TV-Kritik: Eiszeit beim FC Bofrost

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Das Spiel des FC Bayern gegen Aachen war das erste nach der Ära van Bommel

München - Aus aktuellem Anlass sendete das Erste am Mittwochabend einen mehrstündigen „Brennpunkt“ mit dem Titel „Kapitän über Bord. Eiszeit in München!“ Die TV-Kritik zum FC-Bayern-Spiel:

Thema waren die jüngsten krisenhaften Entwicklungen beim FC Bayern – viele nennen die Säbener Straße ja schon das Afghanistan ohne Guttenberg, oder auch das Nordkorea Harlachings. „Ein ganz normaler Winter in München. Aber mit Dauerfrost“, raunte BR-Reporter Nick Golüke mit schneidender Kälte in der Stimme. „Zwischenmenschlich ist der Gefrierpunkt erreicht bei den Bayern. Wie konnte es überhaupt insgesamt so weit kommen?“, erkundigte sich Gerd Delling bei Tiefkühl-Spezialist Mehmet Scholl.

Bayern in Aachen: Bilder & Einzelkritik - Einmal gab's die Note 1

Das Spiel 1 nach dem Wechsel von Mark van Bommel hat der FC Bayern mit 4:0 gewonnen. © AP
Für Louis van Gaal stand eine wichtige Entscheidung an. © Getty
Überraschung gab es da aber keine: Philipp Lahm (l.) trägt die Binde. © AP
Thomas Kraft dirigiert. © dpa
Für den erkältungsgeschwächten Robben, der auf der Bank sitzt, spielt Altintop. © Getty
Luiz Gustavo (Mitte) darf von Beginn an ran. © Getty
Die Aachener ziehen sich tief zurück. © dpa
Und lauern immer wieder auf Konter. © dpa
Für ihre Bemühungen werden die Bayern belohnt. © AP
26. Minute: Toooooor für Bayern durch Gomez! Hamit Altintop setzt über links Luiz Gustavo ein. Dessen passgenaue Flanke findet den Kopf des völlig freien Gomez, der nicht mal abheben muss. © Getty
1:0. © Getty
Das Führungstor aus einer anderen Perspektive. © Getty
Mario Gomez jubelt. © dpa
Und jubelt. © dpa
Thomas Kraft freut sich. © Getty
Louis van Gaal und Christian Nerlinger applaudieren. © AP
Kollektive Begeisterung © AP
Daumen hoch von Thomas Müller © dpa
34. Minute: Auer kommt im Zweikampf mit Luiz Gustavo im Bayern-Strafraum zu Fall. © Getty
Die Pfeife des Schiedsrichters bleibt stumm - doch der Brasilianer hatte ihn am Fuß getroffen. Glück für die Bayern. © Getty
Das Spiel bleibt umkämpft. © AP
Mario Gomez hat immer wieder gute Chancen. © dpa
Tolgay Arslan (r.) kommt gegen Holger Badstuber schmerzhaft zu Fall © Getty
Aachen hält dagegen. © dpa
Immer wieder muss Thomas Kraft eingreifen. © Getty
Doch dann die 75. Minute: Tor für Bayern durch Müller! Robben nimmt Fahrt auf und setzt Müller ein, der wird erst von Demai abgedrängt, tunnelt dann jedoch aus spitzem Winkel Aachen-Keeper Hohs. © Getty
Dafür erntet er einen Tätschler © Getty
Thomas Müller hat gut lachen. © dpa
Denn in der 80. Minute trifft er erneut: Müller auf Gomez, Gomez auf Müller, dessen abgefälschter Schuss sitzt. © Getty
Dann darf auch der eingewechselte Robben mal. © Getty
Bastian Schweinsteigers exakte Hereingabe muss der Niederländer nur einschieben. © dpa
Das 4:0. © dpa
Bastian Schweinsteiger jubelt. © dpa
Und nicht nur er. © dpa
Die anderen jubeln mit. © dpa
Pflichtaufgabe erfüllt © Getty
Auch die Verantwortlichen können nun fürs Halbfinale planen. © Getty
Das Schlusswort hatte der Präsident. „Ich denke, das war heute ein sehr souveräner Sieg, der auch in dieser Höhe verdient war“, befand Uli Hoeneß. Wohl wahr. Die Bayern in der Einzelkritik: © AP
Thomas Kraft: Zwischen genial und unglücklich: Bei einigen Flanken wirkte der junge Torwart unsicher, dann rettete er auf der Linie wieder mit einem Wahnsinns-Reflex. Muss Kraft mit dem Fuß ran, hat er nur ganz wenig von Kahn – denn er bringt so gut wie jeden Pass an den Mann… Note 3 © Getty
Philipp Lahm: Ein Spiel, mit dem der Außenverteidiger in die Geschichte eingehen wird. Nicht unbedingt wegen seiner Leistung, Lahm spielte solide wie meist und versuchte nach vorne anzukurbeln. Wohl aber wegen der Binde am Arm: Seit Dienstag ist er fester Kapitän beim FC Bayern, Nachfolger eines Paul Breitner oder Oliver Kahn. Note: 3 © Getty
Holger Badstuber: Eng am Mann, konsequent im Zweikampf, sowohl am Boden als auch in der Luft. Ist nach seiner langwierigen Schambein-Verletzung schon wieder der Alte. Note: 3 © Getty
Anatoli Timoschtschuk: Sicherer als zuletzt gegen Kaiserslautern, wurde von den offensivschwachen Alemannen aber auch kaum gefordert. Note 3 © Getty
Luiz Gustavo: Auch im dritten Spiel mit Licht und Schatten. Sehr ballsicher, bereitete mit einer sehenswerten Flanke („ARD-Experte Scholl: „Die beste Flanke, die ich seit langem gesehen habe“) das 1:0 von Gomez vor. Aber: Hatte Glück, dass nach seinem Foul an Auer nicht Elfmeter gepfiffen wurde. Note: 3 © Getty
Andreas Ottl: Unauffällig im defensiven Mittelfeld. Lief zu häufig nur nebenher, zu brav in den Zweikämpfen, leistete nur wenig für den Spielaufbau. Aber auch ohne nennenswerten Fehler. Note: 3 © Getty
Danijel Pranjic: Sehr flink, sehr beweglich, hatte im Spielaufbau einige gute Ideen. Suchte immer wieder den Weg nach vorne, statt quer zu spielen, war so eine enorme Bereicherung für das Offensiv-Spiel der Bayern. Note: 2 © Getty
Thomas Müller: Wurde am Ende noch zum Mann des Tages. Ging häufig in die Eins-Gegen-Eins-Situation mit Demai, gewann diese meist – und entschied dann mit seinem Doppelpack das Spiel. Note: 1 © Getty
Bastian Schweinsteiger: Ließ sich häufig weit zurückfallen, um sich die Bälle schon in der eigenen Hälfte zu holen. Fehlte deswegen ab und an hinter den Spitzen. Auf der Sechs fühlt er sich eben wohler als in der Spielmacherrolle. Note: 3 © Getty
Hamit Altintop: Leitete mit seinem Pass zu Gustavo das 1:0 ein. Hatte besonders in der zweiten Hälfte viel Raum, den er aber nicht konsequent ausnutzte. Ihm fehlt einfach die Kreativität eines Ribéry. Note: 3 © Getty
ab der 72. Minute: Arjen Robben: Ein Tor, eine Vorlage – nicht schlecht für einen 18-Minuten-Auftritt. ohne Bewertung © Getty
Mario Gomez: Im Moment ist er einfach eine Tormaschine. Gleich die erste Möglichkeit nutzte er zum 1:0. Aber: Vergab zwei Riesen-Chancen, als er freistehend an Torwart Hohs scheiterte. Note: 2 © Getty
Ab der 83. Minute: Miroslav Klose: zu spät für eine Bewertung. © Getty

