Kritik von Red Bull

Baustelle Jugend: So plant Bayern wirklich

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Seit September baut der FC Bayern das neue Leistungszentrum. Im kommenden Jahr soll alles fertig sein.

München - Wie wichtig dem FC Bayern seit einiger Zeit das Thema Nachwuchsförderung ist, ist kein Geheimnis. Karl-Heinz Rummenigge hatte im Sommer 2014 nach dem EM-Titel der U19 des DFB ohne einen Spieler des FCB „Vollgas“ im Jugendbereich angekündigt.

Dann kam Uli Hoeneß 2015 als Assistent der Abteilungsleitung des Junior Teams dazu. Der Öffentlichkeit ist seitdem zwar der Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrum bekannt, dazu auch die Verpflichtung zahlreicher Talente aus der Region – doch wie die Bayern ihre Stars von morgen im Detail fördern wollen, weiß kaum einer. Die tz verrät es.

Eines steht dabei über allem: Geduld. „Talente brauchen Zeit, um sich entwickeln zu können“, sagt Dr. Karsten Schumann. Der Sportwissenschaftler ist nicht nur Experte für Leistungssteuerung und Leistungsentwicklung im Fußball am Institut für Fußballmanagement, sondern auch wissenschaftlicher Mitarbeiter des FC Bayern. In der Öffentlichkeit, wenn er denn mal in Erscheinung tritt, besser bekannt als Schattenmann von Sportvorstand Matthias Sammer. Er ist mit dafür verantwortlich, die anspruchsvollen Pläne der Bosse umzusetzen. Wie wichtig dem Verein das Thema Nachwuchs ist, zeigt die Präsenz der Münchner bei der 1. Expertentagung zur Talentförderung im bayerischen Fußball, die das Institut für Fußballmanagement in Ismaning veranstaltet hat. Neben Schumann war auch Junior-Team-Abteilungsleiter Wolfgang Dremmler anwesend, ebenso wie Chefscout Timon Pauls und Peter Wenninger (Sportlicher Leiter U9-U15).

"Training muss Spaß machen"

„Wir müssen den Kindern Spielfreude vermitteln“, erklärt Schumann: „Das Training muss Spaß machen, es darf keine Belastung werden. Ab der U9 beginnt beim FCB die Talentförderung, bis in den Profibereich schaffen es nur die wenigsten. Starre Systeme gibt es in den Jugendteams der Roten nicht, dafür eine Spielphilosophie. „Wir haben eine klare Idee, wie wir mit und gegen den Ball spielen wollen. Die Taktik wird dabei nicht vorgegeben, die obliegt alleine dem Trainer“, verrät Schumann, betont aber, was für alle Teams unabdinglich ist: „Ohne die FCB-DNA lebt unsere Spielphilosophie nicht.“ 

Die Bayern legen in der Entwicklung ihrer Talente großen Wert auf die Organisation der individuellen Leistungsentwicklung, Disziplin und Siegermentalität sowie die Ausbildung ihrer Trainer. Der FCB hat seine U-Mannschaften in drei Sektionen unterteilt: Den Grundlagenkader (U9-U12), in dem die Kinder vorrangig spielen sollen. Den Entwicklungskader (U13-U16), wo es um die Spezialisierung der Talente geht. Und den Anschlusskader (U17, U19, U23), wo die Individualisierung und die Professionalisierung im Vordergrund stehen. „Wir brauchen altersgemäße Inhalte, sonst haben wir am Ende unfertige Talente“, betont Schumann. Das Ziel der Münchner ist klar. „Wir orientieren uns an Welt-Spitzenleistung“, so Schumann. Etwas anderes zählt nicht nach dem Selbstverständnis des Rekordmeisters. Und Dremmler betont: „Der FC Bayern steht für gute Jugendarbeit. Wir richten uns nach uns, nicht nach anderen und werden in den nächsten Jahren aggressiver auf dem Markt auftreten.“ Vor allem im bayerischen Raum, was kürzlich der FC Augsburg erleben musste.

Außerhalb Münchens gibt es dafür aber nicht Zuspruch. „Ich sehe extrem gefährliche Tendenzen“, meinte RB Salzburgs Nachwuchskoordinator Ernst Tanner, der auch schon im Jugendbereich bei 1860 tätig war. „Wenn es in Bereiche geht, schon in der U13 Spieler und Eltern zu bezahlen, dann ist das nicht gut“, sagt Tanner. Auch in Zukunft werden die Talentförderung und ihre Methoden für Gesprächsstoff sorgen – für Institutsleiter Prof. Dr. Florian Kainz und den Fachlichen Leiter für Talentförderung Alexander Schmalhofer ein Grund, auch künftig auf Expertenrunden zu setzen. „Es ist die Philosophie unseres Instituts, mit unseren wissenschaftlichen Daten auf die Vereine zuzugehen. Dieser Austausch ist wichtig – nicht nur für uns“, so Schmalhofer, während Kainz ergänzte: „Das Feedback war super, wir haben sogar schon Anregungen von Vereinsvertretern für künftige Themen bekommen.“

So sieht's beim Nachwuchszentrum aus

Es geht voran! Im September 2015 rollten die ersten Bagger an, der Grundstein wurde am 16. Oktober gelegt, seither ist einiges passiert auf der Baustelle des Nachwuchs­zentrums des FC Bayern an der ­Ingolstädter Straße. Fertiggestellt soll das Projekt 2017 werden, die Häuser des Internats und der ­Verwaltung wachsen schon in die ­Höhe. Das NLZ umfasst das Jugend-Internat, eine Multifunktionshalle, ­einen Basketballplatz, ein Klubhaus mit Fanshop sowie ein Stadion, das 2500 Zuschauern Platz bieten soll.

 

Quelle: fussball-vorort.de

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