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Ballack im tz-Interview: Warum ich nie in Hoeneß' Büro gegangen bin

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„Wir werden den Kampf um den Titel annehmen, wenn Dortmund schwächelt. Es ist erst eine Halbserie gespielt“, sagt Ballack © Getty

Leverkusen - Im tz-Interview spricht Michael Ballack über Motivation, Ziele, Verletzungen, den FC Bayern – und seinen Krach mit Lahm rund um die WM.

WM-Aus nach einem brutalen Foul des Ghanaers Kevin Boateng. Gerade hatte sich Michael Ballack wieder rangekämpft, da stoppte ihn ein rüdes Foul von Hannovers Pinto. Ein hartes Jahr für den Superstar. Das tz-Interview:

Herr Ballack, welche Werte sind Ihnen wichtig im Leben?

Ballack: Vertrauen und Respekt. Das ist in der Familie und im Beruf so. Man braucht eine Basis, um ehrlich miteinander umzugehen. Wenn das gestört ist, wird es schwierig.

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Wenn das Verhältnis gestört ist – was machen Sie dann?

Ballack: Wenn Dinge schieflaufen, räumt man sie aus. Wenn sie nicht auszuräumen sind, dann muss man Konsequenzen ziehen.

Am Tag Ihrer Abreise aus dem WM-Mannschaftsquartier in Südafrika hat Philipp Lahm überraschend erklärt, er wolle Kapitän bleiben. Haben Sie die Sache mittlerweile ausgeräumt?

Ballack: Diese Sache hatte etwas mit Respekt gegenüber dem Kapitän zu tun. Ich habe da eine klare Meinung. Die Frage öffentlich und zu diesem Zeitpunkt zu thematisieren, war falsch.

Hätten Sie sich gewünscht, dass Ihr Kollege Lahm vor seinem Vorpreschen mit Ihnen unter vier Augen geredet hätte?

Ballack: Ja. Denn dann hätte das bei mir persönlich einen anderen Eindruck hinterlassen. Aber so steht das in einem ganz anderen Licht. Und so wird das auch bleiben.

Sie haben die Angelegenheit also nicht aus der Welt schaffen können?

Ballack: Wir haben kurz miteinander geredet. Trotzdem habe ich eine Meinung dazu. Ich bleibe dabei: So etwas macht man nicht. Aber wir sind Profis. So etwas sollte nicht ewig eine Rolle spielen.

Der Bundestrainer hat sich im tz-Interview noch einmal klar zu Ihnen als Kapitän bekannt. Tut das gut?

Ballack: Wenn er das drei Monate früher gemacht hätte, wären uns Beteiligten unnötige Diskussionen erspart geblieben. Ich war verletzt, ich konnte nichts ausrichten. Aber es freut mich, dass der Bundestrainer im Nachhinein klar Stellung bezogen hat.

Wie würden Sie 2010 mit einem Wort umreißen?

Ballack: Seuchenjahr kann ich nicht sagen. Schließlich habe ich mit Chelsea zwei Titel gewonnen. Schön beschissen…

Das sind zwei Worte…

Ballack (lacht): Okay. Seuchenhalbjahr.

Wenn man so lange wie Sie verletzt ist, was treibt Sie noch an?

Ballack: Ich hatte in meiner Karriere schon viele schwierige Situationen zu meistern. Und ich bin immer zurückgekommen.

Für wen quälen Sie sich?

Ballack: Ich will es mir noch einmal beweisen. Aber ich spüre, dass es mit 34 Jahren schwerer wird, dieses Level noch einmal zu erreichen, um ganz oben in der Spitze mitzuspielen. Das ist eine riesengroße Herausforderung. Außerdem habe ich eine Verpflichtung gegenüber meinem Klub Bayer Leverkusen und den Fans, die viel von mir erwarten. Ich will ihnen einiges an Vertrauen, das sie mir geschenkt haben, zurückgeben.

