezember feststellen lassen, sagt Frank Mauer. Der Stürmer hatte die beste Perspektive, um sich dieses Urteil zu bilden: von außen. Der Neuzugang aus Mannheim musste die Spiele des EHC vier Monate lang von der Tribüne aus verfolgen, er war verletzt. Trainiert hat er bei den Physiotherapeuten. Seit einer Woche kann er wieder spielen – und hat schon die ersten beiden Tore geschossen.

„Es sieht leicht aus, wie wir spielen. Oder: Wir lassen es leicht aussehen“, sagt Mauer zum derzeitigen Stand, den sich die Mannschaft erarbeitet hätte. Die Probleme, die man anfangs gehabt hatte: Die Mannschaft trat nicht als Einheit auf – „vielleicht, weil viele Spieler neu waren“. Doch Don Jackson habe mit seiner ruhigen Art der Ansprache die Verhältnisse geordnet. Die Qualität kommt nun zum Tragen. „Wir haben viele Jungs, die Tore schießen können.“ Da zuletzt elf Stürmer zur Verfügung standen (zwölf bräuchte man für vier Reihen), hat der Coach viele Kombinationen aufs Eis schicken müssen – doch selbst das klappt.

Zu einer richtigen Spezialität geworden ist das Spiel in Unterzahl. Zwar liegt der EHC mit seiner Torverhinderungsquote von 84,88 Prozent noch unter dem Ligaschnitt (86,64), doch er erzielt mit einem Mann weniger öfter selbst ein Tor. Spezialist dafür: Keith Aucoin (4). Sein Assistent ist Steve Pinizzotto. „Sie haben schon zusammen in Hershey gespielt und im Penalty-Killing etliche Tore erzielt“, weiß Jackson von der Vorgeschichte der beiden im nordamerikanischen Eishockey.

„Tor in Unterzahl“ – das ruft EHC-Hallensprecher Schneider fast so euphorisch aus wie den „Spitzenreiter“.

Von Günter Klein

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