Die Menschen sind gespalten

Pro und Contra: Profis dürfen spielen - Amateure müssen warten

08.04.2020, Fussball Bundesliga Symbolbild Geisterspiele
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Symbolfoto

Ist es richtig, dass am 16. Mai wieder Fußball gespielt wird? Es gibt Gründe. die sowohl für als auch gegen einen Re-Start in der 1. Bundesliga sprechen.

  • Am 16. Mai rollt bei den Profis in Deutschland wieder der Fußball
  • Es gibt zahlreiche Bedenken und Kritik wegen des Re-Stars der 1. und 2. Bundesliga.
  • Wir nennen je fünf Argumente für und gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Seit wenigen Tagen ist klar: Am 16. Mai wird in der 1. und 2. Bundesliga wieder Fußball gespielt. Die DFL bekam für ihr Hygiene-Konzept aus der Politik grünes Licht und darf versuchen, die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. 

Am 17. Mai öffnet die 2. Bundesliga ihre Pforten - hier gibt‘s den Konferenz-Ticker.

Ein Ende der Diskussion ist nicht in Sicht

Unumstritten ist die Wiederaufnahme deshalb aber nicht. Nicht nur auf politischer Ebene wird fleißig weiter diskutiert, auch die Basis macht sich Gedanken. Ist es gerecht, dass die Fußball-Profis unter alles andere als normalen Bedingungen kicken dürfen und die Amateure bis mindestens Anfang September warten müssen? 

Es steht fest, dass diese Diskussion noch lange nicht beendet ist. Teile der 3. Liga möchten auch bald wieder einsteigen und die Saison beenden, einige Klubs sind vehement dagegen. Wir nennen je fünf Argumente, die für und gegen den Re-Start der Fußball-Stars sprechen.

5 Argumente für den Neustart

1. Fußballprofis üben ihren Beruf aus

„Millionarios“, „Parallelwelt“, „Gehaltsverzicht“ - es bieten sich eine Menge Stammtischparolen an, über die diskutiert wird. Wie wahrscheinlich jede andere Branche im Moment, versucht der Fußball seine Existenz zu retten. Speziell in der 2. Bundesliga und der 3. Liga sind die Gehälter lange nicht so hoch und auch dort haben Spieler finanzielle Sorgen. Die DFL stellt die Athleten unter Quarantäne und versucht Bedingungen zu schaffen, unter denen gespielt werden kann - ein Szenario, das bei den Amateuren nicht umsetzbar ist. 

2. Der Profifußball finanziert den Amateurbereich teilweise mit 

Die Diskussion um ausstehende Fernsehgelder, die für etliche Vereine des Profifußballs überlebenswichtig sind, waren in den vergangenen Tagen und Wochen nicht zu überhören. Doch auch bei den Amateure kommt ein Teil davon an. 45 Millionen pro Jahr gehen an die Vereine in Deutschland.

3. Wird die Saison nicht beendet, werden die Amateure noch länger warten müssen

Eines ist eigentlich schon klar. Ob die Saison tatsächlich jetzt beendet werden kann, steht auf Messers Schneide. Erkranken nach dem Re-Start ein oder gar mehrere Spieler, könnte das ganze Hygiene-Konzept wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Der Amateurfußball muss vielleicht sogar hoffen, dass alles gut geht. Geht der Versuch in die Hose und die Saison wird doch noch abgebrochen, dürfte auch eine baldige Rückkehr der Freizeitkicker in weite Ferne rücken. 

4. Kein rechtliches Chaos und keine Klagewelle

Eine Menge Verträge laufen zum 30. Juni aus. Ob und wenn ja, wie diese bis zum „Saisonende“ ausgedehnt werden können, ist rechtlich völlig unklar. Es könnte zu Klagewellen durch Spieler, Berater und Vereine kommen. Wird die Saison bis Ende Juni beendet, ist dieses Thema vom Tisch. 

