Großes tz-Interview

Allofs: "Kevin zu Bayern? Nicht auszuschließen!"

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Duellieren, aber respektieren sich: Klaus Allofs und Karl-Heinz Rummenigge (r.).

München - Samstag ist Supercup-Tag. Bayern gegen Wolfsburg – wird das auch das Duell um die Meisterschale? Die tz hat bei Klaus Allofs nachgefragt. Das Interview mit dem Wölfe-Manager:

Zeit wurd’s! Ab sofort gehören Gaudikicks gegen Guangzhou & Co. wieder der Vergangenheit an, denn: Am Samstag geht’s wieder ans Eingemachte! Der Supercup steht an. In Wolfsburg (20.30 Uhr, ZDF) trifft der Meister aus München auf den Pokalsieger aus der Autostadt.

Herr Allofs, das Wichtigste vorab: Kann Kevin de Bruyne spielen?

Allofs: Tatsache ist, dass er heute aufgrund von Rückenbeschwerden nicht weitertrainieren konnte. Mehr kann ich jetzt noch nicht sagen.

Immerhin muss er keine Reisestrapazen auf sich nehmen. Karl-Heinz Rummenigge hatte ja gefordert, den Supercup in München auszutragen.

Allofs: Jeder versucht natürlich, im Sinne seines Klubs zu handeln. Dass die Einnahmen in München höher gewesen wären, ist auch richtig, aber es gab ja bislang die Vorgehensweise, dass beim Pokalsieger gespielt wird. Außerdem finde ich es auch ganz gut, wenn nicht jedes Event in München stattfindet.

Zeigen diese Sticheleien nicht, dass der Branchenprimus Wolfsburg als ernsthaften Konkurrenten ansieht?

Allofs (lacht): So kann man das auch deuten. Es ist wichtig, dass es nicht persönlich wird, ansonsten gehört so ein bisschen Säbelrasseln auch dazu. Bayern hat uns aber auch schon davor ernst genommen, Angst müssen sie aber keine haben. Ihre Vormachtstellung ist so ausgeprägt, dass sie sich keine Gedanken machen müssen.

Laut Aki Watzke folgt unmittelbar dahinter der BVB. Einverstanden?

Allofs: Im vergangenen Jahr waren wir die Nummer zwei, da gibt es keine Diskussion. Wir wissen aber: Um die endgültige Nummer zwei zu sein, müssen wir das nun untermauern.

Immerhin ist der VfL dem BVB in Sachen Fuhrpark voraus, wie Watzke bemerkte. Stichwort: Lamborghinis!

Allofs (lacht): Sie sehen: Neben den sportlichen gibt es auch noch andere Herausforderungen zu meistern.

Die letzten drei Supercups waren rotgelb, jetzt hingegen wieder rotgrün. Das bedeutet?

Allofs: Dass wir die Lücke zum FC Bayern schließen wollen. Ob es uns gelingt, wird die Zukunft zeigen. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen – Stichwort Financial Fairplay – zeigen, dass es schwer wird. Aber wir sind ja noch am Anfang. Wir machen große Schritte, aber ob wir jetzt Bayern-Jäger sind oder nicht, hängt auch davon ab, ob wir die Mannschaft zusammenhalten und weiter verbessern können. Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Wenn diese passen, steuern wir dieses Ziel sicher an.

Dabei heißt es doch immer, der VfL sei dank VW steinreich.

Allofs: Es ist schade, dass gerade diejenigen, die es eigentlich besser wissen müssten, keine klaren Äußerungen treffen. Natürlich hat sich Bayern diese Voraussetzungen durch gute Arbeit selbst geschaffen. Aber auch aufgrund der Tatsache, dass sie dort Investoren haben gewinnen können. Ihr Stadion haben sie auch mit deren Hilfe gebaut. So hat jeder seine Unterstützung. Wir haben die von VW, aber auch die ist nicht grenzenlos, sondern wie von der FIFA festgestellt gerechtfertigt. Kommen solche Äußerungen von der direkten Konkurrenz, verstehe ich es mehr als wenn sie von den Bayern kommen. Denn sie müssten es doch besser wissen und uns nicht fürchten.

Götze und Lewandowski haben gezeigt, dass der FCB gerne bei der Konkurrenz wildert. Angst?

