"Er hat es sich verdient"

Rummenigge würdigt Jubilar Heynckes

+
Prosit! Karl-Heinz Rummenigge wird nach der Partie gegen Bremen sicherlich mit Jupp Heynckes auf desen Jubiläum anstoßen.

München - Jubiläum für ein Kind der Bundesliga: Jupp Heynckes steht vor seinem 1000. Einsatz als Spieler oder Trainer. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will ihn "besonders feiern"

Jupp Heynckes hat es angeblich gar nicht gewusst, aber ja, sagt er zumindest, „ich habe davon gehört“. Sie haben ihm schließlich mitteilen müssen, dass er am Samstag kurz vor halb vier nicht gleich nach rechts auf die Trainerbank abbiegen soll, sondern vor dem Spiel des FC Bayern gegen Werder Bremen erst mal noch geehrt wird. „Er hat es sich verdient, dass wir ihn da auch mal besonders feiern“, betont der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummennigge.

Jupp Heynckes ist ein Kind der Bundesliga, und weil er bis zum Alter von mittlerweile 67 Jahren jung geblieben ist, knackt er nun eine bemerkenswerte Marke. Seit dem 14. August 1965 hat Heynckes in der Bundesliga 369-mal mitgespielt und dazu 630-mal eine Mannschaft betreut: Folgt am Samstag gegen Bremen also Einsatz Nummer 1000. „Da sieht man mal, wie die Jahre vergangen sind“, sagt der Jubilar über sein „Juppiläum“ (Bild).

Wenn er sich die Zahl so vorstellt, dann findet auch Heynckes, dass sie „imposant“ ist. Erreicht hat sie bislang nur Otto Rehhagel, der war 201-mal als Spieler aktiv, 832-mal als Trainer, das ergibt 1033 Einsätze. Eine solche Marke zu erreichen, sagt Heynckes, „habe ich als Spieler nie zu träumen gewagt, das ist eine lange Historie, über die man sicher mehrere Bücher schreiben könnte. ` Könnte man in der Tat. `Aber ich werde das nicht machen“, sagt Heynckes.

Vielleicht ist Heynckes ja der Aufwand zu groß, zu schildern, was in den Jahren seit jenem ersten Einsatz für Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Neunkirchen so passiert ist. Die Liste seiner Erfolge ist jedenfalls ellenlang: Er war Weltmeister und Europameister (1974 bzw. 1972), UEFA- und DFB-Pokal-Sieger, viermal deutscher Meister. Der dritte Bundesliga-Titel als Trainer wird wohl im Mai dazukommen, vielleicht auch der zweite Champions-League-Sieg.

Jupp Heynckes sei ein „absolutes Kind der Bundesliga, und es ist doch auch sehr passend, dass er dieses außergewöhnliche Jubiläum in der 50. Saison seit Bestehen der Bundesliga feiert“, sagt Klub-Chef Rummenigge. Heynckes hat in der Tat nur für zwei Vereine gespielt - zwischen zwei Aufenthalten in Gladbach auch für Hannover 96. Aber: Unter den neun Klubs, die er trainierte, sind vier ausländische: CD Teneriffa, Athletic Bilbao, Benfica Lissabon und Real Madrid.

