Zehn Jahre Fußball-Tempel

So sieht die Allianz Arena hinter den Kulissen aus

Allianz Arena, Rundgang, zehn Jahre, Blick hinter Kulissen
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Allianz Arena, Rundgang, zehn Jahre, Blick hinter Kulissen
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Während die Fans in der Kurve stehen und Bier trinken, nimmt man in den 106 VIP-Logen der Arena auf weichen Ledersofas Platz und schlürft Champagner.
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Die Logenmieten liegen teilweise im sechsstelligen Bereich pro Jahr.
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Dekadent? Sah Hoeneß 2007 anders: Den VIPs ziehe man „das Geld aus der Tasche“, um die Fans „für sieben Euro in die Südkurve gehen zu lassen“.
Allianz Arena, Rundgang, zehn Jahre, Blick hinter Kulissen
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Zu Besuch im Büro des Chefs, von Arena-Geschäftsführer Jürgen Muth.
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Zu Besuch im Büro des Chefs, von Arena-Geschäftsführer Jürgen Muth.
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Auf höchster Ebene: So sieht es unter dem Dach aus.

München - Zehn Jahre Allianz Arena! Seit 2005 ist viel passiert, es hat sich viel verändert. Die tz hat zum Ehrentag hinter die Fassade des Münchner Stadions geschaut.

Seit genau zehn Jahren hat die Stadt München ein Wahrzeichen mehr: Die Allianz Arena feiert Geburtstag, am 30. Mai 2005 rollte zum ersten Mal ein Ball über den heiligen Rasen von Fröttmaning. Seither ist viel passiert, seither hat sich viel verändert (beispielsweise im Sommer 2014). Die tz hat zum Ehrentag hinter die Fassade des „Luftkissenbauwerks“ geschaut und mit denen gesprochen, die ihre spannende Geschichte geprägt haben. Neben Geschäftsführer Jürgen Muth, dem Mann der ersten Stunde, gehören auch FCB-Sprecher Stephan Lehmann und der erste Torschütze Peter Pacult dazu. Aber auch die Helfer, von denen man als gemeiner Fan eher wenig gehört hat – bis jetzt!

Mit einem Klick alles im Griff…

Die Arena besteht aus 2760 rautenförmigen Folienkissen aus Ethylen-Tetrafluorethylen, aber das wussten Sie ja sicherlich. Genauso wie die Tatsache, dass 1056 davon nachts beleuchtet sind, in Rot, Blau oder Weiß. Eine einfache Geschichte. Alles, was innerhalb der Fassade vor sich geht, ist da schon ein wenig komplexer. In einem Raum auf Ebene vier laufen daher alle Fäden zusammen, die eine perfekte Funktionalität garantieren.

Vor ein paar Bildschirmen steuern Christian Usselmann und seine Kollegen das gesamte Geschehen in und um die Arena, von den Schranken im Parkhaus über die Rasenheizung bis zu den Temperaturen in den einzelnen Logen und den Urinalspülungen hinter dem Fanblock. „Wir sehen sofort, wenn es irgendwo eine Störung gibt, etwa eine defekte Leuchtröhre. Oder wenn etwas an einer der 22.000 Sprinkleranlagen nicht stimmt“, sagt der stellvertretende Teamleiter der Gebäudetechnik.

Was nicht mit einem Mausklick zu regeln ist, muss per Hand gemacht werden. Und dafür kann es schon mal rauf aufs Dach gehen, natürlich immer angeseilt. Usselmann ist ein absoluter Alleskönner. „Gelernt habe ich Elektroinstallateur, außerdem bin ich Elektrotechnikermeister. Und natürlich Höhenarbeiter, Sprinklerwart, Staplerfahrer, Ersthelfer, Brandschutzbeauftragter – und noch so ein bisschen mehr“, lacht er.

Alles im grünen Bereich? Die tz bei der Rasenpflege!

