Unruhige Tage beim FC Bayern

Ancelotti: Was ist dran an der Hoeneß-Kritik?

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„Ich habe viel Vertrauen in Kimmich“: Der kommt bei Carlo Ancelotti dennoch nur selten zum Einsatz.

München - Zwei Tage nach der Niederlage gegen Dortmund ist Carlo Ancelotti am Freitag erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Der Trainer gab sich selbstkritisch. Aber nur ein bisschen.

München – Der zweite Tag nach dem zweiten Tiefschlag der Saison begann zur Abwechslung mit einer erfreulichen Nachricht. Thiago, der Strippenzieher des FC Bayern, hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert. Überraschend kam das nicht mehr, weil die Nachricht bereits am Donnerstag durchgesickert war. Aber in der aktuellen Lage kann sich der alte und wohl auch neue Meister über jede positive Meldung nur freuen.

Es wird schließlich schon genug geschrieben und gesprochen, das den Bayern nicht gefallen kann. Die Tendenz war bereits seit Wochen negativ, doch mit dem Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund sind endgültig unruhige Zeiten angebrochen. Am Freitag meldete etwa die „Bild“, dass Uli Hoeneß die aktuelle Mannschaft als „unfittestes Team aller Zeiten“ bezeichnet habe. In dem derzeitigen Klima gedeihen Spekulationen prächtig. Auch deshalb erklärte Karl-Heinz Rummenigge im selben Blatt den Trainer für unantastbar: „Seine Vertragslaufzeit ist bekannt, und darüber wird nicht diskutiert.“

Am Freitag trat Carlo Ancelotti erstmals seit dem Pokal-Abend auf. Er forderte eine „gute Reaktion“ beim Punktspiel in Wolfsburg, das im günstigsten Fall vorzeitig die Meisterschaft bringen kann. Aber sehr viel mehr musste er zum Liga-Alltag gar nicht sagen, weil die aktuelle Situation alles andere als alltäglich ist. Wenn Vorstandsbosse sich öffentlich zu ihren Trainern bekennen müssen, wird es auch für einen Stoiker wie den Italiener ungemütlich.

Vor zwei Wochen, erinnerte Rummenigge, „standen wir noch mit Note 1+ da“. Was seitdem passierte, hat den ganzen Klub schwer erschüttert und Ancelotti zumindest ein bisschen. Das Champions League-Aus bestätigt ihn noch heute in seiner oft geäußerten Prognose, dass es in der wichtigsten Saisonphase auf Details ankommen werde: Gesunde Spieler, Schiedsrichterentscheidungen, sowas. „Ehrlich gesagt war ich ein Prophet“, findet er.

Ein bisschen anders klingt er beim Thema BVB. Dass seiner Mannschaft nach einer langen Phase der Dominanz, in der sie etliche Chancen erspielt (und vergeben) hatte, die Partie entglitt, sei „meine Verantwortung. Das ist die Kritik, die ich akzeptieren kann.“ Während die taktischen Umbauten der Gäste (Durm für Castro) und das forcierte Flügelspiel sich auszahlten, hatte sein Team nicht mehr viel entgegenzusetzen. Auch, weil dem Personal am Ende die Kräfte fehlten.

Dieser Aspekt betrifft den Bereich Fitness, den Hoeneß bemängelt haben soll. Ancelotti ist bekannt als schonender Trainer, der harte, ausgedehnte Einheiten scheut. „Das ist mein Stil“, sagt er. „Es wird sich nichts ändern.“ Er geht zudem mit dem Instrument der Rotation oft sehr vorsichtig um. Das hatte zuletzt zur Folge, dass erfahrene, strapazierte Spieler wenig Erholung hatten und junge Kräfte tatenlos blieben, obwohl die Tabellenkonstellation in der Liga Spielraum für Experimente gelassen hätte.

Am auffälligsten ist die Situation von Joshua Kimmich, der in der Hinrunde noch hoch im Kurs zu stehen schien. „Ich habe viel Vertrauen in Kimmich“, beteuert Ancelotti, doch die Worte decken sich eben nicht mit den Taten. Wenn es um den Umgang mit Talenten geht, ist die Bilanz des Trainers angreifbar. „Ich bin nicht der Trainer der jungen Spieler und nicht der Trainer der alten Spieler“, entgegnet Ancelotti. Seine Aufgabe sei es, „die Aufstellung auszuwählen, die Bayern München am besten hilft“.

Ob seine jüngsten Aufstellungen immer hilfreich waren, dürfte noch eine Weile diskutiert werden. Öffentlich, aber auch intern. Von Uli Hoeneß etwa ist bekannt, dass er große Hoffnungen in den Ausbau der Jugendarbeit setzt, die zuletzt eine ähnliche Baustelle war wie aktuell das neue Leistungszentrum im Münchner Norden. Er wird genau hinsehen, wie es mit der Nachwuchspflege weitergeht. Und mit der Trophäensammlung. Auf einer Veranstaltung der Bayern-Basketballer sagte er am Donnerstag: „Auf Dauer ist ein Titel schon ein bisschen wenig.“

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