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Am 24. März 2011 war's offiziell: Jupp Heynckes unterschreibt zum dritten Mal einen Vertrag als Trainer beim FC Bayern München. Am 30. Juni 2013 ist wieder Schluss, dann endet nach 1011 Bundesliga-Spielen als Spieler und Trainer eine beeindruckende Karriere. Wir werfen einen Blick zurück auf die Laufbahn von "Don Jupp". © sampics
Nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach - ohne Titel - löste Jupp Heynckes zur Saison 1987/1988 beim FC Bayern den Meistertrainer Udo Lattek ab. Lattek feierte in München insgesamt sechs Meisterschaften. Uli Hoeneß, damaliger Bayern-Manager, erhoffte sich vom gebürtigen Gladbacher eine erfolgreiche Ära. Auf nationaler Ebene konnte Heynckes die Ansprüche des FC Bayern erfüllen. © getty
In seiner ersten Saison wurde er aber "nur" Zweiter hinter Bremen. © getty
In seinen vier Jahren der ersten Amtszeit kam er als Chef-Trainer des FC Bayern international sowohl im UEFA Cup als auch im Europapokal der Landesmeister nie über das Halbfinale hinaus. Der Weltmeister von 1974 wurde in München dafür 1989 und 1990 Deutscher Meister. Dazu kommen zwei Vizemeisterschaften in seiner "Ära". © getty
In seiner fünften Saison wurde Jupp Heynckes nach einer 1:4-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers entlassen. Die Tabellensituation war bedrohlich, da die Münchner nur Zwölfter waren. Der Vorstand musste handeln. Hoeneß nannte den Rauswurf seines Freundes im Nachhinein seinen "größten Fehler". © sampics
Diese Freundschaft war auch ausschlaggebend, dass Heynckes aus seinem Ruhestand zurückkehrte und die Bayern übernahm, nachdem Jürgen Klinsmann 2009 entlassen wurde. Jupp war zufällig zu Besuch bei Hoeneß in München - sah sogar die letzte Partie Klinsmanns gegen Schalke - und paar Tage später saß er zum zweiten Mal beim FC Bayern auf der Trainerbank. © sampics
Heynckes sicherte dem Rekordmeister die direkte Qualifikation für die Champions League und feierte damit seine dritte Vizemeisterschaft mit den Münchnern. Zur Meisterschaft fehlten den Münchnern zwei Punkte. © getty
In den letzten fünf Spielen holte der ehemalige Meistertrainer vier Siege und ein Remis. © getty
Zum 34. Spieltag gegen Stuttgart (Endstand 2:1) gab es für den 66-Jährigen einen Blumenstrauß zum Dank für die "Hilfe". Nach der Saison rechnete er mit seinem Vorgänger Klinsmann ab: "Sie können nicht am offenen Herzen operieren, wenn Sie noch nie an einem Operationstisch gestanden haben." © getty
Gerade aufgrund seiner ehrlichen und familiären Art sowie als Motivator schätzen ihn seine Spieler. Des Weiteren schafft es Heynckes, aus einer sicheren Defensive ein schönes Offensivspiel spielen zu lassen. Dieses Gesamtpaket sicherte den Bayern 2009 noch die Teilnahme an der Champions League. © getty
Durch die Arbeit bei seiner zweiten Amtszeit in München hat sich Heynckes neue Motivation und Begeisterung für weitere Engagements geholt. Dass er mit Stars umgehen kann, bewies er nicht nur bei Real Madrid 1997/98. Auch bei seinem Intermezzo bei den Bayern hatte er die "Diven" Ribéry und Toni im Griff. © getty
An der Säbener Straße war er sich, auch als Chef-Trainer, für nichts zu schade - auch nicht für das Bälle tragen während des Trainings. © getty
Ein jubelnder Jupp Heynckes ist keine Seltenheit. Der Taktikfuchs geriet mit seinem Intimfeind Christoph Daum während des Meisterkampfes in der Saison 1988/1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln im Aktuellen Sportstudio aneinander. Am Ende gewann Jupp mit den Bayern 3:1 im Müngersdorfer Stadion und drei Spieltage später seinen ersten Titel überhaupt. © getty
Aber nicht nur im Inland feierte der Routinier Erfolge. Jupp Heynckes durfte 1997/1998 einen der größten Klubs der Welt trainieren. Durch seine gute Arbeit in Bilbao (von 1992 bis 1994 und 2001 bis 2003) und Teneriffa (1995 bis 1997) wurde der Champions-League-Rekordsieger auf den Westfalen aufmerksam. © getty
Und prompt in seiner ersten und auch letzten Saison bei Real feierte Heynckes seinen einzigen internationalen Titel als Trainer. Der Champions-League-Titel bewahrte ihn aber nicht vor dem Rauswurf, da Madrid in der Liga "nur" Platz 3 erreichte. Ein Jahr darauf hatte Heynckes eine kurze Amtszeit bei Benfica Lissabon. © getty
Im Juli 2003 holte der FC Schalke 04 Heynckes zurück nach Deutschland, um nach 2001 wieder um die Meisterschaft mitzuspielen. Allerdings blieb der Gladbacher in eineinhalb Jahren erfolglos. Man warf ihm vor, er würde nur noch von seinen alten Triumphen vorschwärmen und zu wenig auf die Spieler eingehen. © getty
Nach seinem misslungenen Comeback 2006 bei Mönchengladbach (Tabellen-16. nach 18 Spieltagen) entschied sich Heynckes, sich zur Ruhe zu setzen, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können - bis sein alter Kumpel aus München anrief. © getty
Von dem Intermezzo in München angeregt, ging es für Heynckes 2009 direkt weiter: Leverkusen wollte für seinen unglücklichen Versuch mit Bruno Labbadia einen "Fußballlehrer" und fand ihn im neu motivierten Heynckes. Die Bayer-Elf blieb in der Saison 2009/2010 24 Spieltage ohne Niederlage und holte sich den Herbstmeistertitel. Am Ende gelang immerhin noch der Sprung in die Europa League. © getty
Der alte und der neue Bayern-Trainer. Louis van Gaal (r.) und Jupp Heynckes (l.) beim 1:1 in Leverkusen 2010. In der Saison 2010/2011 ist Leverkusen die einzige Mannschaft, die den überragenden Dortmundern "folgen" kann. Diese erfolgreiche Arbeit überzeugte auch die Bayern-Bosse, weshalb sie Heynckes für zwei Jahre verpflichteten. © getty
Seine dritte Amtszeit bei den Bayern ab 2013 könnte mit dem totalen Triumph enden. © MIS
Nach drei zweiten Plätzen 2012 spielten die Bayern 2012/2013 eine phantastische Bundesliga-Saison und knackten einen Rekord nach dem anderen. Die Meisterschaft sicherten sich die Münchner so früh wie noch kein Team zuvor - am 28. Spieltag! © M.I.S.
Die Bierdusche, verpasst von Anatoli Timoschtschuk bei der Meisterfeier, hatte sich Heynckes redlich verdient. © dpa

