Tolle Bedingungen - aber auch Probleme

FC Bayern in Katar: Viel Licht - und noch mehr Schatten

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Besser geht es nicht: Die Aspire Academy lockt den FC Bayern mit tollen Trainingsplätzen, einem Luxushotel und optimalen Bedingungen. Doch die Arbeiter, die im Wüstenstaat die Stadien für die WM 2022 bauen, bezahlen ihren Einsatz oft mit ihrem Leben.

München - Karl-Heinz Rummenigge gerät ins Schwärmen, wenn er an das Trainingslager des FC Bayern in Katar denkt. Dich im Wüstenstaat ist längst nicht alles Gold, was glänzt.

„Die Plätze sind wunderbar, das Klima ist perfekt“, lobt der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters die Trainingsbedingungen an der Aspire Academy. Und Superstar Arjen Robben merkt an: „Besser geht’s nicht.“ Zum vierten Mal sind die Münchner zur Vorbereitung auf die Rückrunde in den arabischen Golfstaat gereist. Wie jedes Jahr ist auch dieses Mal wieder die Aspire Academy in Doha das Ziel. Der 760 Millionen Euro teure Trainingstempel ist das sportliche Prunkstück der Kataris, der in den kommenden sieben Tagen nicht nur den FC Bayern beherbergt. Unter anderem absolviert auch der FC Schalke sein Trainingslager an der Akademie. Neben sieben Fußballplätzen verfügt der riesige Komplex auch über mehrere Laufbahnen, Krafträume und Sporthallen. „Es gibt keine bessere Fußballakademie als diese. Wenn man die Möglichkeit hat, dorthin zu gehen, muss man die auch nutzen“, sagt Paul Breitner der tz über die Aspire Academy. Der Markenbotschafter des FC Bayern hat die Anlage selbst schon zweimal besucht und ist von den Bedingungen vor Ort begeistert: „Ich war schon kurz nach der Gründung dort, um zu sehen, was alles möglich ist in den Bereichen der Sportmedizin und der Sportwissenschaft. Es ist gigantisch.“ Herzstück der Akademie ist der Aspire Sports Dome, die mit 290 000 m² größte Sporthalle der Welt. Rund 15 000 Zuschauer fasst der Dome.

Trainingsplätze, die einem Teppich gleichen, luxuriöse Hotels und volle Konzentration auf Fußball – die Aspire Academy bietet beste Voraussetzungen für eine optimale Vorbereitung. Die Münchner logieren auch in diesem Jahr wieder im Grand Heritage. Das 5-Sterne-Hotel ist im viktorianischen Stil erbaut, hat 136 Zimmer und einen ausgedehnten Spa-Bereich. Breitner: „Das ist ein Top-Hotel. In anderen Trainingslagern muss man oft noch mit dem Bus zum Trainingsgelände und wieder zurück fahren – nicht einmal das ist hier notwendig. Es ist die Perfektion überhaupt. Deshalb gibt es auch keinen Grund, den Ort zu wechseln. Es ist alles da, was man sich als Spieler oder Verantwortlicher nur wünschen kann.“

Und diese perfekten Bedingungen wollen die Roten ausgiebig ausnutzen. Zweimal täglich wird Pep Guardiola seine Stars zum Training bitten. Morgens um 10 Uhr und nachmittags um 17 Uhr lässt der Spanier seine Spieler schwitzen. Dazu steht am 13. Januar ein Testspiel gegen die Katar Stars (18.05 Uhr MEZ) auf dem Programm.

Im Wüstenstaat will der FCB den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde legen, so wie in den vergangenen beiden Jahren auch. Der politische Aspekt soll da keine Rolle spielen. Rummenigge kürzlich im ZDF: „Bayern München ist nicht verantwortlich für Katar. Natürlich lesen wir auch, dass dort gewisse Dinge passieren, die uns in Deutschland nicht allen gefallen. Aber ich glaube, das ist eine Aufgabe der Politik und nicht des Sports.“

Kriegt Katar seine Probleme in den Griff?

Ein Matratzenlager der  WM-Bauarbeiter.

Es war der 2. Dezember 2010, als die FIFA für einen Paukenschlag sorgte. Mit Katar wurde ein Land zum Ausrichter der WM 2022 ernannt, in dem Temperaturen bis zu 45 Grad keine Seltenheit sind. Eine Schreckensnachricht für die Terminplaner der Vereine. Die brütende Hitze in den üblichen WM-Monaten sollte sich aber bald als weitaus geringeres Problem entpuppen. Kaum vorhandene Infrastruktur, Korruptionsvorwürfe und schlechte Arbeitsbedingungen. Katar geriet zunehmend in die Kritik – und dann folgten vor knapp drei Jahren die ersten Meldungen über Todesopfer auf den WM-Baustellen.

Mehr als 1000 Arbeiter sind auf den Baustellen für die WM 2022 bereits ums Leben gekommen.

Nach einer Studie des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) sollen seit der WM-Vergabe bis zum Januar 2014 bereits über 1200 Gastarbeiter auf den Baustellen für die WM-Stadien umgekommen sein. Bis zum Turnierbeginn 2022 rechnete der IGB mit über 4000 toten Arbeitern, wenn sich im Golfstaat nichts ändern werde. „Ja, wir hatten Probleme. Und wir lösen diese Probleme“, hatte der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, im September 2014 erklärt. Ein zwölfseitiger Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach Ende des vergangenen Jahres jedoch eine andere Sprache: „Katars Regierung hat keine glaubhaften Schritte unternommen, den weitverbreiteten Missbrauch von Arbeitern zu unterbinden.“ Noch immer gebe es zu viele Missstände, moniert Amnesty. So sei die Problematik des Kafala-Systems immer noch nicht behoben und nach wie vor könnten die Arbeitgeber ihren Beschäftigten die Ausreise verwehren. Des Weiteren gebe es weder eine Garantie für pünktliche Lohnzahlung noch Schutz vor physischem oder gar sexuellem Missbrauch. Auf der anderen Seite seien aber immerhin Unterkünfte für 150.000 Arbeiter im Bau und außerdem gebe es Pläne, alle Arbeitnehmer in eine Krankenversicherung aufzunehmen. Besserung scheint also in Sicht. Dennoch: Es ist noch längst nicht alles Gold, was im Wüstenstaat glänzt…

Sven Westerschulze

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