Im März 2016 könnte er freikommen

365 Tage Knast: Hoeneß' schwerstes Jahr

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Uli Hoeneß (Mitte) schaute am 11. Mai beim Training des FC Bayern vorbei.

München - Seit genau einem Jahr sitzt Uli Hoeneß nun hinter Gitter. Die tz dokumentiert sein schwerstes Jahr und erklärt, warum er im März 2016 freikommen könnte.

Der Bauch ist etwas dünner geworden, die Haare weniger. Am meisten verändert hat sich aber sein Blick. Das siegessichere Lächeln, die Selbstgewissheit und seine gewisse Arroganz: alles weg. Heute genau vor einem Jahr rückte Uli Hoeneß (63) ins Gefängnis ein. 365 Tage später sieht man die Folgen in seinem Gesicht: Die Züge sind härter geworden. Der Ausdruck oft versteinert. Keine Frage: Der Knast hat Uli Hoeneß stark geprägt.

Den 2. Juni 2014 wird der Ex-Bayern-Boss nie vergessen: Er, der millionenschwere Macher, musste hinter Gitter. Verurteilt wegen Steuerhinterziehung. Zuvor trat er von allen Ämtern beim FC Bayern zurück – es ist das Ende einer Legende.

Seine Haft in der JVA Landsberg: Sie ist ein gut gehütetes Geheimnis. Wie Insider der tz berichteten, soll Hoeneß wochenlang auf der Krankenstation verbracht haben – und nicht in einer acht Quadratmeter großen Zelle wie die übrigen 550 Häftlinge. Privilegien für den Promi? Seine Anwälte hatten das stets bestritten.

Fast sieben Monate muss Hoeneß im Knast ausharren. Ab Weihnachten dann die Wende: Die Feiertage darf er mit seiner Familie am Tegernsee verbringen. Am 2. Januar der nächste Schritt: Hoeneß wird Freigänger und wechselt in die Außenstelle nach Rothenfeld bei Andechs. Seither muss er nur noch zum Schlafen hinter Gitter – und arbeitet tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern. „Das tut ihm gut“, sagt Bruder Dieter. Und man sieht es Uli Hoeneß auch an: Er jubelt beim Basketball, verfolgt die Spiele der FCB-Jugendteams, geht fokussiert zur Arbeit. „Er hat seinen Frieden gefunden“, glaubt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß’ Leben ist aber noch lange nicht das alte: Auslandsreisen sind tabu, als Freigänger unterliegt er strengen Auflagen. Schon im März könnte er das Gefängnis aber wieder verlassen (siehe Text unten). Diese Perspektive bleibt ihm. Nach 365 Tagen.

Andreas Thieme

2. Juni 2014

Wenige Tage vor seinem Haftantritt ging Uli Hoeneß noch mit seiner Ehefrau Susi spazieren. Am 2. Juni ließ sich er sich dann im silbernen BMW in Landsberg vorfahren, um in die JVA einzurücken.

4. Februar 2015

Zurück im Job: Anfang des Jahres wurde Uli Hoeneß Freigänger und durfte beim FC Bayern in der Jugendabteilung arbeiten. In dieser Funktion schaut er auch Spiele von der Tribüne aus an – wie im März mit Mehmet Scholl

17. April 2015

Hoeneß jubelt im Audi Dome mit den Basketballern des FC Bayern nach deren knappen Sieg gegen die Brose Baskets Bonn (96:90). Den Basketballern ist der Ex-Präsident seit Jahren eng verbunden und schaut viele Spiele an.

11. Mai 2015

Uli Hoeneß (63) heute: deutlich schlanker, ernster Blick – aber wieder im Geschäft. Beim FC Bayern arbeitet er in der Jugendabteilung. Etwas skeptisch schaute er sich Mitte Mai das Training der Profis an

Im März 2016 könnte Hoeneß freikommen

Häftling, Freigänger, Bewährung – dies ist der Weg, den Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung gehen muss. Er hofft darauf, dass die Hälfte seiner Strafe (dreieinhalb Jahre) zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Voraussetzungen dafür regelt das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung. Hoeneß dürfte sie erfüllen, weil er zum ersten Mal im Gefängnis sitzt. Und sich dort nichts zuschulden kommen ließ.

Anfang März 2016 ist mit seiner Entlassung zu rechnen: Dann hätte Hoeneß 21 von 42 Monaten verbüßt. Das Gericht legt dann allerdings eine Bewährungszeit fest. Zudem wird Hoeneß ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, bei dem er sich regelmäßig melden muss. Bis es soweit ist, steht ihm noch Urlaub zu: Zu den 21 Tagen Jahresurlaub erhalten Freigänger in den neun Monaten vor der Entlassung zusätzlich bis zu sechs Tage im Monat – und regelmäßige „freie“ Wochenenden.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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