Bayerns neuer Brasilianer gibt schon Vollgas

tz-Highspeed-Interview: Auf die Plätze, fertig, Costa!

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Bayerns ­Douglas Costa.

München - Er ist erst seit drei Wochen da, doch Douglas Costa hat sich schon jetzt in die Startelf des FC Bayern gespielt – im Rekordtempo. Genauso schnell, wie er auf dem Rasen an seinen Gegenspielern vorbeizieht. Das tz-Interview.

Der 24-Jährige befindet sich derzeit auf der Überholspur. Im Highspeed-Interview mit der tz spricht der Neuzugang über seine Schnelligkeit, sein Idol der Kindheit und die deutsche Sprache.

Herr Costa, auf dem Platz geht bei Ihnen nichts mit angezogener Handbremse. Sind Sie auch privat stets mit Volldampf unterwegs?

Costa: Ehrlich gesagt nicht, da lasse ich es gern etwas ruhiger angehen. Damit ich dann auf dem Platz durchstarten kann.

Wie schnell sind Sie denn morgens im Bad?

Costa: Sie werden es kaum glauben, aber da bin ich einer von der langsamen Sorte.

An den Haaren wird es wohl kaum liegen…

Costa (lacht): Stimmt, ich habe ja kaum welche. Nein, ich lasse mir einfach gern Zeit.

Noch eine Disziplin, in der Sie nicht unbedingt der Schnellste sind?

Costa: Morgens brauche ich schon auch die ein oder andere Minute, um ganz auf der Höhe zu sein.

Morgenmuffel also.

Costa: Es kommt auf den Tag an. Aber dafür esse ich ziemlich zügig.

Die Ernährungsberaterin wird das nicht gerne hören…

Costa: Ich verschlinge jetzt nicht die Mahlzeiten, aber ich bin eben keiner von der Sorte Genießer.

Und beim Autofahren? Überholspur wie auf dem Feld oder lieber 30er-Zone?

Costa: Früher fand ich schnelle Flitzer schon ganz nett, heute bin ich eher ruhig unterwegs.

Sie können es ruhig zugeben, wir sind hier schließlich unter uns.

Costa: Natürlich. (lacht) Ob Sie es glauben oder nicht: Im Straßenverkehr bin ich zurückhaltend.

Schon geblitzt worden?

Costa: Nie. Ehrenwort.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein paar PS mehr unter der Haube haben als Ihre Mitspieler?

Costa: In der Jugend schon. Ich war früher ein recht dürrer Typ, was bei Zweikämpfen nicht gerade von Vorteil war. Dafür bin ich ihnen dann davongerannt.

Ihre größte Waffe?

Costa: Ohne Zweifel. In Brasilien haben mich die Trainer deswegen auch die ganze Zeit den Flügel raufgejagt, aber das ist nicht alles im Fußball. In der Ukraine habe ich gelernt, dass auch Verteidigen dazugehört und wie man das richtig macht.

Erst vor, dann zurück. Und das über 90 Minuten. Klingt anstrengend.

Costa: Ist es auch. Aber ich mache das mein ganzes Leben. Und trainiere dafür. Dann geht es schon.

Also legen Sie auch Extraschichten ein?

Costa: Normal schon, im Moment muss ich diese Zeit aber für die Häusersuche opfern. Aber ich verspreche, es danach nicht schleifen zu lassen. Allein schon, um Verletzungen vorzubeugen.

Ist Schnelligkeit womöglich die wichtigste Fähigkeit heutzutage im Fußball?

Costa: Für mich ist Schnelligkeit alles. Ich lebe von ihr. Ob es insgesamt die wichtigste ist, weiß ich nicht. Der Fußball lebt von Schnelligkeit, Technik und vielen weiteren Komponenten. Aber sie hilft mir dabei, Tore vorzubereiten und Verletzungen zu umgehen.

Tatsächlich? Bekommen es schnelle Spieler nicht besonders dick ab?

Costa: Das stimmt. Die Gegner kommen meistens zu spät und erwischen dann meine Beine anstelle des Balls. Ist natürlich nicht immer angenehm, aber gehört dazu.

Wie schnell lernen Sie jetzt eigentlich Deutsch?

Costa (lacht): Das könnte wohl Zeit in Anspruch nehmen.

So schwer?

Costa: Also einfach ist die Sprache nicht. Aber ich gebe mein Bestes. Es geht schon irgendwie. Aber die Verständigung mit den übrigen Spielern klappt auch so sehr gut.

Wie oft nehmen Sie Unterricht?

Costa: Eine Stunde pro Tag. Meistens nach dem Training.

Die meisten Brasilianer hatten ein Idol. Hand aufs Herz: Wer war Ihres?

Costa: Ronaldinho.

Der war jetzt aber nicht unbedingt für seine Schnelligkeit bekannt.

Costa: Aber hat wie ich bei Gremio gespielt.

Haben Sie Ihre Zeit auf hundert Meter schon einmal gestoppt?

Costa: Noch nicht.

Usain Bolt lief sie in 9,58 Sekunden.

Costa: Das kriege ich nicht ganz hin.

Vielleicht ja seine Durchschnittsgeschwindigkeit.

Costa: Die wäre?

43,56 Sachen die Stunde.

Costa: Mit dem Auto krieg ich das hin. Sogar noch schneller! (lacht)

Seine schwere Zeit in der Ukraine

Fünfeinhalb Jahre stand Douglas Costa in Donezk unter Vertrag, ehe er im Sommer zum FC Bayern wechselte. Mit Schachtjor feierte er viele Erfolge, wurde unter anderem fünf mal Meister. Doch der 24-Jährige erlebte in dieser Zeit auch Dinge, denen die meisten Profis während ihrer Karriere – zum Glück – nicht ausgesetzt sind. Der Krieg in der Ostukraine zwang die Mannschaft, Donezk zu verlassen. Vor rund einem Jahr zog das Team nach Kiew um, weil das Trainingszentrum und ihr Stadion bei den Kämpfen schwer beschädigt wurden. „Natürlich war es schwierig“, erinnert sich Costa im Gespräch mit der tz an diese Zeit. „Man hat die ganzen armen Menschen und ihr ganzes Elend gesehen.“

Vergangenen Sommer war Costa einer von fünf Brasilianern bei Schachtjor, die es ablehnten, nach dem Urlaub zurück in die Ukraine zu kehren. Mit größter Mühe konnte ihn der Verein von einer Rückkehr überzeugen. „Ich stand in ständigem Kontakt mit meiner Familie. Sie hatte die Gewissheit, dass ich in einer anderen Stadt und damit fern der Gefahr war“, berichtet er. Einfach war das vergangene Jahr für ihn trotzdem nicht.

Interview: Jose Carlos Menzel Lopez

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