Es ist eine bemerkenswerte Fügung, dass Heynckes am Samstag mit dem FC Bayern, den er zum dritten Mal führt, auf Bremen trifft. Der Trainer dort, Thomas Schaaf, liegt derzeit laut impire-Datenbank auf Rang sechs in der Liste der Bundesliga-Einsätze mit 730 - 262 als Spieler, 468 als Trainer. Vor Schaaf stehen Friedhelm Funkel (779), Winfried Schäfer (789) und Felix Magath (801), er hat also gute Chancen, irgendwann mal selbst an die Spitze zu kommen.

Die Leistung von Heynckes, sagt Schaaf, sei „einzigartig“, sie sei „außergewöhnlich“ - das sagt einer, der unter Rehhagel gedient hat. Auch Thomas Eichin, der neue Sportdirektor der Bremer, hat zum Jubiläum etwas beizutragen. Heynckes, erinnert sich Eichin, habe ihn als 17-Jährigen einst persönlich nach Gladbach gelockt. Und obwohl er in den ersten beiden Jahren „viel Lehrgeld“ hätte zahlen müssen, habe er von Heynckes „sehr profitiert“.

Was Eichin an Heynckes nach wie vor auffällt, ist dessen „große Leidenschaft“. Eine Leidenschaft, die abfärbt. Womöglich wird diese Saison die erfolgreichste für Heynckes werden, er kann neben der so gut wie sicheren Meisterschaft noch den DFB-Pokal gewinnen und, zum zweiten Mal nach 1998 mit Real Madrid, die Champions League. Danach wird er Platz machen, oder machen müssen, für Pep Guardiola. Es ist ein Wechsel, den Heynckes gerne noch hinausgezögert hätte.

