Außenverteidiger im Interview

Augsburger Max: „Wir fahren nach München, um eklig zu spielen“

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Philipp Max läuft seit 2015 für den FC Augsburg auf.

Am Samstag gastiert der FC Augsburg in der Allianz Arena zum Duell mit dem FC Bayern. Wir haben den Shootingstar der Schwaben, Philipp Max, zum Interview getroffen.

Philipp Max kehrt zurück an alte Wirkungsstätte. Von 2007-2010 kickte der 24-Jährige in der Jugend des FC Bayern, auf den sein FC Augsburg am Samstag in der Allianz Arena trifft. Mit München verbindet der Außenverteidiger aber noch mehr. Sein Vater Martin Max spielte vier Jahre lang für den Lokalrivalen der Roten, den TSV 1860 München, für den Philipp ebenfalls in der Jugend aktiv war. Was er zu seinem Bezug zu München, dem Ruhrpott und einer möglichen WM-Teilnahme zu sagen hat, erzählt er im Interview mit uns.

Ihr Vater Martin ist zwei Mal BL-Torschützenkönig geworden, Ihre Mutter Sandra spielte in der Westfalen-Auswahl. Hatten Sie eine andere Wahl als Fußball-Profi zu werden? 

Philipp Max: (lacht) Mir persönlich wurde das natürlich offen gelassen. Ich habe es, als ich sechs Jahre alt war, ein halbes Jahr mit Tennis versucht. Das war nicht so mein Ding. Als die Schulzeit angefangen hat, haben alle meine Freunde Fußball gespielt und so bin ich dann auch zum Fußball gekommen. Das war genau die richtige Entscheidung.

Viersen, Gelsenkirchen, München, dann wieder Ruhrpott: Sie sind oft umgezogen, weil ihr Vater den Verein wechselte. Wie war das für Sie? 

Max: Ich bin da rein gewachsen, tue mich nicht schwer damit, mich schnell anzupassen. Durch die vielen Umzüge musste man sich immer wieder an ein neues Umfeld gewöhnen, aber das habe ich bis jetzt immer gut hinbekommen.

Sie haben auch elf Jahre in München gelebt. Haben Sie noch Kontakte vor Ort? 

Max: Nicht mehr so viele, aber einige Spieler, mit denen ich früher zusammengespielt habe, sind auch Profis geworden. Da läuft man sich natürlich ab und zu über den Weg. Genau wie in Augsburg: da sind zwei Spieler in der Mannschaft, mit denen ich die Münchner Zeit geteilt habe – Moritz Leitner und Tim Rieder. Ein, zwei Freunde habe ich auch noch in München.

Sie haben in der Jugend von 1860 und Bayern gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an die beiden Klubs? 

Max: Es waren zwei sehr prägende Zeiten, in denen ich das Fußballspielen gelernt habe. Ich will die Zeit nicht missen und auch nicht, dass ich damals von 1860 zu den Bayern gewechselt bin. Das war dann eine andere Situation: Mit 1860 ist man immer so ein bisschen als Underdog überall hingefahren, mit Bayern hattest du auch in den Jugendmannschaften immer den Druck, die Spiele gewinnen zu müssen. München war eine wichtige Zeit für mich, aber ich war dann auch froh, als ich den Wechsel zu Schalke gemacht habe.

Was München angeht: Sind Sie ein Blauer oder ein Roter? 

Max: Ein Augsburger.

Apropos blau und rot: Der Wechsel von Bayern zu Schalke hat Ihrer Karriere neuen Schwung gegeben. Was war bei S04 anders? 

Max: Das allgemeine Umfeld war anders, ich hatte meine ganze Familie um mich. Ein Cousin im gleichen Alter hat damals in der U19 beim VfL Bochum gespielt. Da konnte man sich immer wieder über gewisse Dinge austauschen. Ich hatte auf Schalke mit Norbert Elgert einen sensationell guten Trainer. Er hat mich an den richtigen Punkten angefasst. Er hat mir geholfen, die Dinge besser umzusetzen und mit mehr Selbstvertrauen anzugehen. Wie bei allen Jungs, die aus der Pubertät rauskommen, ging es darum, dass man sich in den Duellen mit seinem Gegenspieler durchsetzen muss. Es ging um den Biss, den gewissen Willen. Es schaffen schließlich nur eine wenige Jugendspieler nach oben.

Der FC Bayern hat jüngst den neuen Campus eröffnet, hofft auf mehr Nachwuchsspieler im Profi-Kader. Ist es ein Problem des Klubs, dass der Sprung von der Jugend zu den Profis größer ist als anderswo? 