Haben Sie jemals an ein Karriereende gedacht?

Ballack: Nein. Nie!

Nach dem Foul von Pinto wirkten Sie sehr niedergeschlagen…

Ballack: Das war ein Moment, der für mich als Sportler sehr heftig war. Aber wenn ich sehe, was mit Samuel in der Wetten, dass..?-Show passiert ist, dann relativiert sich einiges. Der Junge muss wahrscheinlich im Rollstuhl sitzen und wird vielleicht nie mehr laufen können. Ich aber kann zurückkommen, ich kann mich rehabilitieren. Ich bin wieder gesund und kann das tun, was ich liebe: Fußball spielen.

Sie brennen auf Ihre Rückkehr?

Ballack: Ja.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Ballack: Jetzt kommt erst einmal die Winterpause. Und am 3. Januar will ich ins Mannschaftstraining einsteigen.

Bastian Schweinsteiger hat gerade einen 50-Millionen-Vertrag unterschrieben und bleibt in München. Wie beurteilen Sie seine Entscheidung?

Ballack (lacht): Ich habe gelesen, was er verdienen soll. Dann kann ich verstehen, dass er in München bleibt.

Er hätte auch, so wie Sie es getan haben, ins Ausland gehen können.

Ballack: Ja, sicherlich. Aber er ist in der glücklichen Lage, bei einem Top-Klub wie den Bayern zu spielen. Er ist dort groß geworden. Ich habe mich in den vier Jahren in München sehr wohlgefühlt. Aber damals habe ich die Chance nicht gesehen, dort einmal die Champions-League zu gewinnen. In dieser Zeit waren die Bayern nicht so gut aufgestellt wie in den letzten drei, vier Jahren. Sie haben für viel Geld einen Ribéry, einen Robben oder einen Toni geholt. Schweinsteiger hat das Gefühl, dass er mit Bayern einen Champions-League-Titel holen kann. Deshalb kann ich seine Entscheidung verstehen.

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Die Bayern sind lernfähig. Während man Sie hat gehen lassen, haben sie jetzt frühzeitig ihren Schlüsselspieler gehalten…

Ballack: Ich habe es anders gemacht. Ich bin damals bewusst nicht zu Uli Hoeneß ins Büro gegangen, weil ich weiß, dass er immer Argumente findet, denen man kaum widerstehen kann. Dann hätte vielleicht auch ich den Vertrag unterschrieben und hätte gedacht, alles richtig gemacht zu haben. Hätte ich verlängert bei den Bayern, hätte ich ja auch nichts falsch gemacht. Das sind ja Luxusprobleme.

Wie sehen Sie Uli Hoeneß?

Ballack: Er hat die Bayern zu einem europäischen Top-Klub gemacht.

Sie haben ein Jahrzehnt den deutschen Fußball geprägt. Könnte Schweinsteiger Sie beerben?

Ballack: Ja, absolut. Dazu ist er geradezu prädestiniert.

Was zeichnet Ihn aus?

Ballack: Er hat Präsenz, denkt strategisch. Er kann im Mittelfeld defensiv und offensiv spielen und ist torgefährlich.

Man sollte aber auch eine starke Persönlichkeit sein…

Ballack: Und die hat er. Das ist das A und O. Wenn man ein Ausnahmespieler werden will, braucht man eine starke Persönlichkeit.

Werden Sie das deutsche Team bei der EM als Kapitän anführen?

Ballack: Da muss man vorsichtig sein. Fußball ist kein Wunschkonzert. Ich habe schon gesehen, dass die Mannschaft auch ohne mich guten Fußall spielt. Auch nach mir geht der Fußball weiter. Und es geht gut weiter. Das war bisher bei jedem Fußballer so. Das weiß ich. Aber trotzdem: Ich will noch einmal dabei sein, wenn ich die Leistung bringe und das Niveau, das man braucht, um in der absoluten Spitze zu spielen.

Interview: tg, ah, ck

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