Es sind spannende Tage für Christian Dinauer und seine beiden Kollegen: Die Greenkeeper werden direkt nach dem Relegationsspiel des TSV 1860 am Dienstag mit dem Ausfräsen des Rasens beginnen. Und das zum ersten Mal in der Allianz Arena! Seit Sommer 2014 liegt hier nämlich kein herkömmliches Grün mehr, sondern ein spezieller Hybridrasen mit einem zweiprozentigen Kunstfasern-Anteil. Jetzt ist es an der Zeit, das Spielfeld zu regenerieren. Dazu wurde eigens eine Fräs-Maschine angeschafft, die die alten Naturhalme aus dem Boden zieht. Dann wird neu eingesät und mit viel Sand und Wasser gearbeitet.

„Wir haben fünf Wochen Zeit bis zur Teampräsentation. Bis dahin wird praktisch Tag und Nacht gewässert“, sagt Dinauer, der seit zehn Jahren für den FC Bayern arbeitet und auch an der Säbener Straße das Grün pflegt. Er steht sogar im Austausch mit den Greenkeepern von Topvereinen in ganz Europa – und natürlich mit Pep Guardiola! „Der Trainer legt uns jedes Jahr vor Saisonbeginn seine Vorstellungen dar“, sagt Dinauer. Diese Saison hat dem Spanier die Arbeit seiner Rasenpfleger besonders gefallen. Es sei der beste Rasen gewesen, den er jemals vorgefunden hätte. Sogar besser als der in Barcelona!

Pacult traf als Erster

Das allererste Tor in der Allianz Arena – es wurde von einem Löwen geschossen. Am 19. Mai 2005 traf Peter Pacult in der 8. Minute bei einer Partie zwischen den Oldie-Mannschaften des TSV 1860 und des FC Bayern zum 1:0. „Ich kann mich noch genau dran erinnern, wie das Tor fiel“, sagt der heute 55-jährige Stürmer aus Wien. „Bernd Trares hatte mir den Ball zugespielt, und ich schoss aus halblinker Position ein. Ganz überlegt und cool – so wie immer halt…“ Das Spiel galt als Test, um die Abläufe in der neuen Arena unter die Lupe zu nehmen. 30.000 Zuschauer waren zugelassen, und alles ging glatt über die Bühne. Auch für die Löwen, die nach einer 3:0-Führung mit 3:2 gegen die Roten gewannen. „Was für ein bedeutendes Tor das war, das war mir während der Partie gar nicht bewusst“, sagt Pacult, „erst nach dem Schlusspfiff wurde mir das klar: Ich war der allererste Torschütze in dieser herrlichen Arena.“ Was ihm auch noch gut gefiel: „Dass ich in das Tor getroffen habe, hinter dem die Bayern-Fans gestanden sind. Das macht natürlich besonders Spaß. Insgesamt war es eine geile Atmosphäre. Nur schade, dass der TSV 1860 als Zweitligist in die Allianz Arena einziehen musste. Dieses Stadion hätte Spieler wie Häßler, Suker, Max und Abedi Pele verdient gehabt.“ Und natürlich auch einen Peter Pacult. Aber einmal war er ja erfolgreich zur Stelle. Mit einem Tor für die Ewigkeit.

Stadionsprecher Stephan Lehmann über die Allianz Arena: "Neu und ganz anders"

Herr Lehmann, Sie sind die Stimme des FCB. Welcher Tag war der schönste, welcher der schlimmste?

Stephan Lehmann: Sie werden schmunzeln: Der bitterste Moment in der Arena war für mich im Nachhinein auch einer der schönsten. Und das war natürlich das verlorene Finale dahoam in der Champions League. Der 19. Mai 2012 – ich werde ihn nie vergessen.

Was fanden Sie daran denn schön?

Stephan Lehmann: In dem Moment war es natürlich bitter, aber mir wurde in den Sekunden der Niederlage schon klar: Es brauchte genau so ein Erlebnis, damit das Stadion die Patina bekommt, die ein großes Stadion haben muss. Auch wenn es damals traurig war, wusste ich: Jetzt ist der FC Bayern in der Arena angekommen.

