Salihamidzic als treibende Kraft?

Ärzte-Zoff bei den Bayern: Das ist der wahre Grund für die Trennung 

Nach dem überraschenden Abgang von Teamarzt von Volker Braun steht wohl schon ein heißer Kandidat als Nachfolger in den Startlöchern. Doch was sind die genauen Gründe der Trennung? Die tz klärt auf. 

München - Das Thema Mannschaftsarzt ist beim FC Bayern seit jeher pikant. Deshalb wirft der Rückzug von Dr. Volker Braun – offiziell aus freien Stücken – einige Fragen auf. Die tz analysiert den Ärzte-Streit beim deutschen Rekordmeister.

Braun ist Geschichte, der FCB teilte mit: „Der 44-Jährige bat die Vereinsführung in einem Gespräch am Montag darum, ihn von seiner Tätigkeit zu entbinden“. Aber packte Braun seine Sachen wirklich auf eigenen Wunsch?

Nach tz-Informationen nervte den Teamarzt schon lange, dass Stars wie Jerome Boateng, Robert Lewandowski und Arjen Robben bei Verletzungen immer noch bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt am Alten Hof vorstellig wurden.

Braun und Mull stellen unterschiedliche Diagnosen

Und das, obwohl Mull seit 2015 nicht mehr offiziell in Diensten des Rekordmeisters war. Damals hatte ein Streit mit Trainer Pep Guardiola zur Trennung geführt. Müller-Wohlfahrt: „Guardiola hat seinen Kompetenzbereich überschritten und mir die Schuld an Niederlagen in die Schuhe geschoben.“

Trotzdem mischte Mull weiter kräftig mit. Letztlich soll ein Besuch von David Alaba bei Müller-Wohlfahrt für die Eskalation im Ärzte-Streit gesorgt haben. Der Österreicher hatte sich Anfang September beim Nationalteam am Sprunggelenk verletzt. Braun sah Rot!

Den Auslöser für das endgültige Zerwürfnis gab es laut Bild am vergangenen Sonntag. Jerome Boateng und Alaba sollen sich wegen muskulärer Beschwerden per MRT untersucht haben lassen. Offenbar schätzte Braun die Probleme schwerwiegend ein und diagnostizierte bei beiden Profis das Hinrunden-Aus. Daraufhin sollen die Abwehrspieler auch noch bei Müller-Wohlfahrt untersucht worden sein. Dort hieß die Diagnose dann wohl lediglich Muskelverhärtung.

Ein eklatanter Unterschied in der Beurteilung, der den Sportdirektor laut Bild rasend gemacht haben soll. Salihamidzic soll Braun angeschrien und auf die Trennung gedrängt haben - gemeinsam mit Präsident Uli Hoeneß.

Neuer verteidigt Braun

Ohnehin hatte die Zahl der Braun-Befürworter an der Säbener Straße in den letzten Monaten abgenommen. Ein Grund: Der Doc hatte im April nach Manuel Neuers Mittelfußbruch im CL-Viertelfinale zu einer konservativen Behandlung geraten. Der Keeper fiel über vier Monate aus und – viel schlimmer – brach sich den Fuß Mitte September an der gleichen Stelle erneut.

Neuer selbst erklärte gestern bei Facebook, dass Braun nicht für die Entwicklung seiner Verletzung verantwortlich sei. Er schrieb: „Ich kann sogar versichern, dass er die allerbesten Methoden angewandt hat, welche die moderne Medizin ermöglicht.“ Der Druck auf den Doc nahm nach Neuers Rückfall trotzdem zu.

Ob es nach dem Jupp-Comeback tatsächlich zur nächsten Rückkehr einer FCB-Legende kommt, ist noch unklar. Womöglich bleibt Müller-Wohlfahrt weiter im Hintergrund – mit oder ohne offiziellen Posten. Als heißester Kandidat für die Braun-Nachfolge gilt Dr. Jochen Hahne, DFB-Arzt und Doc bei den Basketballern des FC Bayern. Zudem ist der 39-Jährige Partner in Mulls Praxis.

So sieht das Ärzte-Team des FC Bayern aus

Dr. Ernst-Otto Münch: Seit 2015 ist Münch beim FCB. Er fungiert als Ärztekoordinator, greift auf sein großes Netzwerk als ehemaliger DSV-Teamarzt zurück. Er vermittelt die verletzten Bayern-Profis an Spezialisten. Münch ist Knie-Spezialist, operierte u.a. Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther.

Dr. Markus Walther: Beim Thema Fuß setzt der FCB auf Walther. Er führte die OP nach ­Neuers erstem Haarriss im März durch, behandelte zudem Ribérys Sprunggelenk-Probleme (2015).

Dr. Andreas B. Imhoff: Haben die FCB-Profis Probleme am Oberkörper, greift Imhoff ein. Er operierte u.a. Boateng (Brustmuskel) und Schweinsteigers Schlüsselbeinbruch (2011).

Dr. Roland Schmidt: Schmidt (Internist, Kardiologe) wertet die FCB-Leistungsdiagnostik aus.

Dr. Volker Braun: 2015 übernahm Braun als Mannschaftsarzt die FCB-Profis. Er sollte bei Verletzungen die Erst-Untersuchungen durchführen und saß bei Spielen mit auf der Bank.

Dr. Ulrich Stöckle: Stöckle, Experte für Unfallchirurgie in Tübingen, operierte u.a. Neuer (zweiter Haarriss im Fuß), Lahm (Knöchelbruch) und Schweinsteiger (Sprunggelenk).

Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: Mull ist seit 2015 offiziell nicht mehr Mitglied des FCB-Ärzteteams. Trotzdem kommen Stars wie Boateng, Lewandowski, Robben und Alaba immer noch zu ihm. Der 75-Jährige ist ausgewiesener Muskel-Experte, gehört dem DFB-Stab an. Neben Fußballern behandelt er auch Stars wie Usain Bolt.

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Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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