Kämpfen macht auch glücklich

Bayerns Repertoire ist jetzt noch größer

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Die Bayern-Familie feiert ihren Auftritt in Dortmund.

München - Die Erkenntnis aus dem gewonnenen Gipfel in Dortmund: Die Bayern haben vor dem Pokalhit in Leverkusen ihr Repertoire erweitert.

Es war ein langes Wochenende nach dem Spiel der Bayern in Dortmund. Zwei Osterfeiertage, voll mit Nachbetrachtungen. Auf allen Kanälen, man konnte nicht mehr ausweichen. Schon gar nicht Reiner Calmund, dessen Figur noch raumgreifender geworden ist und für den, da er nicht mehr aufhören mag zu reden, Sky900 das ideale Format wäre (statt Sky90, dem Eineinhalbstünder, der jeden Spieltag beschließt). Calmund pilgerte am Sonntagabend gleich weiter zum Bayerischen Fernsehen, um auch dort seine Wertung abzugeben. Es dürfte folglich niemandem entgangen sein, dass a) Pep Guardiola seinen Dortmunder Trainer-Widersacher Jürgen Klopp wieder mal taktisch ausgetrickst hat und folglich der Größte ist und b) dass die Bayern als Familie funktionieren, so wie die Spieler einander angehimmelt haben nach dem 1:0-Sieg in Dortmund und dem von Tränen des allseitigen Glücks umflorten Comeback von Mittelfeldspieler Thiago.

Sammer schwärmt: "Völlige Überzeugung, Herz, Leidenschaft, Disziplin"

„Auch wenn man kein Bayern-Fan ist“, hatte schon Thomas Helmer, der Ex-Bayern-Spieler, der jetzt Fernsehmoderator ist, im Debattierclub „Doppelpass“ gesagt, „muss man einräumen, dass Guardiola was auf dem Kasten hat“. Immer wenn man glaubt, die Münchner seien angeschlagen und für die Dortmunder zu packen, packt Pep eine Überraschung aus. Das war im Pokalfinale im Mai 2014 so und nun eben auch im Westfalenstadion. Aufgrund des Mangels an schnellen Spielern mit Stärken auf den Flügeln (Ribery, Robben, Alaba) richtete er seine Mannschaft aus wie noch nie: geballt defensiv, mit einer Armada aus Sechsern (Schweinsteiger, Alonso, Lahm), einer Hünen-Combo dahinter (Benatia, Boateng, Dante). Die Bayern hatten lediglich 51 Prozent Ballbesitz, das war alles grundlegend gegen Guardiolas Philosophie. „Ich muss mich der Qualität meiner Spieler anpassen“, sagte der Coach entschuldigend.

Doch die Spieler empfanden es nicht als Belastung, dass sie abseits gewohnter Systematik auftreten mussten. Kämpfen, Bayern, kämpfen! Robert Lewandowski, der Siegtorschütze, bestritt mehr Zweikämpfe (62), als er sonst Ballkontakte hat, und Thomas Müller fand es „geil, wie wir mit allen das Ergebnis gehalten haben“. Im Fernsehstudio sagte Reiner Calmund ergriffen, „dass Müller den Geist der Mannschaft ausdrückt, das gefällt mir super“, und er verwies auf die Bilder nach dem Abpfiff: Wie Lahm und Guardiola sich in den Armen lagen, Co-Trainer Torrent und Sportvorstand Sammer dazustießen. „Völlige Überzeugung, Herz, Leidenschaft, Disziplin“, das alles las er heraus aus diesem Spiel und den Szenen danach.

Zur bayerischen Harmonielehre passt auch, was Matthias Sammer sagt: „Den Spielern, die ausfallen, gehört unsere Liebe und Zuneigung – aber auch dem Kader, den wir jetzt haben.“

Fünf Mal die 2, zwei Mal die 4! Bilder und Noten zu Dortmund - Bayern

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Zu dem gehören nun wieder Philipp Lahm (Sammer: „Als Kapitän das Regulativ der Mannschaft“) und Thiago. Der Brasil-Spanier ist zurück nach 371 Tagen. Nur gut 20 Minuten wirkte er mit, holte aber den (späten) ersten Eckball des gesamten Spiels heraus und bewegte sich so stimmig, dass ihm von den Fans gleich messianisch gehuldigt wurde. Experte Calmund sah „drei, vier Fußballzuckerstückchen“. Thiago drückte sich nach seinem Comeback an die Brust von Torwart Manuel Neuer, verließ das Spielfeld mit hohem Wasserstand in den Augen, und als er die Kabine betrat, wurde er von den Kollegen mit Sprechchören gefeiert. „Dass Thiago wieder da ist, ist mir wichtiger als der Sieg“, sagte Guardiola.

Das erweitert seine Optionen für das DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) in Leverkusen. „Da ist Pfeffer drin, da geht es auch ein bisschen um die Eier“, erahnt Thomas Müller schon den Charakter dieses Spiels. Auch wenn die Vorstellung in Dortmund „nicht unser neuer Masterplan ist“ – sie ist nun Bestandteil des Repertoires.

Reiner Calmund, dem langjährigen Manager von Bayer Leverkusen, käme es nicht gelegen, die Bayern am Mittwoch so defensiv stabil und rustikal zu erleben. „Es ist eh schon schwer genug, die Abwehr mit Manuel Neuer zu knacken.“ Seine Bitte daher an die Münchner: beherzt angreifen – und sich von den schnellen Leverkusenern auskontern lassen.

Günter Klein

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