Bayern vs. Gladbach: Der Kampf der Systeme

Pep trifft auf Favre: Taktik-Experte erklärt das Duell

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Bayern-Trainer Pep Guardiola (l.) und Gladbach-Coach Lucien Favre beim Shake-Hands.

München - Ballbesitz gegen Raumdeckung, Offensivspektakel gegen Verteidigungskunst – Bayern-Trainer Pep Guardiola und Gladbach-Coach Lucien Favre könnten nicht unterschiedlicher sein.

Es wird mehr als nur das Topspiel des 26. Spieltags, wenn der FC Bayern heute (17.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker) Borussia Mönchengladbach in der Allianz Arena empfängt. Während den Münchnern die Meisterschaft kaum mehr zu nehmen ist, macht Gladbachs Trainer Lucien Favre Pep Guardiola einen anderen Titel streitig. Denn genau wie Pep gilt der Schweizer als ausgewiesener Fußball-Fachmann mit Liebe zum Detail. Pep oder Favre – wer ist der größere Taktikfuchs? Wie schon beim 0:0 im Hinspiel wollen die Fohlen die Roten wieder ärgern. Es wird ein Kampf der Systeme.

Ballbesitz gegen Raumdeckung, Offensivspektakel gegen Verteidigungskunst – beide Trainer könnten nicht unterschiedlicher sein. „Beide definieren sich sehr stark über die Taktik“, sagt Tobias Escher der tz, „aber haben einen völlig verschiedenen Fokus.“ Der Taktik-Experte von spielverlagerung.de erklärt: „Guardiola steht für Ballbesitz. Er passt seine Formation ständig dem Gegner an und überlegt sich, wie seine Mannschaft ihr Spiel am besten durchdrücken kann. Favre denkt dagegen etwas defensiver. Er setzt meist auf die gleiche Formation, richtet seine Spieler aber immer anders aus. Auch er passt sich da dem Gegner an.“

Taktik-Tüftler Guardiola trifft also auf einen Gleichgesinnten. Drohen sich beide Teams also im Spiel zu neutralisieren? „Nein“, glaubt Escher und verrät Peps große Stärke: „Er überlegt sich vor dem Spiel nicht nur eine Variante, sondern mehrere. So kann er während der Partie sofort reagieren. Pep ist ein echter Ideenmeister.“ Für das Duell gegen den Tabellendritten muss er sein Hirn auf Hochtouren bringen. Denn im Hinspiel hatte Favre eine Variante parat, auf die der Spanier keine Antwort fand. Aber diesmal weiß Pep, was ihn erwartet: Ein Gegner in einem kompakten 4-4-2-System. „Favre spielt fast immer mit dieser Formation. Doch selbst im gleichen System lassen sich deutliche Unterschiede aufzeigen. Mal stehen die beiden Viererketten sehr breit, dann wieder sehr eng. Die offensiven Außen kommen mal über die Flügel, manchmal sind sie aber nur einrückende Angreifer. So verändert sich die Ausrichtung von Spiel zu Spiel“, analysiert Escher und sieht einen Vorteil für Pep. „Er ist noch flexibler. Was die Formation betrifft, ist Guardiola völlig schmerzfrei. Durch seinen breiten Kader mit vielen gleich starken Spielern kann er die verschiedensten Varianten spielen lassen. Da sind die Bayern das Nonplusultra in Deutschland“, meint Escher anerkennend.

Doch trotz wildester Varianten – auch Pep hat natürlich einen „strategischen Überplan“, wie Escher ihn nennt, „den er immer verfolgt“. Der lautet Ballbesitz! „Aber die Ausführung ist immer anders, auch wenn sie sich nicht unbedingt von Spiel zu Spiel ändert“, betont der Taktik-Experte und vergleicht dabei den FCB-Fußball in dieser Saison mit dem aus der vergangenen: „Jetzt bauen die Münchner das Spiel mit Alonso und Schweinsteiger aus der Tiefe auf. Da versuchen sie, die Flügel zu finden und mit schnellen Rhythmuswechseln über Robben und Ribéry zum Tor zu gelangen. Letztes Jahr war das noch anders. Da haben sie sehr viele kurze Pässe im Mittelfeld gespielt, mit Kroos, Lahm und Thiago ging mehr durch das Zentrum nach vorne. Einzig die Formation variiert immer wieder – es ändert sich also nur das Wie, nicht das Was.“ Vor allem wird es also interessant sein zu beobachten, wie das „Wie“ nach der Rückkehr von Lahm und Thiago aussehen wird…

Peps Flexibilität

Eine Formation existiert beim FCB nur auf dem Papier. Egal, ob 3-4-3 oder 4-3-3, die Roten finden sich in jedem System zurecht. Guardiola passt sein System ständig dem Gegner an, um Bayerns Ballbesitz durchzudrücken. So flexibel wie Pep und seine Stars ist sonst niemand.

Favres Zauberformel

4-4-2, so lautet das Geheimnis des Gladbacher Trainers. Lucien Favre setzt eigentlich immer auf zwei Viererketten, einzig die Ausrichtung der Formation verändert das Auftreten der Gladbacher. Mal kompakter, mal breiter – je nach Gegner richtet Favre seine Mannschaft aus.

sw

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