Die Stimmung galt lange nicht als die beste…

Stephan Lehmann: Aber das ist doch normal. Wenn Sie umziehen, fühlen Sie sich auch am ersten Tag noch nicht gleich heimisch im neuen Zuhause. So etwas braucht Zeit, alles war neu, komplett anders.

In der jüngsten Vergangenheit gab es dafür immer mehr zu feiern. Ihr emotionalster Moment?

Stephan Lehmann: Da gibt es nicht nur einen. Die Stimmung in der Triplesaison beim 4:0 gegen Barcelona, als das Stadion kopfstand, war unglaublich. Aber ich hatte auch Gänsehaut, als die Zuschauer die Mannschaft vor zweieinhalb Wochen nach dem Ausscheiden gegen Barca mit Standing Ovations verabschiedet hat.

Erinnern Sie sich auch noch an die verrückteste Geschichte?

Stephan Lehmann: Oh ja, obwohl sie schon lange zurückliegt. Die wohl lustigste Story entstand, als es zum ersten Mal wie aus Eimern geschüttet hat. Der Regen trommelte auf die Luftkissen – das gab ein Geräusch, was keiner von uns am Spielfeldrand vorher gehört hatte. Wir haben nur die Köpfe eingezogen und uns gefragt: Was ist los, was passiert jetzt? Irgendwann hat einer gemerkt, dass es nur der Regen war. Diesen Brummton werde ich nie vergessen (lacht).

Arena-Boss Jürgen Muth: „Noch mal so ein Finale!“

Herr Muth, wie fühlt es sich, einen luftgepolsterten Arbeitsplatz zu haben?

Jürgen Muth: Das ist schwer zu sagen (lacht). Was ich aber weiß: Ich genieße jeden Tag die Aussicht aus unserem Büro! Auch wenn es am Anfang gewöhnungsbedürftig war, durch eine farbige Fassade zu schauen. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt.

Was macht Ihren Job so besonders?

Jürgen Muth: Ganz einfach, dass diese Allianz Arena mich auch nach zehn Jahren noch fasziniert. Und dass sie auch nach wie vor noch – so selbstbewusst sind wir, dies zu behaupten – zu den modernsten Arenen weltweit gehört.

Was müssen Sie alles tun, damit sie modern bleibt?

Jürgen Muth: Ich drehe den Spieß mal um und sage Ihnen: Das Einzige, was immer so bleiben wird, wie es ist, das ist die Betonschüssel. An allem anderen müssen wir arbeiten. Nur mal zu den Innenräumen: Wir haben eine Fläche im Haus, die entspricht der Hallenfläche des Münchner Messegeländes. Diese Größenordnung gilt es instand zu halten.

Haben Sie im Kopf, wie viele Menschen seit dem ersten Tag in der Arena waren?

Jürgen Muth: Nur an den Spieltagen etwa 25 Millionen. Uns freut aber, dass wir mittlerweile einen 365-Tage-Betrieb haben und wir auch außerhalb der Spieltage teilweise drei- bis viertausend Menschen hier begrüßen. Sie machen Führungen, besuchen die Erlebniswelt des FC Bayern oder auch den Fanshop.

Was war in all den Jahren der schönste Moment für Sie? Gerade auch als Bayern-Anhänger…

Jürgen Muth: Das war natürlich die erste Deutsche Meisterschaft, das war ja zum Glück schon 2005/2006. Dann unabhängig davon die Weltmeisterschaft 2006, dieser Sommertraum, den wir mehrere Wochen hier genießen durften. Und dann haben wir hoffentlich irgendwann noch einmal ein Champions-League-Finale mit dem FC Bayern und dem dieses Mal richtigen Ausgang.

Wo halten Sie sich in der Arena eigentlich auf, wenn der FCB spielt?

