Interview mit Gunners-Legende Pires

"Die Bayern kommen Arsenal ganz gelegen"

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Zwei Franzosen in London: Arsene Wenger (l.) trainiert den FC Arsenal seit fast zwei Jahrzehnten, Robert Pires trug einst das Trikot der Gunners.

München - Robert Pires kennt Bayerns Gegner FC Arsenal wie kaum ein anderer. Im Interview erklärt der Franzose, warum die Roten in London schwitzen werden und wer der beste Gunners-Spieler ist.

Robert Pires ist untröstlich. Die Arsenal-Legende ist mit der tz für 12 Uhr verabredet, muss den Termin jedoch verschieben. „Geht es auch später? Wenger hat gefragt, ob ich mittrainieren will“, steht in der SMS. Gute zwei Stunden später ist das Training der Gunners vorbei und der französische Welt- und Europameister wieder erreichbar. Von 2000 bis 2006 war der 41-Jährige bei den Gunners aktiv, gewann in dieser Zeit zweimal die Premier League und dreimal den Pokal. Wie er dertz verrät, ist Pires aber nach wie vor für eine Bude gut. Das Interview.

Herr Pires, wie kommt’s, dass sie nach wie vor auf dem Trainingsplatz der Gunners stehen?

Pires: Es ist meinem tollen Verhältnis zu Arsene Wenger geschuldet. Wenn ich Zeit habe, darf ich mittrainieren.

Können Sie denn mit Özil, Cazorla & Co. mithalten?

Pires: Na und ob, die Jungs halte ich schon noch auf Trab! Sie mich aber auch (lacht). Nein, es freut mich einfach, dass die Jungs mich gerne um sich haben und mir auch mal die ein oder andere Frage stellen. Ich bin eine Art Professor für sie.

Und wie ist die Stimmung vor dem Spiel gegen die Bayern?

Pires: Wie vor einem Finale. Wir brauchen einen Sieg, sonst wird es schwer mit dem Achtelfinale. Da spürt man die Nerven, zumal es ja gegen die in meinen Augen beste Mannschaft Europas geht. Aber ich vertraue den Jungs, die machen das schon!

Wie erklären Sie sich die zwei Gesichter aus Premier League und Champions League?

Pires: Es ist ein Phänomen hier in England: Am wichtigsten ist die Premier League, die Champions League eher zweitrangig. Da werden die Spiele nicht mit derselben Akribie vorbereitet, was dazu führt, dass man gegen mauernde Mannschaften wie Piräus oder Zagreb ins offene Messer rennt. In der Premier League geht es immer von box to box, wie wir hier sagen, in Europa hingegen sollte man auch mal geduldig sein und abwarten.

Also könnte der FCB als offensiv ausgerichtete Mannschaft Arsenal entgegenkommen?

Pires: Durchaus. Hier treffen zwei Mannschaften aufeinander, die spielen wollen. Da wartet keiner ab. Deswegen kommen die Bayern tatsächlich ganz gelegen. Eines steht aber ohnehin fest: Spielt Arsenal wie vor zehn Tagen gegen Manchester United, gehen sie mit drei Punkten vom Feld.

Sehen die Gunners denn auf einer Stufe mit dem FCB?

Pires: Ein Blick auf beide Kader belegt, dass Arsenal die Bayern keinesfalls beneiden muss. Natürlich haben die Münchner unglaubliche Spieler, wir haben aber auch Kicker wie Özil, Alexis, Cazorla, Walcott und Giroud in unseren Reihen.

Hätte denn das legendäre Arsenal um Sie und Thierry Henry eine Chance gegen diese Bayern?

Thiago gegen Mesut Özil.

Pires: Arsenal hatte schon immer sehr gute Chancen, gegen die Bayern haben wir immer starke Spiele abgeliefert. Ich denke da auch an das 2:0 2013 in der Allianz Arena. Die Deutschen wissen: Wenn Arsenal kommt, werden wir leiden! Die Bayern haben eine Menge Topleute im Team, sie sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass sie im Emirates schwitzen werden.

Apropos Topleute: Was halten die Engländer von Özil?

Pires: Eine Menge! Ich denke, die Engländer haben dieselbe Meinung wie die Deutschen. Einen wie ihn zu haben, ist Gold wert. Gutes Auge, guter Pass, aber: Mesut muss mehr Tore schießen. Mesut ist ein klasse Kicker, zu den Besten Europas wird er aber erst gehören, wenn er noch torgefährlicher wird.

Gegen United hat er getroffen und einen Assist gegeben.

Pires: Sehen Sie, ich sage es ihm immer wieder im Training. „Mesut“, schimpfe ich immer. „Mit deinem linken Fuß musst du mindestens 15 Tore machen!“ Er gibt mir ja immer recht und sagt: „Ja, Robert. Aber ich mag es, den letzten Pass zu geben.“ Was ja schön und gut ist. Aber er muss öfter treffen. Das fehlt ihm noch.

Wenn Robert Pires Ratschläge gibt, macht also auch ein Özil große Augen?

Pires: Ich weiß, dass Mesut Weltmeister ist und schon bei Real Madrid gespielt hat, aber er lauscht immer sehr aufmerksam, wenn ich mit ihm spreche. Das freut mich. Es sind gute ­Gespräche.

Und was halten Sie vom anderen deutschen Weltmeister, Per Mertesacker?

Pires: Stark, robust, erfahren – Wenger braucht Spieler wie ihn. Er ist ja nicht umsonst sein Captain. Egal wie es läuft, Per hat das Talent, einen immer wieder aufzubauen und zu motivieren. Er ist ja praktisch das gesamte Spiel am Schreien, das gibt der Mannschaft Energie!

Vor wem sollten sich die Bayern noch in Acht nehmen?

Pires: Der Beste ist in meinen Augen Santi Cazorla, aber das weiß Pep bestimmt auch und wird seine Spieler dementsprechend eingestellt haben.

Arsene Wenger seine Männer aber bestimmt auch. Wie lange macht er das eigentlich noch?

Pires: Für Arsene ist Fußball alles, es ist sein Leben. Er gibt alles für Arsenal, trainiert die Mannschaft seit 19 Jahren und hat zum 18. Mal die Champions League erreicht. Hinzu kommt, dass er auch in der Premier League immer unter die Top vier kommt. Ich habe gelesen, das er 2017 aufhören will, aber das glaube ich nicht. Arsenal ohne Wenger? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen! Es gab mal eine Phase, da war er als Nationaltrainer im Gespräch, aber ein Wenger muss jeden Tag anpacken können. Daher ist er geblieben und hat nie Frankreich übernommen.

Wie kommt es, dass einige Fans nicht hinter ihm stehen?

Pires: Die Fans sehnen sich einfach nach dem Premier-League-Titel, der letzte ist elf Jahre her. Seitdem gab es zwei Pokalsiege, den Fans ist das zu wenig. Ich kann sie verstehen, sie sollten aber auch nicht vergessen, was dieser Herr alles für diesen Klub getan hat.

Vielleicht werden Sie ja eines Tages sein Nachfolger?

Pires: Ehrlich gesagt sehe ich mich nicht als Trainer. Nahe an einer Mannschaft zu arbeiten, bei Arsenal natürlich, würde mich hingegen schon reizen. Ich würde auch gerne mit Wenger zusammenarbeiten, weil ich ihm eine Menge zu verdanken habe. Das wäre toll!

Interview: José Carlos Menzel López

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