Selbstkritik beim Deutschen Meister

Die Bayern lecken ihre Wunden

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Die "unbesiegbaren" Bayern haben eine deftige Klatsche gegen die Wölfe kassiert. Thomas Müller, Xabi Alonso und Dante (v.l.n.r.) sind ratlos.

Wolfsburg - Die Niederlage tut weh. Vor allem wie sie zustande gekommen ist. Es ging zu einfach und nun ist das Selbstvertrauen der Bayern angekratzt. Die Münchner schauen nun auf Dienstag.

Manuel Neuer tat die Vier-Tore-Abreibung richtig weh, Arjen Robben sprach von einem „Schock“, und Trainerfuchs Pep Guardiola schien sogar ein bisschen ratlos. Nach der kaum für möglich gehaltenen 1:4 (0:2)-Klatsche zum Rückrundenstart beim Verfolger VfL Wolfsburg leckten die entzauberten Münchner kleinlaut ihre Wunden.

„Das ist in die Hose gegangen“, sagte Weltmeister Neuer über die auch in der Höhe verdiente erste Bundesliga-Niederlage seit 293 Tagen: „Das ist keine Katastrophe, wir haben alles noch selbst in der Hand. Aber wir müssen jetzt die Kurve kriegen.“ Offensivstar Robben gestand: „Natürlich ist das ein Schock. Wir müssen daraus schnell die Lehren ziehen.“

Während fast ganz Fußball-Deutschland wieder auf einen halbwegs spannenden Titelkampf hofft, will der Rekordmeister am Dienstag (20. 00 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen Schalke 04 endlich aus dem Winterschlaf erwachen und die Machtverhältnisse gerade rücken. „Gegen die haben wir in den letzten Jahren ja immer ganz gut ausgesehen“, sagte der Ex-Schalker Neuer.

Wenn die Bayern schon vergangene Erfolge bemühen, um Optimismus zu verbreiten, dann sind sie angeschlagen. Das schier unerschütterliche Selbstvertrauen, das „Mia san mia“, hat sichtlich gelitten, weil der erste Gegner, der die Partie gegen die bislang übermächtigen Münchner auch wirklich gewinnen wollte, fast schon leichtes Spiel hatte.

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Mit hoher Lauf- und Zweikampfbereitschaft sowie schnörkellosem Konterfußball über den alles überragenden Kevin de Bruyne düpierten die Wolfsburger den Tabellenführer und schenkten ihm genauso viele Treffer ein wie 17 Liga-Teams zuvor zusammen. „Da ist viel zu oft ein Wolfsburger völlig allein auf mich zugelaufen“, schimpfte Torhüter Neuer. Kapitän Bastian Schweinsteiger zeigte sich selbstkritisch: „Wir standen nicht kompakt genug. Vielleicht hat jeder einen Schritt weniger gemacht.“

Der Vorsprung auf die Wölfe beträgt zwar noch immer komfortable acht Punkte, doch mit dem erwarteten 30-Millionen-Euro-Transfer von Weltmeister Andre Schürrle dürfte der VfL noch stärker werden. Und ein Blick zurück auf Wolfsburgs Meistersaison 2008/09 lässt die VfL-Fans an ein zweites Wunder glauben: Damals betrug der Rückstand der Niedersachsen auf die Bayern nach dem 18. Spieltag ebenfalls acht Zähler, wegweisend für den Titel war ein 5:1-Triumph gegen München.

Die Parallelen wollte VfL-Trainer Dieter Hecking nicht als Omen werten. „Kein Team wehrt sich, deutscher Meister zu werden, auch Wolfsburg nicht“, sagte Hecking: „Aber im Moment ist die Chance noch eher gering.“ Auch Mittelfeldstar de Bruyne, der sich sich schon auf das Zusammenspiel mit Schürrle freute („Jede Verstärkung ist willkommen“), glaubt nicht an den Titel: „Die Bayern sind immer noch die Bayern und werden noch viele Spiele gewinnen.“

Sollte der Branchenprimus jedoch wider Erwarten weiter schwächeln, wollen die Wolfsburger zur Stelle sein - auch für Junior Malanda. Durch die gemeinsame Trauer um den vor drei Wochen bei einem Autounfall verstorbenen VfL-Profi ist die Mannschaft noch enger zusammengerückt. Die am Freitagabend gemeinsam mit den 30.000 Zuschauern abgehaltene Beifall-Minute zu Ehren des Belgiers hat die Wölfe sichtlich motiviert.

„Natürlich sind sie ein Rivale“, sagte Bayern-Star Schweinsteiger. Trainer Guardiola schien fast schon ein wenig froh über die neue Spannung in der Meisterschaft. „Es ist schwer, wenn du immer gewinnst und gewinnst“, sagte der Spanier: „Die Zuschauer denken, es ist einfach. Die Spieler denken, es ist einfach, und der Trainer denkt, es ist einfach.“ Vielleicht hat Wolfsburg den Bayern mit der Abreibung am Ende sogar einen Gefallen getan.

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sid

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