Guardiolas Verhalten an der Linie

Darf Pep alles? Das sagt der Schiri-Experte

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Pep Guardiola verfolgte den Schiedsrichter-Assistenten Markus Häcker bis zur Eckfahne.

München - Gegen Schalke unternahm Bayern-Trainer Pep Guardiola einige Ausflüge aus seiner Coaching-Zone - ein Verhalten, das eigentlich mit Sanktionen belegt wird. Ein Experte für Schiedsrichterei nimmt Stellung.

Und plötzlich war Pep Guardiola da, wo ein Trainer nicht hingehört: an der Eckfahne, wo er auf Markus Häcker, den Linienrichter, einredete. Der hatte entschieden: Kein Tor für den FC Bayern (Lewandowski wäre der Schütze gewesen), nur Ecke. Guardiola reklamierte erst, dann schüttelte er Häcker die Hand und ging zurück in seinen Coaching-Bereich. Sekunden später die nächste Trainer-Auffälligkeit anlässlich des Münchner Spiels gegen Schalke: Die Ecke bringt das 1:0 durch Arjen Robben, Guardiola jubelt Robert Kempter an, den vierten Offiziellen, und fällt ihm auch noch um den Hals.

"Guardiola hat Glück gehabt"

Dazu die Fragen: Hat Guardiola mit seinem Verhalten Regeln gebrochen oder Grenzen überschritten? Hat er provoziert? Gehört er bestraft? Oder ist es so, dass er alles darf? Gilt für den Bayern-Coach eine weniger strenge Auslegung als für seine ebenfalls extrovertierten Berufskollegen Torsten Lieberknecht, Christian Streich, Jürgen Klopp oder etwa für den Augsburger Manager Stefan Reuter, der am Sonntag auf die Tribüne geschickt wurde, nachdem er wegen eines Mainzer Fouls („Der Ellbogen von Szalai im Gesicht von Klavan, der sonst nie umfällt“) reklamiert hatte?

Eine unabhängige Instanz für die Bewertung solcher Vorfälle sind „Collinas Erben“. Der Publizist Alex Feuerherdt aus Köln, selbst seit 1985 Schiedsrichter, zudem in der Ausbildung und Beobachtung tätig, ist einer der Gründer von Deutschlands einzigem Podcast zu Schiedsrichter- und Regelthemen, häufig wird er auch von Fernsehsendern konsultiert. Alex Feuerherdt findet: „Guardiola hat Glück gehabt, dass er nicht auf die Tribüne verwiesen wurde, denn seine Kompetenzen hat er weit überschritten.“ Andererseits: Es lag „im Spielraum des Schiedsrichters“, dass er Peps Ausflug durchgehen ließ.

„In den Regeln ist festgelegt, wer sich in der sogenannten Technischen Zone aufhalten und dass sie nur in Ausnahmefällen verlassen werden darf. Etwa durch den Arzt und die Physiotherapeuten, wenn sie wegen eines verletzten Spielers vom Schiedsrichter dazu aufgefordert werden“, erklärt Collina-Erbe Feuerherdt. „Es gibt jedoch keine ausdrücklichen Bestimmungen über Sanktionen“, wenn jemand ausbüchst wie Guardiola mit seinem Sprint zur Eckfahne.

Nachträgliche Strafe ist unwahrscheinlich

Ist das geschehen wie am Dienstagabend in München, „dann überlegen die Schiedsrichter in Sekundenschnelle: Wie regeln wir es? Kommt noch eine aufreizende Geste nach oder ein hasserfüllter Blick? Welche Wirkung hätte ein Platzverweis? Würde das Spiel eskalieren?“ Guardiola ging unbestraft zurück zu seiner Bank – dann fiel das 1:0. War sein folgender Jubel direkt vor dem Vierten Referee eine Unverschämtheit? Ein Einzelbild könnte es suggerieren, auch ein Mini-Filmchen wie auf der Internet-Plattform Vine. Für Alex Feuerherdt stellt sich die Szene in der Gesamtbetrachtung als nicht schwerwiegend dar. Er findet, der Vierte Offizielle habe sich „gut verhalten, gelassen und trotzdem unmissverständlich“ Distanz eingefordert. Bibiana Steinhaus, die Schiedsrichterin, der Guardiola vor einige Monaten in Mönchengladbach den Arm um die Schultern legen wollte, war brüsker gewesen. Guardiola sagte ironisch nach dem Schalke-Spiel: „Der vierte Offizielle und ich, wir sind Freunde. Mit der Kollegin in Mönchengladbach hätte ich auch gerne so gejubelt.“

Eine nachträgliche Bestrafung braucht Guardiola, so Feuerherdts Einschätzung, nicht zu befürchten, für möglich hält er, „dass auf der informellen Ebene die Schiedsrichter-Kommission zum FC Bayern sagt: ,Passt mal auf euren Trainer auf.’“

Günter Klein

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