Jungspund achtet auf Einstellung

Weiser hinterfragt sich: "Gebe ich 100 Prozent?"

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Durchbeißen: Mitchell Weiser hat in Katar viel vor.

Doha - Mitchell Weiser hat sich gewandelt. Das hatte Bayerns Sportchef Matthias Sammer schon vor dem Testspiel gegen die Katar Stars gesagt. Jetzt bestätigt es der Youngster selbst.

Mitchell Weiser war einer der Letzten, die aus der Kabine kamen. Die meisten Stars des FC Bayern wollten nach dem lockeren 4:1-Sieg im Testspiel gegen die Katar Stars nur noch schnell in den Bus und ab ins Hotel. Allerdings hatten sie ihre Rechnung da ohne den Nachwuchsmann gemacht – ebenso wie die Katar-Stars in den vorangegangenen 90 Minuten. Superstars wie Franck Ribéry oder Thomas Müller hatte die Elf der Gastgeber stets im Blick, Weiser hingegen gar nicht auf der Rechnung. Und das nutzte der Youngster, um das Spiel mit zwei frühen Treffern (3., 14.) ziemlich schnell zu entscheiden.

„Ich habe lange keine Tore mehr geschossen, deshalb war das ganz schön. Es fühlt sich gut an, jetzt will ich weitermachen“, strahlte Weiser nach seinem überzeugenden Auftritt.

Davon hat es in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln zum FC Bayern nur wenige gegeben. Nur auf sieben Pflichtspieleinsätze bei den Profis hat er es in dieser Zeit gebracht. Gesprochen wurde von Weiser oft nur außerhalb des Spielfeldes. So wie bei dem Aprilscherz im vergangenen Jahr, als seine Kollegen ihn zum Flughafen schickten. Dort sei ein Ticket nach Manchester hinterlegt, Pep Guardiola habe ihn für das Spiel gegen United nachnominiert. Weiser reiste los – weiter als bis zum Flughafen kam er aber nicht. Es gab kein Ticket.

Oder wie in der Saisonvorbereitung, in der er seine Nummer 23 an Pepe Reina, kurze Zeit später die gerade erst erworbene 24 an Sinan Kurt abtreten musste. Dabei wollte er im Sommer voll angreifen, riss sich aber zwei Tage vor Trainingsstart das Syndesmoseband bei einem Freizeitkick in einer Soccerhalle.

Doch Weiser hat sich gewandelt. Das hatte Matthias Sammer schon vor der Partie gesagt. „Mitchell trainiert sehr gut. Bei ihm hat es Klick gemacht“, lobte der Sportvorstand. Weiser selbst gibt sich geläutert.

„Als ich zu Beginn der Saison verletzt war, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Da habe ich mich hinterfragt, ob ich hier bislang alles mit 100 Prozent gemacht habe“, gibt der 20-Jährige zu. Zuvor seien es vielleicht 80, höchstens 90 Prozent seines ganzen Könnens gewesen. Der Wandel kam an einem ungewöhnlichen Ort – unter der Dusche. „Der kam von mir selbst“, erklärt der Rechtsverteidiger, angesprochen auf seinen neuen Antrieb: „Ich denke oft über das Leben nach, unter der Dusche zum Beispiel. Dann frage ich mich: Gibst du wirklich alles?“

Bilder: Bayern mit lockerem Sieg über Katar Allstars

Bilder: Bayern mit lockerem Sieg über Katar Allstars

Weiser will jetzt angreifen, sich für höhere Aufgaben empfehlen. Schließlich läuft sein Vertrag im Sommer aus. „Noch mache ich mir keine Gedanken darüber, ich habe nur das Trainingslager im Kopf. Wir werden sehen, was kommt“, meint der Sohn des ehemaligen Profis Patrick Weiser.

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm jedenfalls nicht. Und an Frechheit, die Sammer von den jungen Spielern der Münchner gefordert hatte, auch nicht. „Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich mir eine zehn geben. Frech war ich schon immer“, grinste Weiser auf die Aussagen des Sportvorstands. Ihm ist zu wünschen, dass er seinen Worten weitere Taten folgen lässt. Jetzt geht es für ihn nicht mehr nur um einen neuen Vertrag, sondern auch um seine Zukunft.

sw

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