Der 19-Jährige hat gute Ansätze

Arturo Vidal über Kingsley Coman: "Sein Potenzial ist enorm"

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Kingsley Coman.

München - Für eine offizielle Vorstellung von Kingsley Coman war noch keine Zeit. Doch der 19-Jährige hat gute Ansätze, muss sich beim FC Bayern aber noch entwickeln. 

Für eine offizielle Vorstellung war noch keine Zeit, denn Kingsley Comans erste Reise nach München war nur ein Kurz-Trip. In einem Café besprach sich der 19 Jahre alte Neuzugang des FC Bayern am Sonntagmorgen zum letzten Mal mit dem Technischen Direktor Michael Reschke, dann ging es zur Unterschrift an die Säbener Straße. Ein schnelles Foto mit dem neuen Trikot, ein kurzes Interview mit den vereinseigenen Medien, natürlich inklusive der üblichen Floskeln wie „wenn du hörst, dass der FC Bayern interessiert ist, musst du nicht nachdenken“ und „alles hier passt sehr gut zu mir“. Und dann ging es auch schon weiter. Denn es gab doch etwas, das diesen verwirklichten Traum (auch diese Floskel fehlte im Antritts-Interview nicht) stören konnte: Die lästige Pflicht.

Am Samstag wird Kingsley Coman in der Qualifikation für die EM 2017 in Polen mit der französischen U 21 in Island antreten. Wie die übrigen Nationalspieler ist also auch er schon aufgebrochen ins Trainingslager. Am Mittwoch soll er nochmal kurz zurückkehren nach München, hieß es gestern, eventuell sei dann Zeit für Comans ersten Gang vor die Presse. Denn bisher weiß die Öffentlichkeit noch nicht viel über den jungen Mann, dessen Ausleihe sich die Bayern sieben Millionen Euro haben kosten lassen. Was man weiß: Der Verein setzt große Hoffnungen in ihn. Weil Coman in seiner Vergangenheit bei Paris St. Germain und Juventus Turin durchaus Ansätze gezeigt hat, die diese rechtfertigen.

Dass Reschke die letzten Formalitäten klärte und Coman in München in Empfang nahm, ist kein Zufall. Der 57-Jährige ist im europäischen Nachwuchsbereich versiert und vernetzt wie kaum ein Zweiter. Auf Coman hatten die Bayern schon länger ein Auge geworfen; 2014, als dessen Vertrag bei PSG auslief, standen sie auf der Liste der Interessenten, auf der auch Liverpool, Arsenal, Leverkusen und Bordeaux zu finden waren. Reschke ist dran geblieben und beobachtete den Stürmer zuletzt auch bei der U 19-EM in Griechenland. Dass er mit seinem Team ins Halbfinale einzog und bis dahin lediglich in einer Partie nicht in der Startelf gestanden hatte, überzeugte die Bayern.

„Das Interesse hat mich gefreut“, sagte Coman, der bei Juve mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden war. 14 Spiele bestritt er im vergangenen Jahr in der Serie A, dazu zwei in der Champions League (inklusive des kurzen im verlorenen Finale gegen Barcelona). Obwohl Juve-Trainer Massimo Allegri Coman, den nach wie vor jüngsten Debütanten der französischen Liga (16 Jahre, 8 Monate), aber in den ersten beiden Pflichtspielen der Saison (neben dem Ex-Bayern Mario Mandzukic) von Beginn an brachte, trat er mit dem Wechselwunsch an den italienischen Meister heran. Die Perspektive schien ihm angesichts der Offensiv-Verpflichtungen von Mandzukic, Simone Zaza und Paulo Dybala zu gering.

Die Konkurrenz in München ist in Arjen Robben, Douglas Costa und (dem verletzten) Franck Ribery noch hochkarätiger – aber Coman, der über beide Flügel und auch zentral kommen kann, will sich durchbeißen. Er bringt durchaus Argumente mit. Schon im vergleichsweise jungen Alter gilt er als wuchtig, athletisch, aktiv und vor allem explosiv. Ist er einmal am Gegner vorbei, kann man ihn schwer einholen, zudem ackert der 1,78 m große Allrounder (anders als manch anderer Offensiv-Spieler) nicht nur nach vorne, sondern auch in der Rückwärtsbewegung.

Bei Juve reichte es vor allem noch nicht zum Durchbruch, weil ihm häufig nach genialen Einzelaktionen die Übersicht fehlte. Der komplizierte Pass hat bei seinen Einsätzen in der italienischen Liga oft Vorzug vor dem logischen bekommen. Zu ungeduldig war er meist dann, wenn der Gegner gut verteidigte. Mehr Ruhe und Übersicht soll er in München entwickeln. Coman muss noch ein wenig auf die Weide, um ein Großer zu werden.

„Sein Potenzial ist enorm“, sagt Arturo Vidal über seinen ehemaligen Mitspieler, mit dem er bei Juve im vergangenen Jahr das nationale Double feierte. Der Chilene, den Coman vor seinem Wechsel zu Rate zog, spricht von einer „großen Verstärkung“.

Was Coman, den die Bayern in zwei Jahren für 21 Millionen Euro fest verpflichten können, zu leisten imstande ist, hat er in Turin übrigens gleich bei seinem ersten (und einzigen) Treffer gezeigt. Bis heute redet man über jenes Tor, das im Januar 2015 gegen Chievo Verona gefallen ist. Coman ging vom linken Flügel an zwei Verteidigern vorbei und zog ab. Ein Volltreffer. Aber: Eins nach dem anderen. Erst mal vorstellen. Dann Tore schießen.

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