"Akribische Arbeit"

Bayern-Frauen: Keinen Bock mehr auf Platz vier

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Karin Danner hat die Champions League jetzt fest im Visier

München - Der Höhenflug der Bayern-Frauen speist sich aus enormer Willenskraft – nur der Doppelpass mit der Stadt München könnte optimiert werden.

Eigentlich stand alles auf der Kippe. Um 9 Uhr früh sah es so aus, als müsste das Duell der Bayern-Frauen mit dem VfL Wolfsburg abgesagt werden. Der Rasen des Grünwalder Stadions leuchtete schneeweiß, es mussten extra Schneeschaufeln von der Säbener Straße her, und dann hieß es: kollektives Räumen.

„Es war das Top-Spiel der Ersten Bundesliga, hätten wir das absagen müssen, wäre es eine Katastrophe gewesen“, sagt Karin Danner. 2700 Fans waren zur Partie angereist, allein schon die vor verschlossenen Türen zu sehen, hätte für verständlichen Ärger gesorgt. Zudem buhlt der Frauen-Fußball darum, seriös und professionell wahrgenommen zu werden. Eine Absage wegen ein bisschen Schnee, der in München im Februar eigentlich keinen auf dem falschen Fuß erwischen sollte, hätte die Ambitionen untergraben. Und dabei trug der FC Bayern an der Sache gar keine Schuld.

Managerin Karin Danner wird dem Sportamt der Stadt München da eine Mail schreiben. „Das ist einfach nicht glücklich gelaufen, das wird man dann auch mal sagen dürfen“, meint sie. Der Grund des Ärgers: Die Rasenheizung lief zwar über Nacht, offensichtlich aber wären ein paar Stufen höher angebracht gewesen. „Ich sage nichts, wenn es plötzlich in einer Stunde 30 Zentimeter herhaut, aber der Wetterbericht über Nacht war ja bekannt“, so Karin Danner. Dass überhaupt gespielt werden konnte, ist am Ende nur ein Teilerfolg gewesen: Trotz aller Mühen war der Untergrund nach dem Versäumnis seifig und schmierig – und eines Spitzenspiels unwürdig.

Während der Doppelpass mit der Stadt optimiert werden könnte, hält der Höhenflug der Münchnerinnen an. Nach dem 0:0 gegen den Tabellenführer hatte Bundestrainer Silvia Neid erklärt, sie traue den Bayern die Meisterschaft zu, das hat Karin Danner gefallen: „Auch Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann hat ja gesagt, er hat uns bis zum Schluss auf dem Zettel, und es ist doch schön, wenn man Lob von so hohen Stellen bekommt.“ Nach dem großen Umbruch im Sommer wäre es vermessen gewesen, den Titel als Zielvorgabe zu nennen, jetzt, als Tabellenzweiter sieben Spieltage vor Schluss, ist auf jeden Fall die Champions League fest im Visier. Der Vizemeister darf in Europas Elite starten. „Wir werden diesen zweiten Platz mit allem, was wir haben, verteidigen“, sagt Karin Danner. „Wir haben alles in unserer Hand, und wenn am Ende die Meisterschaft rausspringt, sagen wir natürlich Danke.“

Der Schlüssel des Höhenflugs ist für Karin Danner „die akribische Arbeit“ des Trainer-Stabs um Thomas Wörle – und der große Wille im Kader. Seit Jahren haben die Bayern den Platz hinter den Top 3 der Liga gepachtet, „aber die Spielerinnen, die bei uns geblieben sind, haben genug davon, immer um Platz vier zu spielen, und die, die wir geholt haben, sind nicht gekommen, um nur um Platz vier zu spielen.“

Die Rückkehr von Kapitänin Melanie Behringer war ein wichtiger Baustein, und mit der Verpflichtung von Sara Däbritz zum Sommer wird der Weg fortgesetzt. „Sie passt ins Profil, sportlich wie menschlich“, sagt Karin Danner. Die Nationalspielerin kommt aus Freiburg, Sie ist noch so eine, die echten Ehrgeiz hat. Keinen Bock mehr auf Platz vier, lautet das Münchner Motto. Platz vier steht im Sport für Blech – der FC Bayern will aber für Gold stehen. Eigentlich auch für sattes Grün, doch das ist in diesem Fall eine Baustelle der Stadt München.

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