TSV Grünwald: Wie Robben in Corona-Zeiten seine Erfahrungen als Jugendtrainer weitergibt

Corona-Training mit Arjen Robben

Training mit Maske: Arjen Robben (l.), Ex-Fußballstar des FC Bayern, in seinem neuen Job als F-Jugend-Coach des TSV Grünwald.
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Training mit Maske: Arjen Robben (l.), Ex-Fußballstar des FC Bayern, in seinem neuen Job als F-Jugend-Coach des TSV Grünwald.

Ex-Bayernstar Arjen Robben trainiert aktuell die F-Junioren des TSV Grünwald. Mr. Wembley berichtet von dem ersten Training nach der Corona-Pause.

Landkreis – Es ist ein ungewohntes Bild im Grünwalder Freizeitpark. Die Spielfelder, die der TSV Grünwald normalerweise für den Trainingsbetrieb seiner insgesamt 27 Fußballmannschaften nutzt, sind als solche kaum zu erkennen. In diesen von der Corona-Pandemie geprägten Tagen sind die Rasenflächen in Planrechtecke unterteilt; „Sportkarrees“ nennt sie Jörn Verleger, der Geschäftsführer des Freizeitparks. Zwischen 600 und 700 Quadratmeter misst eine Fläche, groß genug für eine Kleingruppe: vier Spieler, ein Trainer – das ist die Regel. Ein ungewohntes Bild, zugleich ein erster Schritt in Richtung Normalität.

Beim TSV Grünwald rollt schon wieder der Ball

Beim TSV Grünwald rollt wieder der Ball. Als am 8. Mai bekannt geworden ist, dass in Bayern auch Mannschaftssportarten wieder mit dem eingeschränkten Trainingsbetrieb beginnen können, war der TSV Grünwald vorbereitet. Die Verantwortlichen hatten auf Basis der zehn Leitplanken des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ein Konzept entwickelt, das den geltenden Abstands- und Hygieneregeln gerecht wird und den Vereinsmitgliedern die Rückkehr auf den Trainingsplatz ermöglicht.

„Natürlich gab es zunächst Bedenken. Nicht nur bei uns, sondern auch den bei Mitgliedern und Eltern. Doch viele haben gesagt: Wir wollen wieder zurück an die frische Luft! Und ob man nun spazieren geht oder mit dem Fußball über den Platz läuft, macht dann auch keinen großen Unterschied“, sagt Willi Mühlbauer, Vorsitzender des TSV Grünwald.

Also startete der Klub einen Pilotversuch, zwei Tage lang wurde das Konzept auf Herz und Nieren geprüft. Wie viele Kleingruppen können parallel trainieren? Wo werden die Spieler registriert? Wie läuft das mit der Desinfektion der Trainingsmaterialien? Und wie viel Personal braucht man eigentlich?

Das Training funktioniert einwandfrei

Diese und noch viele weitere Fragen galt es in der Praxis zu beleuchten, nicht nur in der Theorie. „Wenn wir bei unserem Testlauf festgestellt hätten, dass das mit den Kindern, Erwachsenen und Eltern nicht funktioniert, dann hätten wir das nicht weiter durchgezogen“, sagt Mühlbauer.

Doch es lief reibungslos, wobei der TSV Grünwald von seinen hervorragenden Rahmenbedingungen profitiert. „Ich tausche mich natürlich auch mit vielen Kollegen aus anderen Klubs aus und weiß deshalb, dass es oft nur an Kleinigkeiten hakt. Bei uns funktioniert es, weil wir viel Platz haben, die Parzellen streng nach den Vorgaben einteilen und so das Risiko minimieren können.“

Der große Pluspunkt des Vereins ist der Grünwalder Freizeitpark, auf dessen Gelände der TSV 80-prozentiger Dauermieter ist. Und Jörn Verleger, der bereits frühzeitig die Weichen gestellt hat. „Als Betreiber ist es unsere Aufgabe, in dem Moment, in dem es wieder zulässig ist, die Plätze zu benutzen, proaktiv zu reagieren. Das ist schon unser Anspruch und in meinen Augen auch unsere Pflicht. Wir haben ja auch einen großen Kinderspielplatz auf unserer Anlage. Deswegen haben wir uns frühzeitig Gedanken gemacht“, sagt der Freizeitpark-Geschäftsführer.

