Josè Sulantay im tz-Interview

Ex-Trainer über Vidal: An einer Sache muss er arbeiten

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Bei seiner Rückkehr nach Turin lieferte Arturo Vidal ein überragendes Spiel ab.

München - Arturo Vidal zeigt beim FC Bayern München derzeit, warum er geholt wurde. Bei der chilenischen U20-Nationalmannschaft wurde er von José Sulantay trainiert. Wir trafen ihn zum Interview.

José Sulantay wird die ein oder andere Träne vergossen haben, als Chile vergangenes Jahr die Copa América gewann. Der größte Erfolg in der Geschichte des chilenischen Fußballs ist vor allem das Verdienst des U 20-Trainers von La Roja, der die goldene Generation zum ersten Mal in seiner Auswahl vereint hatte. Neben Alexis Sánchez und Claudio Bravo fand sich darunter auch Arturo Vidal. In der tz spricht Sulantay (75) über die Entdeckung, den Durchbruch und den nicht ganz einfachen Charakter des Kriegers.

Señor Sulantay, wann haben Sie Arturo Vidal kennengelernt?

José Sulantay

Sulantay: Arturo war damals 17 und hat in der Jugend von Colo Colo gespielt. Als U 20-Nationaltrainer Chiles war ich bekannt dafür, die Spieler mit extremer Sorgfalt auszusuchen. Ich habe lieber zweimal hingesehen und nach Spielern Ausschau gehalten, die genau ins Profil passten. Arturo hatte das, was ich wollte. Er war ein sehr kraftvoller Spieler, der aber zugleich die fußballerischen Fähigkeiten mitbrachte. Am meisten ist mir jedoch seine Persönlichkeit ins Auge gestochen, etwas Vergleichbares gab es in Chile zu dieser Zeit nicht. Sie birgt auch Risiken, vor allem was seine Disziplin angeht, aber ich hatte ihn immer im Griff.

Wussten Sie bereits damals, dass er eine internationale Karriere hinlegen würde?

Sulantay: Schon allein wegen seiner Persönlichkeit. Von dieser Mannschaft, mit der ich zur U 20-WM nach Kanada fuhr, wechselten danach viele nach Europa. So etwas hatte es in Chile bis dahin nicht gegeben. Wir haben gute Arbeit mit den Spielern geleistet, auch Vidal hat sie sehr gut angenommen.

Und dann ging es nach Leverkusen.

Sulantay: Das Beste, was Arturo passieren konnte. In Chile hatte er viele Freundschaften, gute und weniger gute. Daher war es geradezu optimal, dass er in ein Land wechselte, in dem er die Sprache nicht beherrschte. So konnte er sich auf den Fußball konzentrieren. Deutschland war fundamental für Arturo, dort hat seine Karriere ihren Startschuss genommen.

Kritik gab es jedoch immer wieder, auch zuletzt in München.

Sulantay: Er muss aufpassen. Er ist ein komplizierter Mensch, auch ich hatte meine Probleme mit ihm. Das Viertel, aus dem Arturo kommt, ist sehr schwierig. Überwiegend arme Leute kommen daher, die nicht allzu viel aufs Studieren und noch weniger aufs Arbeiten geben. Arturo hat den Absprung zwar geschafft, die Narben aus seiner Kindheit werden aber für immer bleiben.

Bis heute.

Familienmensch: Arturo Vidal mit Sohn Alonso in der Umkleide.

Sulantay: Wissen Sie, ich will nicht, dass er seine Karriere wegschmeißt, nur weil er nicht die Disziplin an den Tag legt, die ein Profifußballer eben benötigt. Andernfalls wäre es sehr tragisch. Spielen, Rennpferde und Casinos sind nun mal nicht Teil des Weges, den ein Profifußballer beschreiten sollte.

Haben Sie seine Leistung gegen Juventus gesehen?

Sulantay: Ich habe es ja bereits erwähnt: Arturo hat alles, um einer der erfolgreichsten Fußballer der Geschichte zu werden. Ich weiß noch genau, als ich mich um sein Knie gesorgt habe, denn er hat ja damals auch nichts auf die Fristen des operierenden Arztes gegeben. Aber allem Anschein nach hat er sich ja gut erholt.

Sah in Turin ganz danach aus.

Sulantay: Das freut mich. Jetzt muss er nur noch das mit der Disziplin auf die Reihe kriegen, da muss auch der FC Bayern stark sein. Schafft er das, traue ich ihm zu, dass er auch in München zum großen Anführer wird. Arturo muss sich bewusst sein, dass er dort drüben Chile repräsentiert, dass er zwar erfolgreich ist in Europa, seine Karriere von einen Tag auf den anderen aber wieder vorbei sein kann.

Wie denken die Chilenen über Vidal?

Sulantay: Die Chilenos mögen ihn. Sehr sogar. Arturo ist beliebt hier. Ich hoffe, das bleibt so und dass er sich noch an meine Worte erinnert, die ich ihm damals in Kanada gesagt habe: Mit Ruhm und Geld muss man umzugehen wissen, denn sonst ist alles schneller vorbei, als man denkt. Ruhm, Geld, all das ist vergänglich. Ich wünsche Arturo nur das Beste, von Herzen.

Interview: José Carlos Menzel López

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