Max: Auf jeden Fall. Bayern ist eine der besten Mannschaften der Welt, da ist es für junge Spieler natürlich schwerer, nach ganz oben zu kommen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass es möglich ist. Die besten Beispiele sind Lahm und Schweinsteiger.

Letzte Saison gab es in München richtig auf den Deckel – ein 0:6. Warum gibt’s diese Saison keine Packung in der Allianz Arena? 

Max: Letzte Saison war es eine andere Konstellation. Wir waren noch nicht lange mit dem Trainerteam zusammen. Jetzt hatten wir eine lange Vorbereitungszeit, sind sehr gut in die Saison gestartet und stehen mit 16 Punkten sehr gut da. Und das entgegen aller Kritiker, die uns als Absteiger Nummer eins betitelt haben. Wir haben eine gewisse Festigkeit in der Mannschaft, alle wissen genau, was zu tun ist. Die Abläufe sind klar und dann kann man das große Ganze besser verteidigen. Ich gehe natürlich davon aus, dass wir uns dieses Jahr besser verkaufen und ein anderes Gesicht zeigen als letztes Jahr. Mit Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason hatten wir damals Langzeitverletzte, die jetzt sehr, sehr wichtig für die Mannschaft sind. Wir fahren nach München, um eklig zu spielen.

Wenn Sie auf die letzten Wochen des FCB blicken: Wünschen Sie sich Carlo Ancelotti für ein Spiel zurück auf den Trainerposten? 

Max: Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie die Mannschaft jetzt wieder auftritt – mit einer ganz anderen Selbstsicherheit. Da sieht man, wie wichtig die Psyche im Fußball ist. Es stehen die gleichen Spieler auf dem Platz wie vorher und es ist sehr beeindruckend, wie sie die Ergebnis auf einmal wieder einfahren. Gegen Bayern München ist es aber egal, wer da auf der Bank sitzt. Die Qualität auf dem Feld ist so groß, dass es immer eine Herkulesaufgabe ist, da zu bestehen. Wir haben bisher gute Spiele gegen Top-Mannschaften gezeigt, haben Leipzig geschlagen und Dortmund am Rand der Punkteteilung gehabt. Wir gehen mit vollem Selbstvertrauen an die Sache ran und wollen natürlich auch in München was mitnehmen.

Sie hatten in der Realschule bei einem gewissen Manuel Baum Unterricht – heute ist er Ihr Trainer beim FCA. Wie war er als Lehrer? Wie ist er als Trainer? 

Max: Er versucht als Trainer das, was er auch als Lehrer gemacht hat: Er ist immer sehr offen für Vorschläge und Ideen. Er ist ein sehr akribischer Mensch, der immer versucht, das Maximum rauszuholen. Er geht sehr feinfühlig mit uns um, versucht seine taktischen Ideen zu 100 Prozent rüber zu bringen. Das klappt sehr gut. Als Lehrer war er sehr verständnisvoll, weil wir in einer Sportklasse waren. Er hat uns auch mal eher gehen lassen.

Waren Sie ein guter Schüler bei Herrn Baum? 

Max: Nach seinen Aussagen war ich das (lacht). In der Sportklasse war es natürlich so, dass der Fokus auf dem Fußball lag. Er hat schon erkannt, dass wir nur das Nötigste getan haben. Trotzdem waren die Noten bei mir immer ganz gut.

Letzten Sommer waren Sie mit ihrer Freundin auf den Seychellen. Haben Sie schon Ihren Urlaub für Sommer 2018 gebucht? 

Max: Nein, habe ich noch nicht. Ich weiß, worauf Sie hinaus möchten. Aber über die WM 2018 habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Der Sommerurlaub wird ganz normal gebucht. Es gibt im Fall der Fälle ja Reiserücktritts-Versicherungen.

24 Jahre alt, Linksverteidiger, bereits im Olympia-Team des DFB gewesen. Machen Sie sich denn Hoffnungen, dass Jogi Löw bald anruft? 

Max: Ich mache mir natürlich Gedanken, weil es viel von außen heran getragen wird und ich sehe natürlich, dass ich einen guten Lauf habe. Das Entscheidende ist aber, dass wir beim FCA eine sehr gute Saison spielen. Das ist das, was zählt. Aber natürlich ist die Nationalmannschaft das, wovon jeder Junge träumt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht mein Ziel ist. Im Moment zerbreche ich mir darüber aber nicht zu sehr den Kopf, das wäre kontraproduktiv.

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Das Interview führte: Jonas Austermann

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