Licht und Schatten am Oberwiesenfeld

EHC-Zwischenbilanz: Besseres Mittelmaß

Seine Durchschlagskraft hat EHC-Torjäger Jason Jaffray (r.) bislang eindrucksvoll bewiesen.

München – Heute endet mit dem Heimspiel gegen die Düsseldorfer EG das erste Viertel der DEL-Saison. Der EHC Red Bull München befindet sich auf der Suche nach Konstanz. Die Zwischenbilanz.

„Ich bin sauer“, sagte Don Jackson am Sonntag in Berlin. 3:5 hatte sein EHC München bei den Eisbären Berlin verloren, beim neuen Spitzenreiter. Eine unnötige Abfuhr befand der Trainer – außerdem ist es sein Anspruch, selbst oben zu stehen. Heute (19.30 Uhr) endet mit dem Heimspiel gegen die Düsseldorfer EG das erste Viertel der „regular season“, der EHC wird dann gegen alle 13 Kontrahenten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) je einmal gespielt haben. Eine Zwischenbilanz.

Was schlecht läuft ...

Dem EHC fehlt es an Konstanz. An der im Spiel, in das sich immer wieder Phasen der Wirrnis einschleichen (0:3- Rückstand gegen Augsburg, 1:3-Mitteldrittel gegen Schwenningen, Vergeben eines 2:0-Vorsprungs gegen Iserlohn) – und überhaupt: Längste positive Serie waren vier Siege vom 5. bis 8. Spieltag, allerdings zwei davon erst in Verlängerung und Penaltyschießen zustande gekommen, die anderen beiden mit einem Tor Unterschied.

Somit steht der EHC derzeit nur auf dem Pre-Playoff-Platz 7. Erstaunlich vor allem ist: Er hat eine negative Tordifferenz (38:40). In der Auswertung seiner „special teams“ für Über- und Unterzahlspiel findet sich der EHC ebenfalls in der besseren Mitte wieder (Sechster).

Richtig „abgeschossen“ wurde der EHC in keinem seiner zwölf Spiele – dennoch offenbart er ein Defensivproblem. Vor allem hat er nur einen ligatauglichen Torhüter. Bisherige Arbeitsaufteilung auf dieser Position: Danny Aus den Birken absolvierte 713 Minuten, Lukas Lang 26 (mit drei Gegentreffern). Und diese Woche musste Aus den Birken im Training pausieren. Woraufhin der EHC mit einer Nachverpflichtung reagierte.

Dem Finnen Toni Söderholm, der der neue Anker der Abwehr sein sollte, sieht man seine grundsätzliche Klasse in jeder Partie an, er war auch schon an vier Treffern beteiligt – allerdings hat er eine unwürdige Plus-Minus-Bilanz (minus vier). Noch schlechter die Stürmer Jerome Samson (minus fünf in nur sechs Spielen) und Maximilian Kastner (ebenfalls minus fünf).

Zur sportlichen Stagnation kommt die im Zuschauerbereich: Mit einem Schnitt von 3499 Besuchern steht der EHC an drittletzter Stelle in der DEL, obwohl er schon drei Zahltag-Spiele (Meister Mannheim, Derbys gegen Augsburg und Ingolstadt hatte). Man hofft auf Aufbesserung durch die beiden Olympiahallenspiele in der Weihnachtszeit.

Was gut läuft ...

Es scheint die Saison der jungen Spieler zu werden. Dominik Kahun steht auf Platz eins der DEL-Scorerwertung. Und weil es zu einigen Verletzungsausfällen unter den etablierten Spielern gekommen ist, dürfen sich Andreas Eder, Joachim Ramoser, Kai Herpich und Maximilian Kastner regelmäßig versuchen.

Der EHC hat in Jason Jaffray einen echten Torjäger gefunden, der sogar einen Rekord aufstellte, als er in jedem seiner ersten sechs Matches traf. Er steht nun bei neun Toren, bildet mit Keith Aucoin und Michael Wolf eine funktionierende Reihe. Ebenso passt es in der Angriffsformation mit Kahun, Mads Christensen und Daniel Sparre.

Gut tut dem EHC das Mitwirken von Verteidiger Richie Regehr. In den ersten vier Saisonspielen war der Kanadier gesperrt (wegen eines Fouls in der letztjährigen Playoffs), seit seiner Rückkehr sorgt er mit seinen Schüssen von der blauen Linie für Angst und Schrecken bei den Gegnern.

Steve Pinizzotto hat sich gefangen. Der Deutsch-Kanadier mit frischer NHL-Vergangenheit startete mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe in die Saison, hat sich aber keine weiteren Vergehen geleistet und die beste Plus-Minus-Bilanz im Team (plus sechs).

Stark ist beim EHC in der Regel das Finish. Geht er mit Führung ins letzte Drittel, hat er noch nicht verloren. Und oft dreht er (Ausnahme in Straubing) gegen Ende noch einmal auf. Wie ein Team, das eigentlich viel mehr kann, als es gezeigt hat.

Worauf der EHC hofft: Irgendwann komplett zu sein

Bereits zehn Spieler des Kaders waren/sind von Verletzungpausen betroffen. Und die Enge in der Tabelle (nur vier Punkte Abstand zu Rang eins) lässt alle guten Optionen offen.

Ins zweite Viertel der Vorrunde startet der EHC München am Sonntag (16.30) in Düsseldorf. Ein Spielplankuriosum: Zweimal nacheinander derselbe Gegner. Als wären schon Playoffs.

Von Günter Klein

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