Jürgen Muth: Das kommt drauf an! An sehr unterschiedlichen Punkten, ich habe ja das große Glück, überall hingehen zu dürfen – wenn es die Zeit zulässt.

Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Jürgen Muth: Gute Frage, zumal ich behaupten kann, schon aus jedem Bereich ein Fußballspiel gesehen zu haben. Ich wollte einfach erleben, dass es in diesem Stadion keine schlechten Plätze gibt, auch wenn natürlich jeder Platz seine Vor- und Nachteile hat. Am besten gefällt es mir an der Oberkante des Unterrangs auf Höhe der Mittellinie.

Das ist ja bei uns! Sie sitzen gern im Pressebereich?

Jürgen Muth: Ganz genau. Ich setze mich gern vor Ihren Tisch (lacht). Den habe ich auch, damit ich nicht einfach aufspringe und den Medienvertretern die Sicht versperre. Er hält mich sozusagen am Boden (schmunzelt).

Sind Sie eigentlich ein wenig böse, dass diese Arena vonseiten der Löwen nie richtig angenommen wurde?

Jürgen Muth: Böse ist das falsche Wort. Ich bin traurig. Denn wir haben auch den Löwen in den vergangenen zehn Jahren ausgezeichnete Möglichkeiten geboten, um hier erfolgreich Fußball zu spielen. Wir hoffen, dass zum Beispiel nächsten Dienstag das Haus wieder so voll sein wird wie am letzten Spieltag gegen Nürnberg.

Sonderausstellung zum Jubiläum

Zum zehnjährigen Geburtstag der Allianz Arena gibt es ab heute eine kleine Sonderausstellung in der FC Bayern Erlebniswelt. In einem Zeitstrahl und einem exklusiv produzierten Film können die Besucher alle Highlights der letzten zehn Jahre seit der Eröffnung der Arena Ende Mai 2005 noch einmal erleben. Der Fokus der Ausstellung zu Ehren der Allianz Arena liegt speziell auf der Planungsphase: Ein original Architekturmodell, ein Muster eines Fassadenkissens und die Replik des Grundsteins stellen geschichtsträchtige Exponate dar.

Die Allianz Arena: Zahlen & Fakten

  • Baubeginn: 21.10.2002
  • Fertigstellung: 30.4.2005
  • Eröffnung: 30./31.5.2005
  • Gesamtkosten: 340 Mio. Euro
  • Maximale Kapazität: 75.000 Zuschauer bei ­nationalen, 70.000 Zuschauer bei internationalen Spielen
  • Parkplätze: 9800
  • Spiele in der Arena: 471, davon Bundesliga: 170, 2. Bundesliga: 170, Pokalspiele: 27, Ligapokal, Supercup: 3, Champions League: 50, UEFA Cup: 7, internationale Spiele: 10, Sonderspiele 34
  • Meiste Spiele in der Arena: Philipp Lahm (205)
  • Tore in der Arena: 1318
  • Das erste offizielle Tor: Patrick Milchraum (1860) am 30.5.2005
  • Meiste Tore in der Arena: Mario Gomez (68)
  • Das schnellste Tor: Roy Makaay (10,12 Sek., CL-Achtelfinale 2007)
  • Zuschauer gesamt: 24.114.596
  • Fassade: 2760 rautenförmige Folienkissen – 1056 von ihnen werden nachts beleuchtet.

Die Allianz Arena: Das konsumierten die Zuschauer

  • 11 Mio. Becher Bier, davon 300.000 Radler
  • 5 Mio. Becher alkoholfreie Getränke, davon 2,5 Mio. Cola
  • 6 Mio. Bratwürste, davon 4 Mio. Rote.
  • 1,5 Mio. Brezn
  • 800.000 Port. Pommes
  • 600.000 Leberkässemmeln
  • 500.000 Stück Pizza
  • 450.000 Schnitzelsemmeln
  • 400.000 Sandwiches

mic/tz/sw

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