Leverkusens Tor-Held im Fokus

Achtung FCB - vor Volland, dem von Jogi Löw Verschmähten

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Held des Tages gegen Frankfurt: Ex-Löwe Volland.

Vier Treffer in den letzten beiden Spielen: Leverkusens Kevin Volland ist vor dem Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern in Schuss. Bei Joachim Löw segelt der Ex-Löwe aber seit Jahren unter dem Radar durch.

Leverkusen – Die kleine Emilia ist kaum auf der Welt, schon hat sie Druck. Von diesem Tag werde er noch seinen Enkeln erzählen, sagte Kevin Volland nach dem 4:1 gegen Eintracht Frankfurt am Samstag, was schon jetzt als Auftrag an sein Töchterchen interpretiert werden kann: Papa will mal Enkelkinder haben. Emilia ist gerade erst geboren.

Kevin Volland ist bei Leverkusens Kantersieg der klare Held des Tages gewesen: Er steuerte drei Treffer bei, nur 17 Minuten benötigte er für seinen Hattrick, es war sein erster in der Bundesliga. Das ist guter Erzählstoff für Kaminabende mit den Nachfolgegenerationen. Der 25-Jährige spielt sowieso die Saison seines Lebens; er hat 14 Treffer auf seinem Konto, so viele glückten ihm im deutschen Oberhaus noch nie, zudem ist er nun hinter Bayerns Tormaschine Robert Lewandowski erfolgreichster Stürmer der Bundesliga. Lewandowski ist bekanntlich Pole, und da die WM ansteht, hat Vollands Quote eine tiefere Bedeutung. Er ist Deutscher.

Deutsche Stürmer? Kuriosum beim Blick auf die Torjägerliste

Beim Blick auf die Torjägerliste ergibt sich ein Kuriosum, wenn man nur die deutschen Vertreter berücksichtigt: Volland führt vor Nils Petersen (13 Treffer), Niclas Füllkrug und Mark Uth (je 12). Das Quartett hat eine Gemeinsamkeit: Das Desinteresse von Joachim Löw. DFB-Stürmer Timo Werner kommt auf elf Tore, Bayerns Sandro Wagner erhöhte am Samstag mit zwei Erfolgserlebnissen auf die gleiche Anzahl, Mario Gomez stagniert bei sieben. Volland ist schon seit Jahren der Verschmähte bei Löw.

Wenige Wochen vor der WM 2014 nahm der Bundestrainer den ehemaligen Löwen ins vorläufige Aufgebot, strich ihn aber vor der Abreise nach Brasilien. Beim 0:0 im Test gegen Polen hatte Volland nicht überzeugt. Insgesamt steht er bei zehn Länderspielen und einem Tor, erzielt am 11. November 2016 gegen San Marino. Damals stand er 19 Minuten auf dem Platz, gegen Italien vier Tage später wirkte er beim 0:0 eine halbe Stunde mit. Seitdem wartet er auf einen Anruf von Löw.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Telefonnummer des Bundestrainers in den wenigen Wochen bis zur Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders am 15. Mai noch auf dem Display des 25-Jährigen aufleuchtet, ist niedrig. Man erinnert sich bei ihm an Martin Max oder Stefan Kießling, die einst auch immer zu den besten deutschen Stürmern gehörten und denen doch keine große Rolle in der DFB-Auswahl beschieden wurde. Volland hatte auch immer wieder Pech; den Confed Cup im vergangenen Jahr verpasste er etwa wegen eines Faserrisses, und prompt sorgten in seiner Abwesenheit Konkurrenten wie Wagner und Lars Stindl für Furore. Im Krankenstand musste er da zusehen, wie er überrundet wurde.

Am Dienstag im DFB-Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern wird aber zumindest ein wenig Scheinwerferlicht für ihn abfallen. Er ist ja bestens in Schuss – und außerdem würde er als ehemaliger Profi des TSV 1860, dessen Karriere in München startete, eine prima Geschichte hergeben, wenn ausgerechnet er dem Favoriten den Garaus machen würde. „Das war großes Kino“, sagte Volland nach dem 4:1 gegen Frankfurt, wobei er seine eigene Gala nicht kommentieren wollte. „Die Bayern sind sicher gewarnt“, sagte Torwart Bernd Leno, „wir strahlen im Moment großes Selbstvertrauen aus.“ Allen voran Kevin Volland, Im August 2015 schoss er gegen die Münchner mal ein Tor, das bis heute mit neun Sekunden das schnellste der Bundesliga-Geschichte ist. Noch so eine Anekdote für die Enkelkinder. Nur Geschichten von der WM in Russland wird er wohl nie erzählen können.

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