Ex-Dortmunder am Tiefpunkt

Löw unterstützt "Ausnahmekönner" Götze

München - Wieder ein großes Spiel, wieder nicht von Beginn an dabei: Mario Götze ist beim FC Bayern auf dem Tiefpunkt angelangt. Joachim Löw spricht ihm aber Mut zu.

Mario Götze sah aus wie ein eingeschüchterter Schulbub, den der strenge Lehrer mal wieder in die Ecke gestellt hatte. Lange vor allen anderen kam er aus der Kabine, doch statt zu reden, wie er es ein paar Tage zuvor mit einem zuvorkommenden Lächeln noch versprochen hatte, schüttelte er jetzt nur den Kopf und flüsterte: „Tut mir leid.“ Dann zog er die Kapuze seines schwarzen Hoodies über seine schwarze Basecap und eilte davon. Es schien, als sei ihm zum Heulen zumute.

Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona (3:2) war für Götze der vorläufige Tiefpunkt in seiner Zeit bei Bayern München. Erst in der 87. Minute wurde er von Trainer Pep Guardiola eingewechselt, obwohl Spieler wie Xabi Alonso oder Thiago längst am Ende ihrer Kräfte waren. Ein paar Gnadenminuten, mehr nicht. Unter Guardiola, wegen dem er angeblich nach München gekommen ist, ist WM-Held Götze gegenwärtig nur ein Mitläufer. Und es scheint fraglich, ob er eine Zukunft hat.

„Mario Götze hat Vertrag, warum soll es keine Zukunft geben?“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer vor dem Spiel bei Sky. Zugleich versicherte er: „Wir sind an seiner Seite, wir helfen ihm, er hat unsere ganze Unterstützung - und wir brauchen ihn natürlich auch.“ Wirklich? Bastian Schweinsteiger (30), acht Jahre älter als Götze (22), betonte: „Wenn man jung ist und bei den Bayern, ist es nicht so einfach.“ Er wisse das, er habe das ja selbst erlebt, ergänzte er.

Negativtrend erstaunlich

Die Entwicklung ist umso erstaunlicher, weil Götze nach der WM zunächst wie beflügelt schien. In der Hinrunde erzielte er sieben Treffer. Und tatsächlich ist seine Bilanz nicht schlecht - in der Bundesliga: 30 Einsätze in bislang 32 Spielen, 25-mal von Beginn an dabei, 12-mal durchgespielt. Nur drei Feldspieler der Bayern haben mehr Einsatzminuten (Bernat, Lewandowski, Müller). Doch als es in drei Halbfinal-Spielen im DFB-Pokal und in der Champions League um die Wurst ging, wurde er jeweils nur eingewechselt.

Joachim Löw brach eine Lanze für seinen WM-Torschützen.

Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, attackierte am Rande des Halbfinal-Rückspiels erst einmal die Überbringer der schlechten Nachrichten. Es sei „unsäglich, wie jetzt auf Mario rumgehackt wird“, sagte er bei Sky. Bundestrainer Joachim Löw sekundierte am Tag danach auf dfb.de: „Ich habe kein Verständnis für diese teilweise unsachliche Diskussion und Kritik. Für mich steht fest: Mario ist ein Ausnahmekönner, ein Spieler, der den Unterschied macht.“

Unter anderem Franz Beckenbauer hat Götze wiederholt mangelndes Durchsetzungsvermögen attestiert hat. Der Meinung des „Kaisers“ ist allerdings kaum zu widersprechen, deshalb sagen sie beim FC Bayern auch nur: Wir helfen Mario, das wird schon noch. Zugleich vertritt Löw die Meinung, dass Götze „ohne Zweifel zu den besten Fußballern der Welt“ gehört. Was er vergisst: Er zeigt es nicht. Weshalb Schweinsteiger rät, er müsse jetzt „einfach dranbleiben“. Zumal: Götze ist erst 22 Jahre alt. Aber auch: in einer Krise.

"Wunderbar, aber kein Wunder da" - Pressestimmen zu Bayern vs. Barca

"Die nächste Gala der drei Außerirdischen" - Pressestimmen

sid

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