tz-Interview mit dem ukrainischen Ex-Star

Voronin: "Bayern im Hinspiel wie eine Zweitliga-Mannschaft"

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Andrey Voronin.

München - Zehn Jahre lang spielte Andrey Voronin für die ukrainische Nationalmannschaft, war zudem bei sechs Bundesligisten aktiv. Das tz-Interview.

Herr Voronin, wie sehr fiebert man in der Ukraine mit Donezk mit?

Voronin: An diesem Abend sind natürlich alle Fußball-Fans auch Fans von Donezk. Das ist die einzige Mannschaft, die in der Champions League noch dabei ist – und die auch noch alle Chancen auf das Viertelfinale hat! Soviel ich weiß, hat Schachtjor das erst einmal in seiner Geschichte geschafft. Es wäre also ein Riesending für den Verein und die ganze Ukraine. Gerade gegen den FC Bayern. Wir hoffen alle, dass das klappt.

Kann der Fußball die Menschen dort für kurze Zeit vergessen lassen, in welch schlimmer Situation sie sind?

Voronin: Ich denke schon. Die Meisterschaft in der Ukraine läuft ja auch, die Spiele sind immer eine kleine Ablenkung. Es ist gut, wenn man mal abschalten kann. Bei so einem Highlight wie heute Abend ist es vielleicht noch mal ein bisschen leichter.

Wie schätzen Sie denn die Chancen ein für Schachtjor?

Voronin: Für mich ist Bayern natürlich der Favorit, nicht nur in diesem Spiel, sondern für den Gewinn der Champions League. Aber im Hinspiel habe ich den FC Bayern nicht gesehen, das war eher eine Zweitliga-Mannschaft, gemessen an ihren Möglichkeiten. Das hatte wirklich niemand erwartet, auch wenn Donezk das gut gemacht, die Räume eng zugestellt hat. Und vorne haben sie ihre schnellen Leute.

Von denen waren wir in Lwiw allerdings enttäuscht. Donezk hatte keine Torchance.

Voronin: Sie werden es jetzt aber vielleicht ein wenig leichter haben. Bayern wird und muss von der ersten Minute an Druck machen. Da wird sich mehr Platz ergeben im Konterspiel. Luiz Adriano und die Spieler um ihn herum sind sehr schnell, wenn sich eine Möglichkeit ergibt, werden sie in die Räume starten. Ich bin unheimlich gespannt, wie Guardiola taktisch an die Sache herangeht und diese Aufgabe lösen will.

Es liegen drei Wochen zwischen Hin- und Rückspiel. Ein Vorteil für Donezk, das gerade erst aus der Winterpause gekommen war?

Voronin: Oh ja, auf jeden Fall. Ich kenne das noch aus meiner Zeit in Moskau: Da hast du eine relativ lange Winterpause, während du woanders in Europa schon längst wieder oder immer noch gespielt hast. Und dann brauchst du eine gewisse Zeit, um wieder reinzukommen. In der Ukraine ist es genauso, Donezk hatte zwei Monate lang kein Pflichtspiel! Da kannst du auch Freundschaftsspiele ansetzen, wie du willst – das ist etwas völlig anderes. Deswegen muss man sagen, dass Donezk es im Hinspiel sehr gut gemacht hat. Nun haben sie dazu den Rhythmus, den sie brauchen.

Donezk ist einen Tag eher angereist als normalerweise üblich. Was könnte die Erklärung dafür sein?

Voronin: Aufgrund der politischen Lage hält sich die Mannschaft im Moment nicht in Donezk auf, sondern in der Hauptstadt Kiew. Ich weiß nicht, wie das Wetter dort ist (sonnig bei 14 Grad, d. Red.), möglicherweise ist das aber ein Grund für die frühe Anreise nach München. Ich finde es nicht schlecht, der Trainer wird sich etwas dabei gedacht haben. Hier konnte er gestern in Ruhe in der Arena trainieren. Und heute geht die Post ab!

Interview: Michael Knippenkötter

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