Chronologie der Geschehnisse 

Zweiter Maulwurf in der Pep-Ära: Köpfe rollen keine

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Hat zur Zeit eine Menge interne Probleme: Pep Guardiola.

München - Beim FC Bayern steht Pep Guardiola auf seiner Abschiedstour unter extremem Erfolgsdruck. Und jetzt ist auch noch das eingetreten, was der Spanier mit am meisten hasst: Im Team gibt es einen Maulwurf. Wir zeichnen die Geschehnisse der vergangenen Tage noch einmal nach. 

Pep Guardiola hat es derzeit wirklich nicht leicht. Auf seiner Abschiedstournee beim FC Bayern steht er unter extremem Erfolgsdruck. Der Gewinn der Meisterschaft ist Pflicht, der Pokal eigentlich auch, und die Champions League sollte möglichst ebenso gewonnen werden. In all diesen Wettbewerben stehen die Münchner gut da: Acht Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund in der Liga, im Viertelfinale des DFB-Pokals wartet Zweitligist VfL Bochum, und in der Königsklasse steht im Achtelfinale das Duell mit dem italienischen Meister Juventus Turin bevor. 

Doch gleich mehrere Dinge sorgen im Umfeld der Bayern derzeit für Unruhe. Zum einen die Verletztenmisere: Beim Rückrundenauftakt gegen den HSV verletzte sich mit Jerome Boateng die Stütze in der Münchner Abwehr schwer. Er fällt mit einem Museklbündelriss etwa drei Monate aus. Zudem fehlen weitere Defensivspezialisten wie Javi Martinez (Meniskusschaden), Medhi Benatia (ebenfalls Muskelbündelriss) und jetzt auch Neuzugang Serdar Tasci, der sich im ersten Training eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hat - er fällt aber nur für ein paar Tage aus. 

Muskelverletzungen sind unter Guardiola keine Seltenheit. Franck Ribéry fehlt ebenfalls noch mit einem Muskelbündelriss. Und auch Mario Götze begann erst diese Woche wieder mit dem Mannschaftstraining nach einem überstandenen Muskelsehnenausriss im Adduktorenbereich. 

Der Maulwurf im Team - Interna kommen ans Licht

Genau so aber wie die Verletzten dürfte Pep Guardiola ein weiteres Problem zu schaffen machen. In der Donnerstagsausgabe des kicker vom 28. Januar wurde über die schlechte Stimmung innerhalb der Mannschaft sowie die Beziehung der Spieler zum Trainer berichtet. Der kicker berief sich dabei auf einen Profi, der nicht genannt wurde. Wir blicken noch einmal auf die Geschehnisse der vergangenen Tage:

Donnerstag, 28. Januar: In dem oben erwähnten Artikel berichtet ein Bayern-Spieler anonym darüber, dass die Stimmung in der Mannschaft „nicht gut“ sei. Zudem brodele es im Kader, und „wenn alle wieder fit sind, kracht es“, so der zitierte Spieler. Trainer Pep Guardiola habe sich außerdem über das zu hohe Gewicht von zwei Spielern beschwert und der Mannschaft es ab sofort überlassen, sich selbst zu disziplinieren. Auch von (zu) vielen E-Mails, die Sportvorstand Matthias Sammer sowie Teammanagerin Kathleen Krüger an die Mannschaft verschicken würden, ist die Rede. Der Klub reagiert noch am selben Tag: Es sei nicht Stil und Art von Bayern München, sich Gedanken über Berichte zu machen, in dem angeblich ein Spieler, noch dazu anonym, etwas sage, ließ Karl-Heinz Rummenigge ausrichten. Der Vorstandsvorsitzende betont zudem, dass man wisse, dass die Mannschaft funktioniere und er Vertrauen zum Trainer und dem Team habe. 

Freitag, 29. Januar: Trainer Pep Guardiola reagiert auf der Pressekonferenz vor dem Hoffenheim-Spiel gereizt auf die Medienberichte des Vortags. "Wo ist das Problem?", fragt der Katalane. "Die Stimmung ist gut. Du kannst nicht in der Hinrunde gewinnen und nur eine Niederlage haben, wenn die Stimmung nicht gut ist."

Sonntag, 31. Januar: Die Bayern besiegen Hoffenheim verdient mit 2:0. Von schlechter Stimmung oder Disharmonien in der Mannschaft ist dabei nichts zu spüren.

Montag, 1. Februar: Trotz des Sieges ist das Maulwurf-Thema bei den Bayern auch am Montag immer noch aktuell. Angesprochen auf das Thema sagt Arjen Robben, er fände es "peinlich, für denjenigen, der das gemacht hat". Philipp Lahm konstatiert: "Es ist schade", bei der Titeljagd sei dieser Vorfall "sicher nicht förderlich".  

