Weniger Polizei

Abrüstung beim Amateur-Derby

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Dieses Mal sollen weniger als 1000 Beamte beim Derby eingesetzt werden.

München - Deeskalation statt massiver Polizeipräsenz: Beim Münchner Fußball-Derby am kommenden Sonntag werden weniger Beamte als zuletzt im Einsatz sein. Beide Vereine haben vor der Partie einen intensiven Dialog mit der Fan-Szene geführt. Ziel ist ein friedliches Derby.

Update vom 1. August 2015: Das kleine Derby steht an: Der FC Bayern München II spielt gegen den TSV 1860 München II. Das Spiel wird natürlich übertragen - wann und wo Sie im TV oder im Stream einschalten müssen, sagen wir Ihnen hier.

Es war eine gespenstische Szenerie am Ostermontag 2015. Die Polizei hatte für das Derby zwischen dem FC Bayern II und dem TSV 1860 II 1200 Einsatzkräfte zusammengezogen, um 12.500 Fans im Zaum zu halten. Hunderte Polizeiwagen säumten die Straßen rund ums Grünwalder Stadion. „Wie im Kriegszustand“, wurde von vielen Fußballfans kritisiert. Mancher sprach gar von einer „Polizei-Show“. Wie auch immer: Zu größeren Ausschreitungen der verfeindeten Fan-Lager kam es damals nicht, was nach Meinung von Robert Kopp, dem Vizepräsident der Münchner Polizei, nicht zuletzt an eben jener Präsenz seiner Beamten lag.

Am Sonntag um 13 Uhr findet nun also zum fünften Mal in Folge das „kleine Derby“ im Grünwalder Stadion statt – vermutlich vor erneut ausverkauftem Haus. 12.500 Zuschauer bedeutet das, mehr sind nach dem Umbau nicht zugelassen auf Giesings Höhen. Dennoch eine enorme Kulisse für ein Spiel der – wohlgemerkt – vierten Liga. Am Dienstag konnte man einen Eindruck davon gewinnen, wie viel Aufhebens inzwischen um das „kleine Derby“ gemacht wird, nachdem es das Bundesliga-Derby seit gut zehn Jahren nicht mehr gegeben hat: Stadt, Polizei, der FC Bayern, der TSV 1860 sowie das Fanprojekt München luden zu einer gemeinsamen Pressekonferenz. Zu der waren fast so viele Medienvertreter gekommen, als handele es sich um ein Champions-League-Spiel. Ein Sportsender überträgt die Partie am Sonntag live.

Jochen Kaufmann vom Fanprojekt sieht die gesamte Entwicklung rund ums Derby sehr kritisch: „Die Spirale, in der sich dieses Spiel befindet, sollte man nicht mehr nach oben drehen.“ Kaufmann betonte, er begrüße es, „dass die Polizei ihr Aufgebot zurückfährt“. Die Derbys an Ostern und in den Jahren zuvor seien nicht so dramatisch verlaufen wie von Polizei und Medien dargestellt. In der Vergangenheit habe die Polizei die Situation auch mit 500 Beamten im Griff gehabt. Das Fanprojekt betreibt unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt Sozialarbeit mit den Fans.

Polizei-Vize Kopp erklärte, man wolle auf Kommunikation und Deeskalation setzen. Eigens für das Derby angefertigte Anstecker mit dem Slogan „Fairplay für alle“ würden verteilt. Kopp sagte: „Man wird weniger Polizei sehen, unter 1000 Beamte.“ Eine genaue Zahl nannte er nicht. Diejenigen, die den Einsatz am Ostermontag als überzogen bewertet hätten, müssten nun Verantwortung übernehmen und den Beweis erbringen, dass es auch anders gehe.

Die Polizei, die Stadt, der FC Bayern, 1860 und Vertreter des Fanprojektes haben im Vorfeld präventive Maßnahmen ergriffen, um ein möglichst friedvolles Derby zu gewährleisten. Dazu zählt unter anderem die frühe Anstoßzeit um 13 Uhr. Laut Jan-Christian Dreesen, stellvertretender Vorstandschef des FC Bayern, wurden nur Tickets an Mitglieder verkauft. Außerdem habe man mehrere Gespräche mit Fan-Gruppierungen geführt. Selbiges war von Markus Rejek, Geschäftsführer des TSV 1860, zu hören. Schon im Vorfeld des letzten Derbys hätten die Gespräche Früchte getragen. „Das Verhalten unserer Fans war besonnen und akzeptabel.“ Alle Beteiligten hätten den Weg in die richtige Richtung eingeschlagen. Dreesen erklärte: „Die massive Polizeipräsenz zu reduzieren, muss unser aller Ziel sein.“ Wilfried Blume-Beyerle, Chef des Kreisverwaltungsreferats, sagte: „Wir wollen ein friedliches Derby und sonst nichts: keine Gewalt, keine Pyrotechnik, keine Vermummung.“

Kopp zufolge werden sich die Bayern-Fans am Sonntagvormittag wohl wieder im Tal treffen und von dort einen Fanmarsch zur U-Bahnstation Sendlinger Tor abhalten. Hinweise, dass zur Unterstützung beider Fan-Lager Ultras aus anderen Städten anreisen, gebe es dieses Mal nicht.

Klaus Vick

Quelle: fussball-vorort.de

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