5. Ein Stück Normalität kehrt zurück

„Ich habe bereits gesagt, dass Fussball immer das Wichtigste unter den unwichtigen Dingen ist. Heute sind Fussball und Fussballspiele überhaupt nicht mehr wichtig.“ 
Mit diesem Satz hat sich Jürgen Klopp zu Beginn der Corona-Pandemie auf  der Website des FC Liverpool zu Wort gemeldet. Nach inzwischen mehr als zwei Monaten gibt es etliche Fans, die trotz der Geisterspiele nach einem Live-Event ihrer Lieblinge lechzen. 

5 Argumente gegen den Neustart 

1. Wie wird der Auf- und Abstieg geregelt?

Selbst wenn die 3. Liga die Saison auch noch beendet, bleiben Fragen offen. Spätestens beim Wechsel vom Amateurlager in der Regionalliga zu den Profis in der 3. Liga müsste für die kommende Saison eine Lösung gefunden werden. Der Bayerische Fußball-Verband hat zwar inzwischen eine Lösung für den Freistaat präsentiert, aber die Frage, wie andere Verbände entscheiden, ist offen. Junglöwen-Trainer Frank Schmöller hat bereits gefragt, „wie das alles funktionieren soll“.  

2. Fußball ist für die Fans

Warum wird eigentlich Fußball gespielt? Egal ob in der C-Klasse auf einem Fußballfeld-ähnlichen Gelände oder auf den Teppichen in den modernen Arenen: Fußball wird vor allem auch für die Fans gespielt. Mit Geisterspielen wird diese Idee konterkariert. Außerdem verlieren Teams einen unschätzbaren Vorteil bei Heimspielen. Borussia Dortmund, Schalke 04 und viele andere Vereine profitieren von der Atmosphäre, die durch die eigenen Anhänger geschaffen wird. 

3. Es lauern Gefahren an allen Ecken und Enden

Drei Personen wurden beim 1. FC Köln positiv getestet. Birger Verstraete äußerte deshalb in einem Interview schwere Bedenken, die auch trotz der eilig aufgesetzten Pressemitteilung der Geißböcke samt Dementi hängen geblieben sind. Das Video von Salomon Kalou hat ebenfalls für einen Aufschrei gesorgt. Schnell war die Rede von einem Einzelfall und der Ivorer wurde suspendiert. Dass aber Kollegen des Stürmers beim Abklatschen nicht gerade abweisend reagiert haben, lassen zumindest Zweifel offen, ob tatsächlich nur der 34-Jährige oder vielleicht sogar auch andere Fußballer die nötige Sensibilität mitbringen. 

4. Das Problem der Verhältnismäßigkeit

Seit Anfang März erleben die Menschen in Deutschland nie geahnte Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit und Grundrechte. Kitas, Kindergärten und Schulen sind und bleiben teilweise weiterhin geschlossen. Eltern, die oft noch im Home Office ihre Leistung bringen müssen, sind an ihrer Belastungsgrenze. Sie müssen den eigenen Nachwuchs versorgen, bespaßen und teilweise beschulen. Der Ruf nach Lockerungen in allen Bereichen wird täglich lauter. Es ist kaum zu vermitteln, dass Familien derart eingeschränkt sind, es aber möglich ist, 18 Spieltage der 1. und 2. Bundesliga zu einem regulären Ende zu bekommen. 

5. Hohes Risiko für die Spieler

Den Spielern bleibt natürlich wie allen anderen zu wünschen, dass sie gesund bleiben. Dennoch lauern eine Menge Gefahren, selbst wenn die Sportler nicht an Covid-19 erkranken. Es droht ein Terminchaos, wann und wie die kommende Saison angepfiffen wird, ist noch nicht klar. Es stehen Länderspiel-Termine an und im kommenden Sommer soll die Europameisterschaft nachgeholt werden. Auf die Athleten kommt eine enorme Belastung zu, denn der Fahrplan für die kommenden 14 Monate könnte, wenn denn einigermaßen normal gespielt wird, noch straffer sein als ohnehin schon und Verletzungen würden sich zwangläufig häufen. 

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