Interview mit dem Sänger

Schlager-Titan Roland Kaiser über seine Bayern: „In diesen Bereichen vorbildlich“

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Roland Kaiser mit Karl-Heinz Rummenigge

Seit Jahrzehnten ist Roland Kaiser Fan des FC Bayern. Für eine WDR-Dokumentation durfte der Schlager-Star durfte bei einem nichtöffentlichen Bayern-Training an der Säbener Straße dabei sein. 

München - Er ist Deutschlands Schlager-Kaiser, und nach über 40 Jahren Karriere heute erfolgreicher denn je. Sein neues Album „Stromaufwärts: Kaiser singt Kaiser“ liegt in den iTunes-Charts auf Platz zwei, hinter Pink. Roland Kaiser (65) ist Kult – und er steht auf einen Kultverein! Der Sänger ist seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Fan des FC Bayern, er ist Vereinsmitglied und oft bei Spielen zu Gast. Bei den Dreharbeiten für die Dokumentation „Roland Kaiser – vom Findelkind zum Superstar“, die am Montag um 22.10 Uhr im WDR läuft, erfüllte sich für Kaiser ein kleiner Traum: Er durfte bei einem nichtöffentlichen Bayern-Training an der Säbener Straße dabei sein. Er plauderte mit Mats Hummels, der ihm versprach: „Wir werden diese Saison noch ein bisschen Spaß haben.“ Und er bekam von Karl-Heinz-Rummenigge, den er seit gut 25 Jahren kennt, ein Kaiser-Trikot mit der Nummer 10 überreicht. Der Kaiser bei seinen Bayern, begeistert wie ein kleiner Junge.

Hallo Herr Kaiser, woher kommt Ihre Liebe zum FCB?

Roland Kaiser: Ich war schon als Kind, damals in Berlin, vom Fußball begeistert. Und irgendwann habe ich mein Herz an Bayern München verloren. Das liegt natürlich zunächst einmal am großartigen Fußball, der dort seit Jahrzehnten gespielt wird. Aber ich mag auch die ausgesprochen professionelle Vereinsführung und die hohe soziale Kompetenz. Wie gehe ich mit ehemaligen Spielern und Mitarbeitern um, welche Eintrittspreise verlange ich für die Stehplätze in der Südkurve? Und was leiste ich in sozialen Dingen, und rede nicht drüber, sondern mache es einfach? Ich finde, in diesen Bereichen verhält sich Bayern vorbildlich.

„Das mit den Geldsäcken ist ein unfairer Vorwurf“

Sie stammen ja aus bescheidenen Verhältnissen, Sie sind langjähriges SPD-Mitglied. Passt das zusammen mit den „Geldsäcken“ aus München?

Kaiser: Ach wissen Sie, das mit den Geldsäcken ist ein unfairer Vorwurf. Es hatten doch alle Bundesliga-Klubs die gleiche Chance, sich zu entwickeln, finanziell stark zu werden, gut zu wirtschaften. Nicht nur in München gibt es große Unternehmen, die Geld in den Fußball investieren können, die gibt es auch in Hamburg oder sonstwo. Aber der FC Bayern hat es geschafft, vernünftig mit seinem Geld umzugehen, und trotzdem gewaltigen sportlichen Erfolg zu erzielen. Das imponiert mir.

Als Sie in den 70ern Ihre ersten Hits hatten, war Jupp Heynckes auf dem Sprung zum Trainer in Gladbach. Nun sind Sie beide immer noch im Geschäft. War Heynckes’ Rückkehr eine kluge Wahl?

Kaiser: Ich glaube, dass das die richtige Entscheidung war. Jupp Heynckes kennt einen Großteil der Mannschaft noch, er ist der Triple-Trainer, das gibt es nicht oft. Nicht einmal Real Madrid hat jemals dieses Triple gewonnen. Er hat einen Vertrauensvorsprung, er hat menschliche und fachliche Autorität. Und als Integrationskraft zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und dem Präsidenten ist Heynckes sicher auch eine gute Wahl.

Spaß am Fußball: Roland Kaiser (unten links) als Junge mit seinen Freunden vom Bolzplatz in Berlin.

Sein größter Erfolg war 2013 der Sieg in Wembley gegen Dortmund. Wie haben Sie damals dieses Spiel erlebt?

Kaiser: Ich habe ein Konzert gegeben, das zum Glück sehr früh angefangen hat. Ich konnte also das komplette Spiel sehen – und das mitten im Sauerland, mitten in einer Dortmund-Hochburg. Um mich herum war alles schwarz-gelb. Und ich saß mit einem Freund neutral gekleidet in der Mitte und habe meine große Freude nach innen gelebt.

Danach kam Pep Guardiola mit seinem furiosen Fußball.

Kaiser: Das war schon beeindruckend, als Zuschauer zu erleben, welche Dominanz eine Mannschaft ausüben kann, wie wenig Luft zum Atmen sie dem Gegner lässt. Pep Guardiola war für die gesamte Bundesliga wichtig. Er hat den Fußball in Deutschland verändert, er hat ihn schneller und moderner gemacht. Und nach einem Jahr Anlaufzeit sieht man ja jetzt auch wieder in England, was für ein großartiger Trainer er ist.

„Guardiola hat tolle Arbeit gemacht“

Nur die Champions League hat Pep hier nicht gewonnen.

Kaiser: Ich war 2016 beim Halbfinalrückspiel gegen Atlético Madrid mit meinem Sohn im Stadion. Wir waren schon 1:0 vorne, dann bekommen wir einen Elfmeter. Und für uns alle auf der Tribüne war klar, jetzt führen wir 2:0 und haben die Chance aufs Finale in Mailand. Und dann verschießt Thomas Müller, der sonst so ein sicherer Schütze ist. Das war bitter, aber das ändert nichts daran, dass Guardiola tolle Arbeit gemacht hat. Dieser Titel lässt sich einfach nicht erzwingen.

Wer ist Ihr Lieblings-Bayernspieler für die Ewigkeit? Bewundert der Kaiser den Kaiser?

Kaiser: Ich denke schon, dass Franz Beckenbauer immer noch über allen strahlt. Wir hatten großartige Spieler wie Lahm oder Schweinsteiger. Aber diese Aura, diese Eleganz am Ball – als Gesamtkunstwerk ist Franz Beckenbauer wahrscheinlich kaum zu übertreffen.

Wer gefällt Ihnen von der momentanen Mannschaft am besten?

Kaiser: Ich mag Manuel Neuer gern, Thomas Müller, Mats Hummels. Da kann man niemanden so rausstellen, da gibt es eine ganze Reihe von großartigen Spielern. Ich glaube auch, dass ein junger Mann wie Joshua Kimmich seinen Weg machen wird, genau wie ein Torwarttalent wie Christian Früchtl, wenn man mit ihm vorsichtig umgeht. Ich freue mich sehr, dass sich Bayern jetzt wieder stark engagiert in der Nachwuchsarbeit, das wird ganz bestimmt Früchte tragen.

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