Mr. Wembley Arjen Robben als Trainer

Einer der Trainer, der mit seiner Mannschaft beim Testlauf dabei war, heißt Arjen Robben. Der ehemalige Star des FC Bayern ist auch nach seinem Karriereende im Sommer 2019 weiterhin in Grünwald zuhause und trainiert mittlerweile die F-Junioren, bei denen sein jüngerer Sohn spielt (wir berichteten).

Den 36-Jährigen lässt der Fußball nicht los. Das Training mit den Nachwuchskickern ist für ihn eine Herzensangelegenheit und für den TSV Grünwald ein echter Gewinn.

„Arjen hat seine Jungs im Griff. Seine Art, sein Charakter, sein Umgang mit den Kindern – das ist vorbildlich. Und deswegen gibt es da auch keine Schwierigkeiten“, sagt Mühlbauer.

Robben: „Natürlich wollen sie wieder spielen. Aber wir müssen noch ein bisschen Geduld haben“

Dass das Training mit seiner Mannschaft unter den eingeschränkten Bedingungen funktioniert hat, findet auch der ehemalige Weltstar selbst. „Die Jungs haben super mitgemacht, waren voll motiviert und haben richtig Gas gegeben. Das hat mich schon sehr gefreut, dass sie wieder so viel Spaß am Ball hatten“, sagt Robben. „Natürlich wollen sie mehr, wieder Zweikämpfe bestreiten, wieder spielen. Aber wir müssen noch ein bisschen Geduld haben. Das war der erste Schritt – und der hat schon sehr viel Spaß gemacht.“

Der Ablauf der Trainings ist einfach erklärt: Die Spieler treffen höchstens zehn Minuten vor Beginn am Sportgelände ein und müssen sich zunächst erst einmal anmelden. Maximal acht nehmen an einer Einheit teil, höchstens vier Spieler halten sich gleichzeitig in einem Sportkarree auf. Dazu kommen zwei Trainer.

Umkleiden gibt es nicht, beschriftete Trinkflaschen und Rucksäcke stehen am Seitenrand. Wenn es losgeht, bekommt jeder seinen eigenen Ball, ansonsten stellt der Verein lediglich Markierungshütchen und Bänke für den Aufbau der Trainingsstationen zur Verfügung. Im Nachgang wird alles gründlich desinfiziert.

Mühlbauer: „Wir brauchen ein Licht am Ende des Tunnels“

„Wir machen das ähnlich dem 50-Prozent-Modell in der Schule. Wollen mehr als acht Spieler aus einem Team wieder am Training teilnehmen, braucht es einen weiteren Termin“, erklärt Mühlbauer. „Bei großen Mannschaften ist das natürlich schwieriger, zumal uns dann auch schnell das Personal ausgeht. Wir denken deshalb darüber nach, auch Eltern mit ins Boot zu holen – so wie es der BFV auch in seinem Leitfaden vorschlägt. Das wäre die logische Konsequenz.“ Die ersten Trainings haben die Verantwortlichen, auf Video festgehalten und allen Trainern zur Verfügung gestellt. Als „Muster-Modell“, um aufzuzeigen, dass es durchaus möglich ist, trotz der vielen Vorgaben ein Training anzubieten. „Wer Interesse zeigt, kann loslegen“, sagt Mühlbauer. Zwar bestehen auch beim Vorsitzenden des TSV Grünwald Bedenken, ob diese abgespeckte Art des Trainings auf Dauer interessant sein kann, doch er sagt auch: „Wir brauchen ein Licht am Ende des Tunnels, ein Ziel, auf das wir hinarbeiten können. Wenn wir das haben, kann man die Jungs viel besser motivieren.“    mm/Quelle: BFV

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