Fraglos: So eiskalt ging es überhaupt insgesamt noch selten zu im Deutschen Fernsehen. Bereits nach wenigen Minuten der von Captain Iglo präsentierten Sendung überzogen Eisblumen die Fernsehschirme, Scholli war ohne Eiskratzer kaum mehr zu erkennen. Sieben Zuseher sollen vor dem TV-Gerät erfroren sein – Näheres will die AR-Schnee, pardon, die ARD, heute bekanntgeben. Man musste jederzeit damit rechnen, dass Mike Krüger für Louis van Gnadenlos seinen Superhit „Mein Gott, Kalter“ singt, und dass ein bestürzter Eiser Franz über den Bildschirm stapft. Es waren dramatische Minuten im Ersten!

Aber im Ernst: Mehmet Scholl brauchte nur ein paar Sätze, um den Abgang von Mark van Bommel auf den Punkt zu bringen: „Man hat es immer noch mit Menschen zu tun“ – selbst wenn man es mit Fußballern zu tun hat. Der Experten-Guru fand wie erwartet weise Worte zum FC Bofrost. Leider war dann Fußball, in Aachen begann wieder der tierische Ernst – und der ARD-Poschi Steffen Simon riss das Mikrofon an sich.

Ein Wechselbad der Gefühle ist eine ausgewogene Veranstaltung im Vergleich zum Wechsel von Scholl auf Simon. Wenn erst Mehmet zu sehen ist, und dann der Pokalschreck vom Ersten, ist das ungefähr so wie ein Kinofilm, in dem erst Angelina Jolie auftritt, und dann Christine Neubauer. Oder für die Damen: Wenn Jimi Blue Ochsenknecht auf George Clooney folgt. Wichtigste Erkenntnis vom ulkigen Steffen: „Van Gaal hält dickköpfig am 5-3-2-1 fest.“ Gottseidank waren unsere Lautsprecher so eingefroren, dass wir kaum etwas verstanden haben von Simons Bayern-Zwölf.

Jörg Heinrich

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