Wie wird die Moskauer Geisterpartie?

"Es wird aussehen wie ein Trainingsspiel"

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Arjen Robben.

München - Vor der Partie vor leeren Rängen in Moskau herrscht beim FC Bayern Ungewissheit: Wie wird das Champions-League-Trainingsspiel?

Die Bayern haben an ihrem verlängerten Wochenende in Köln beides erlebt: den Lärm und die Stille.

Mehr geht ja kaum an Stadion-Lautstärke als so ein Programm in Köln-Müngersdorf, wenn die Kölle-Hymne der „Höhner“ gesungen wird, bevor es losgeht; und die rheinländischen Fans lassen nicht nach, auch wenn das Spiel für Begeisterung keinen Anlass bietet. Wie das 0:2 am Samstag gegen den FC Bayern. Die Münchner hatten kühl und erfolgreich gegen die Kulisse angespielt.

Am nächsten Vormittag waren sie immer noch da, die Bayern, sie trainierten auf dem FC-Platz am Geißbockheim, das ist am Rand der Stadt, mit dem Wald als Nachbarschaft. Wenn keine Leute da sind, wehen die Kommandos hörbar über das Feld. Und nachdem nach einer Viertelstunde die Tore für das Fan- und Ausflugsvolk geschlossen wurden, war das dann der Vorgeschmack auf Moskau. Denn am Sonntagnachmittag ist die Bayern-Truppe von Köln/Bonn in die russische Hauptstadt weitergereist, am Dienstag (18 Uhr MESZ, Sky) hat sie dort beim Klub ZSKA ihr Champions-League-Geisterspiel.

„Das wird eine neue Situation“, sagt Philipp Lahm. „Es wird aussehen wie ein Trainingsspiel“, glaubt Arjen Robben. „Man darf das nicht denken, sonst wird’s gefährlich“, warnt Xherdan Shaqiri. ZSKA Moskau ist wegen rassistischer Äußerungen seines Anhangs bereits vor gut einem halben Jahr dazu verurteilt worden, dass das nächste internationale Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden hat – verbüßt wird diese Strafe am Dienstag gegen den FC Bayern. Und mit dem FC Bayern, dessen Entourage keinen Zutritt hat zum Chimki-Stadion.

Wird das zu erwartende „komische Spiel“ (Trainer Pep Guardiola) auch der Mannschaft zusetzen? Die Atmosphäre ist die große Unbekannte in der Wir-kommen-weiter-Rechnung, es gibt in der Münchner Europacup-Geschichte keinen Präzedenzfall, keine Erfahrungswerte. Und Guardiola ist etwas bang bei dieser Gruppenkonstellation: Es gibt neben Manchester City (von Bayern 0:1 geschlagen) mit AS Rom (5:1-Sieg über ZSKA) noch einen weiteren beachtenswerten Gegner. Es ist geboten, aus Moskau drei Punkte mitzunehmen.

Die Form der Bayern steigt an. Sie haben in Köln mit ihrer Überlegenheit beeindruckt. Am besten, man lässt sich das vom 1. FC-Torhüter Timo Horn schildern, wie er den Dauerdruck der Münchner empfunden hat. „Weltklassespieler auf allen Positionen. Sie haben gezeigt, was im Fußball heutzutage möglich ist. Bayern ist auch eine taktisch gut geschulte Mannschaft, die die Räume enorm eng macht, die einen gar nicht hinten raus spielen lässt – das gelingt auch anderen Weltklassemannschaften wie Manchester City nicht.“

Peter Stöger, Kölns österreichischer Trainer, fasste zusammen: „Nicht unsere Kragenweite. Mannschaften, die alles optimal machen können, stehen an der Tabellenspitze und sind auf dem Weg nach Moskau.“

Alles optimal lief bei den Bayern natürlich nicht. Xabi Alonso hatte bei seinem Rekordwert von 204 Ballkontakten auch etliche unakkurate Zuspiele und wirkte mitunter ausgelaugt; Robert Lewandowski kam kaum zur Geltung, weil er immer von drei Kölnern umzingelt wurde und er mit seinen Bolzplatz-Hackentricks hängenblieb, und die Abwehr hatte einen schweren Aussetzer, als Matuschyk in der 33. Minute eine Megachance hatte und es einer Glanzleistung von Tormann Manuel Neuer bedurfte, um den Ausgleich abzuwenden.

Doch wichtig war, dass die Bayern sich eine erdrückende Zahl an Chancen herausspielten. Und dass sie wissen, eine geht immer rein. Wie schon gegen Paderborn erwies sich Mario Götze als zuverlässiger Verwerter, er erzielte das 1:0. Beim 2:0 zwangen die Bayern den überforderten Ex-Löwen beim FC, Daniel Halfar, zum Eigentor. Ein weiterer früherer 1860er, der Japaner Osako, stand gar nicht im Kader für das Spiel gegen den Meister.

Das 2:0 in Köln war der erste Auswärtssieg der Bayern in dieser Bundesligasaison. Der Nebeneffekt: Man setzte sich um weitere drei Punkte von Dortmund ab, sieben Zähler beträgt der Abstand. Und das in einer Saisonphase, in der die Bayern immer noch ein wenig vor sich hinjammern. Auf hohem Niveau halt. „Es ist nicht so, dass wir Sorgen haben, gegen den Abstieg zu kämpfen“, erklärt Thomas Müller, „aber die Punkte werden nicht so leicht von der Hand gehen.“ Von der Qualität her, so findet er, „muss man Dortmund und Leverkusen weiter auf dem Zettel haben. Wer dann der Jäger sein wird, ist uns egal.“ Kampfansagen in Richtung der Bayern vernimmt man aus der Bundesliga derzeit keine. Die Konkurrenz übt sich in Stille. In Moskauer Stille.

Günter Klein

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