Allofs: Nein, das ist normal – auch im Bezug auf die Spekulationen, die sich um unsere Spieler ranken. Das ist unserer tollen Saison geschuldet und mir ehrlich gesagt auch lieber, als wenn unsere Mannschaft gar kein Interesse wecken würde. Die Aufgabe wird es sein, sportlich und finanziell Bedingungen zu bieten, um diese Spieler zu halten. Aber es wird auch mal ein Spieler zu Bayern gehen, so wie Luiz Gustavo zu uns gekommen ist.

Leitet dann Prof. Dr. Winterkorn (VW-Boss und Aufsichtsratmitglied des FCB) die Verhandlungen?

Allofs (lacht): Da werde ich nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber die Gespräche laufen unter den Geschäftsführungen, so viel steht fest.

Ein gewisser Interessenskonflikt ist aber nicht von der Hand zu weisen.

Allofs: Es bleibt festzuhalten, dass Prof. Dr. Winterkorn kein offizielles Amt bei uns innehat. Natürlich gibt es einen kurzen Draht, aber sportlich wie finanziell trifft die Geschäftsführung beim VfL die Entscheidungen, in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat.

Können Sie denn ausschließen, dass Kevin De Bruyne bald in Rot aufläuft? Das Interesse ist ja bekannt.

Allofs: Das ist bekannt – aber nicht dahingehend, dass es irgendwelche Bewegungen gäbe. Ich kann das nicht ausschließen, dass das irgendwann mal eine Möglichkeit wird. Im Moment gibt es aber keine Anzeichen dafür.

Würden Sie ihn lieber ins Ausland verkaufen als zu den Bayern?

Allofs: Wenn ich die Wahl hätte, würde ich ihn am liebsten gar nicht abgeben – am liebsten bis 2019 (De Bruynes Vertragsende, d.Red.). Wenn ich mich tatsächlich mit diesem Fall beschäftigen muss, wäre es mir aber schon recht, wenn wir finanziell die beste Möglichkeit für uns finden würden. Egal, ob das Bayern oder jemand anders wäre.

Seine Aussagen machen aber nur wenig Hoffnung. „Man muss sehen, was zwischen den Klubs passiert“, sagt er.

Allofs: Das muss jetzt keine Unruhe erzeugen. Kevin fühlt sich beim VfL wohl. Dass mit großen Summen jongliert wird, die bei uns pure Spekulation sind, ist weder für ihn noch für uns etwas Neues. Aber er identifiziert sich voll und ganz mit dem VfL, fühlt sich wohl und weiß, dass die Bundesliga die richtige Liga für ihn ist. Wir haben zudem angekündigt, dass wir bereit sind, die Vertragssituation und Bezahlung aufgrund seiner hervorragenden Entwicklung zu überdenken. Bei einem anderen Klub gibt es womöglich anders gelagerte Interessen, bei uns aber nicht. Wir wollen keinen Spieler abgeben.

Karl-Heinz Rummenigge betont immer wieder gerne, Bayern sei kein Verkäuferklub. Der VfL auch nicht?

Allofs: Nein, im Prinzip sind wir kein Verkäuferklub. Bei uns ist die finanzielle Situation natürlich eine andere, aber auch wir müssen nicht verkaufen. Ich denke, dass es uns in Zukunft teilweise gelingen wird, Spieler zu halten, teilweise werden wir aber auch welche abgeben müssen.

Der Fall Schweinsteiger zeigt: Selbst die Bayern schaffen es ab und an nicht, ihre Spieler zu halten. Fans sprachen von Identifikationsverlust. Können Sie darüber nur lachen?

Allofs: Er war durchaus ein Spieler, den man mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht hat und den es dort auch nicht in beliebiger Anzahl gibt. Da sind noch Neuer, Müller, Lahm – außergewöhnlich ist es aber trotzdem, dass so ein Spieler geht.

Dafür ist nun Vidal aus Turin da. Ihre Meinung zu König Arturo?

Allofs: Er wird den Bayern und auch der Bundesliga guttun.

Ein rauer Genosse auf dem Platz ist er aber auch.

Allofs: Kein Problem, dafür haben wir hier ja Schiedsrichter.

Interview: José Carlos Menzel López

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