Nach Martinez-Schock

Dem FC Bayern gehen die Eckpfeiler aus

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Der Moment, den alle verfluchen: Martinez wusste sofort, was Sache ist.

München - Javi Martinez fehlt sechs Monate und löst Alarm beim Rekordmeister aus: Braucht Bayern noch Spieler?

Es ist ein Jahr her, da traf Pep Guardiola auf dem Flug von Basel nach München eine unerwartete Entscheidung. Der FC Bayern hatte gerade 1:1 beim SC Freiburg gespielt, das war schon enttäuschend. Was aber noch hinzu kam: Bastian Schweinsteiger hatte sich am Knöchel verletzt und drohte für das Spiel um den europäischen Supercup eine Woche darauf in Prag auszufallen. Die Spieler gingen Guardiola aus – also ließ der Bayern-Trainer die lange geplante und längst terminierte Leisten-Operation bei Javi Martinez kurzerhand absagen. Er brauchte ihn.

Nach der Landung in München wurden die Ärzte informiert. Und Guardiola hatte mit seinem Schachzug ein glückliches Händchen bewiesen: Martinez, der in der zweiten Halbzeit gegen den FC Chelsea eingewechselt wurde, war der entscheidende Mann auf dem Platz. Er köpfte den Ausgleich, er war am Ende seiner Kräfte – aber er gab alles. Und siegte.

Was würde Guardiola wohl im Moment geben, diesen Handlungsspielraum wieder zu haben? Der Bayern-Coach sah schon sehr geknickt aus, als er nach dem 0:2 im Supercup durch die Katakomben des Dortmunder Signal-Iduna-Parks schlurfte. Er hatte das erste Finale der Saison verloren, aber das war ihm vollkommen egal. „Die Verletzung von Martinez ist viel schlimmer“, sagte er, ahnend, was am Tag darauf Gewissheit wurde: Kreuzbandriss beim 25 Jahre alten Defensivmann, mindestens sechs Monate Pause. Die Operation, die nun in Vail/USA beim Spezialisten Richard Steadman ansteht, ist nicht verschiebbar.

„Das ist einfach bitter“, kommentierte Teamkollege Arjen Robben. Martinez selbst gab sich zwar kämpferisch und sagte: „Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen – ich werde noch stärker zurückkommen.“ Man sah dem Spanier, als er am Donnerstagmorgen auf Krücken aus der Praxis von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfart kam, aber deutlich an, wie es in ihm aussieht. Die Saison, die seine erste sorgenfreie beim FC Bayern werden sollte, ist für den 40-Millionen-Mann vorbei, bevor sie überhaupt los geht.

Martinez war fit wie selten zuvor, das frühe WM-Aus Spaniens gab ihm die Möglichkeit, zum ersten Mal seit Jahren richtig zu regenerieren. Seit seinem Wechsel nach München hatte er fast durchgespielt. EM, WM, U 21-EM, Confed Cup – er hatte nichts ausgelassen. Heuer war er von Beginn der Vorbereitung an dabei, wirkte agil, war der Schlüsselspieler in der Dreierkette, die Guardiola derzeit einstudieren lässt. „Javi war in dieser Vorbereitung überragend“, sagte sogar der Coach, der im Laufe der letzten Saison (nach dem Supercup-Finale und anschließender OP) nicht häufig auf Martinez gesetzt hatte.

In der Dreierkette können ihn nun Jerome Boateng oder Dante ersetzen – aber braucht man angesichts der Verletzten-Misere und der nach wie vor müden Weltmeister immer noch keine neuen Spieler?

Guardiola hatte trotz der Ausfälle von Rafinha, Thiago und Franck Ribery bis zuletzt betont, keine Neuverpflichtungen tätigen zu wollen. Als die Gewissheit da war, gerade Mal 18 Stunden, nachdem Martinez in Dortmund mit Marcel Schmelzer kollidiert war, hatten sich die Bosse aber trotzdem schon zu einem Krisengipfel versammelt. Nach dem Abschied von Toni Kroos (30 Millionen Euro) und Mario Mandzukic (22) nach Spanien wäre genug Geld vorhanden, um vor Transferschluss Ende August doch noch einmal aktiv zu werden. Diego Godin von Atlético Madrid und Raphael Varane von Real Madrid wären mögliche Kandidaten als Martinez-Ersatz – und Guardiola hat die freie Wahl.

„Ob wir jetzt noch tätig werden, ist ja nicht unsere Entscheidung“, wurde Arjen Robben bei „Sport1“ zitiert. Das stimmt. Sie obliegt ganz alleine Guardiola. Er trägt das Risiko. Und ist bekannt dafür, manchmal unerwartete Entscheidungen zu treffen.

Hanna Schmalenbach

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