Stimmung prächtig

Die Bayern vor der Auslosung: Keine Angst vor niemandem

Jäger und Gejagter: Lewandowski und Müller liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen – feiern aber gemeinsam.

Kurz vor der Achtelfinal-Auslosung geben sich die Bayern gelassen wie lange nicht. Auch Karl-Heinz Rummenigge blickt optimistisch in das nächste Jahr.

Vier Spieler trifft es immer. Beim letzten Auswärtsspiel in London musste unter anderem Manuel Neuer ran. Der Keeper war damals der tragische Held und sprühte nicht gerade vor Lust. In der Nacht zum Donnerstag aber hatten alle Autogrammjäger Glück. Am Signier-Tisch im Nebenzimmer des noblen „Emerald Ballroom“ des Esplanad-Hotels von Zagreb hatte neben Jan Kirchhoff, Sebastian Rode und Kingsley Coman Robert Lewandowski Platz genommen. Bestens gelaunt und mit viel Durchhaltevermögen.

Im Gegensatz zu Neuer in London genoss der Pole seinen Auftritt. Er lachte in diverse Kameras, unterschrieb alles, was ihm unter die Nase gehalten wurde. Er hatte ja auch nicht wie der Keeper mit einem Patzer für die einzige Niederlage der Bayern in der Gruppenphase gesorgt – sondern mit einem Doppelpack für die beste Statistik, die für den Rekordmeister in einer Vorrunde je zubuche stand. 15 Punkte, 19:3 Tore, von denen allein sechs Lewandowski selbst geschossen hat. Die Stimmung war prächtig, und irgendwie wurde der Abend, an dem es eigentlich um nichts mehr gegangen war, zu einem ausgelasseneren als zunächst angenommen.

„Wir haben große Ziele“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, als er um kurz vor Mitternacht ans Mikrofon trat. Wohl nicht nur das Ambiente, das trotz der hohen Maßstäbe bei Europapokal-Trips der Bayern besonders edel anmutete, dürfte ihn zu der Aussage „hoffen wir auf viele weitere schöne Reisen in der Champions League“ gebracht haben. Zwar war das 2:0 der B-Elf gegen Dinamo Zagreb (abgesehen von Lewandowskis Einzelleistung und dem Startelf-Comeback von Franck Ribery) nicht unbedingt ein Spiel voller Glanzpunkte. Die Gesamtbilanz am Ende des Abends aber stimmte. Pep Guardiola, der mit dem 50. Champions League-Sieg und 100. Erfolg überhaupt mit den Bayern gleich ein doppeltes Jubiläum feierte, sprach von einer „Wahnsinnsgruppenphase“. Und das meinte er auch so.

Bayern siegt in Zagreb - Note eins für den Matchwinner

So gelöst wie auf dem Bankett in Zagreb hat man den Katalanen selten gesehen. Über die teils mäßige Leistung konnte man mal hinwegsehen. Der Blick ging voraus. Auf die letzten drei Spiele vor der Winterpause (gegen Ingolstadt, in Hannover und im Pokal gegen Darmstadt), in denen man laut Lewandowski „alles geben“ müsse, „was wir noch haben“; auf die 25 Millionen Euro Prämien, die die UEFA schon jetzt sicher an die Bayern überweisen muss (damit ist man deutscher Krösus); und auf die Auslosung des Achtelfinals, die am Montag in Nyon stattfindet.

„Ich hoffe, dass wir ein schönes, nicht allzu schweres Los erzielen“, sagte Rummenigge in der Hoffnung „optimistisch in das nächste Jahr“ schauen zu können. Möglich ist immerhin ein Gegner wie Paris St. Germain, auch Juventus Turin, der AS Rom oder Benfica Lissabon sind im zweiten Lostopf, aus dem der Bayern-Kontrahent gezogen wird. Philipp Lahm gab sich gelassen, „weil wir gegen jeden Gegner Favorit sein werden und eine Runde weiterkommen wollen“. Thomas Müller nahm es ähnlich locker: „Ich habe jedes Jahr gesagt, mir ist es egal, und das habe ich gesagt, weil es die Wahrheit ist.“

Der 26-Jährige war der Einzige, der Oktopus-Carpaccio und Rib-Eye-Steak mit ein wenig Ärger verspeiste. Denn sein verschossener Elfmeter kurz vor Schluss war für das Team zwar unbedeutend, für ihn aber nicht. „Das ist nie gut“, sagte er, wohlwissend, dass Lewandowski beim nächsten Strafstoß ein paar mehr Argumente als möglicher Schütze aufweisen kann.

Schon den Elfmeter in Zagreb hätte der Torjäger gerne schießen wollen. Ein Hattrick in der Königsklasse hätte zu seiner Hinrunde mit ohnehin schon 22 Treffern ganz gut gepasst. Aber auch so kann sich die Ausbeute von 30 Toren in 46 Spielen der Königsklasse sehen lassen. „Ich freue mich sehr“, sagte er: „Wir haben alles geschafft, was wir geplant hatten.“ Damit meinte er wohl auch sich selbst.

„Gut spielen, kämpfen und Spaß haben“ möchte Lewandowski auch morgen gegen den FC Ingolstadt. Die Vorbereitung auf das kleine Derby hat mit einem Training gestern Vormittag noch in Zagreb begonnen. Allerdings mit zuvor wenig Schlaf bei einigen Beteiligten. Guardiola etwa ließ den Abend nach ein Uhr mit einem gemeinsamen Foto mit der Gattin seines Dinamo-Trainerkollegen Zoran Mamic ausklingen. Ein gelungener Schlusspunkt. Nur für ein Autogramm von Lewandowski war es auf dem Weg ins Bett dann doch schon zu spät.

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