Thomas Schaaf sagt über Heynckes, er empfinde es als „mehr als angenehm“, einen „solchen Kollegen erleben zu dürfen“. Und außerdem hoffe er, „dass noch viele Spiele dazukommen“. Gut möglich. Heynckes hat ja nicht gesagt, dass der FC Bayern seine letzte Station ist. Es scheint, als könne sich das Kind der Bundesliga noch nicht so recht mit dem Dasein eines Rentners anfreunden.

Guga, Jens, Paolo, Osram: Die Spitznamen der Bayern-Stars

Schnapper, Paolo, Pep: Die Spitznamen der Bayern-Stars

Spitznamen haben natürlich auch die Bayern-Stars - ob im Team oder in der Öffentlichkeit. Bei einigen wie Holger Badstuber oder Toni Kroos ist übrigens kein Spitzname bekannt. Ansonsten erfahren Sie hier, wie die Profis noch so heißen. © M.I.S.
Manuel Neuer: Manu ist der gängige Spitzname für den Keeper, vor allem zu Schalker Zeiten wurde er aber auch als Schnapper bezeichnet. © AFP
David Alaba: Alabasi wird der Österreicher noch genannt. © M.I.S.
Jerome Boateng: Boa - das war ja einfach. © AFP
Rafinha: Sein Name lässt sich in Rafi abkürzen. Auch Giftzwerg hängt ihm nach. © M.I.S.
Dante: Doktor Dante wurde der Brasilianer genannt, nachdem er sich zu Gladbach-Zeiten im Spiel selbst die kaputte Nase gerichtet hat. Oder wegen der Maske auch Zorro oder Rocky. Er selbst schmunzelte gegenüber Spox.com: "Doktor Dante hört sich nicht schlecht an, oder?" © M.I.S.
Josep Guardiola: Er wird - klar - Pep genannt. © AFP
Javi Martinez: Der Spanier wird Xaver genannt. Er erklärte der tz: "Die sagen alle, dass Javier oder Javi auf bayerisch Xaver ist – und so nennen sie mich jetzt alle in der Kabine. Ich habe das zuvor noch nie gehört, aber ein bisschen komisch klingt es ja schon" © M.I.S.
Franck Ribéry. Filou, Flagada, Franz - die Liste der Spitznamen ist lang beim Franzosen. Zudem ist er ein Teil von Robbéry. Und wird wegen seiner Dribbelkünste auch Fummler genannt. © M.I.S.
Mitchell Weiser: Javi Martinez nennt ihn Muniain, angeblich, weil der Youngster dem Spanier Iker Muniain so ähnlich sieht. © AFP
Philipp Lahm: "Wireless Lahm" taufte ihn einst Mehmet Scholl. Jürgen Klinsmann machte ihn zu Paolo nach Paolo Maldini. Auch Manager wird er wegen seiner Führungsrolle genannt. Fips ist ebenso eine Option. © M.I.S.
Bastian Schweinsteiger: Schweini hört er eher nicht so gerne, Basti schon eher. © AFP
Arjen Robben: Glasmann betitelten ihn englische Medien fies. Auch The Flying Dutchman wurde er schon genannt. In München ist er Teil von Robbéry. © AFP
Claudio Pizarro: Pizza - der Peruaner hat wohl einen der bekanntesten Spitznamen im Team. © AFP
Xherdan Shaqiri: Shaq wird der Eidgenosse genannt. Die schweizer Medien machten ihn wegen seiner Statur zum Kraftwürfel. © AFP
Sebastian Rode: Der Neuzugang von der Frankfurter Eintracht wird seit der E-Jugend Seppl genannt, weil zu viele Spieler den Vornamen Sebastian hatten. Bei seiner Vorstellung wurde er von Matthias Sammer "Giftzwerg" getauft. © dpa

SID

Auch interessant

Kommentare