Unterdessen herrscht wieder Aufregung nach einem Bericht des kicker. Das Sportmagazin berichtet nämlich, dass Arturo Vidal seinen Gehaltszettel in der Kabine habe liegen lassen. Das Netto-Salär von acht Millionen Euro pro Jahr wäre also für jeden, der dorthin Zutritt hat, einsehbar gewesen. Da die Leistungen des Chilenen bislang nicht mit der opulenten Entlohnung einhergehen, sollen die Reaktionen in der Mannschaft auf das unfreiwillig veröffentlichte Salär der Stimmung nicht zuträglich gewesen sein.

Als herrsche nicht genug Unruhe, gibt auch noch Manchester City offiziell die Verpflichtung von Pep Guardiola ab kommenden Sommer bekannt.

Mittwoch, 3. Februar: Nächster Paukenschlag! Dieses Mal informiert der Maulwurf die Sport Bild darüber, dass Arturo Vidal im Winter-Trainingslager in Katar immer wieder durch Alkoholmissbrauch aufgefallen sei. Auch von Gewichtsproblemen ist die Rede. Auf der Pressekonferenz, die eigentlich zur Vorstellung des dann aber verletzten Serdar Tasci angesetzt war, platzt Sportvorstand Matthias Sammer dann der Kragen. Er kündigt, ebenso wie später der gesamte Verein und auch der Spieler, rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung über Arturo Vidal an. Sammer wittert eine Verschwörung gegen den FC Bayern, weil der eine oder andere die Bundesliga wieder spannender machen möchte.  "Ich habe das Gefühl, dass es derzeit ein kleines Zündeln gibt", so Sammer. Berichte über den Beinahe-Abgang von Medhi Benatia oder dem vermeintlichen Interesse an Herthas Verteidiger John-Anthony Brooks seien "Lügen" und "Unwahrheiten", erklärt Sammer in - laut eigener Aussage - sachlichem Ton. Dennoch gesteht der Sachse, dass derzeit ein gewisses Reizklima an der Säbener Straße herrsche. "Bayern München und Ruhe: Das passt ja irgendwo auch nicht. Alles in Harmonie, das können sie vergessen." Trainer Guardiola bekommt allerdings Rückendeckung vom 48-Jährigen. Man solle doch bitte ein wenig Respekt zeigen, man würde Guardiola für alles verantwortlich machen. Vor dem anstehenden Auswärtsspiel in Leverkusen allerdings müsse man "noch eine Schippe drauflegen".

Donnerstag, 4. Februar: Torhüter Manuel Neuer springt seinem Kameraden Arturo Vidal zur Seite. "Jedes Mal, wenn er auf dem Platz steht, gibt er 100 Prozent. Er schmeißt sich in jeden Zweikampf rein", sagt der Weltmeister auf einer Pressekonferenz. Über die angeblich schlechte Stimmung in der Mannschaft äußert sich Neuer ebenfalls: "Wir halten fest zusammen, und da steht auch jeder für den anderen ein. Es gibt bei uns keine Probleme in der Mannschaft. Die Sachen, die von außen versucht werden in die Mannschaft zu tragen, die kommen bei uns nicht an."

Freitag, 5. Februar: Am Tag vor dem Leverkusen-Spiel geht Guardiola in der Pressekonferenz nicht mehr auf die Maulwurf-Thematik ein, kritisiert dafür die deutschen Medien:  "Es gibt wichtige Zeitungen hier, die mir bislang nicht einmal Fragen zum Sport gestellt haben. Es war die richtige Entscheidung, keine exklusiven Interviews zu geben. Die Journalisten müssen doch wissen, warum sie hier sind. Ich liebe es, über Taktik zu sprechen - Dreierkette, Viererkette undsoweiter."

Bereits der zweite Maulwurf in Guardiolas Amtszeit

Was ist also los beim FC Bayern? Gibt es einen Maulwurf? Knistert es wirklich? Ist die Stimmung tatsächlich am Boden und die Aussagen von Sammer, Neuer und Co. sind nur Lippenbekenntnisse? Stimmen die Gerüchte um Arturo Vidal? In Guardiolas erster Saison beim FC Bayern gab es einen ähnlichen Vorfall im Herbst 2013. Damals hatte der Spanier gedroht, "dass Köpfe rollen werden. Denjenigen schmeiße ich raus". Der Maulwurf von 2013 wurde nie enttarnt. Es heißt lediglich, dass der betreffende Spieler den Verein in der Zwischenzeit verlassen habe.

Der Maulwurf aus dem Jahr 2016, so denn es ihn also wirklich gibt, befindet sich noch in den eigenen Reihen. Offene Drohungen durch Guardiola gab es dieses Mal nicht - Pep scheint sich damit angefreundet haben, dass beim FC Bayern immer mal wieder Interna nach Außen getragen werden. Und so wäre die einzige Möglichkeit, alle Kritiker Lügen zu strafen, ein Statement-Sieg beim schweren Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen am kommenden Samstag (18.30 Uhr, hier bei uns im Live-Ticker). Auch wenn die personelle Lage angespannt ist: So mancher Fan dürfte sich nach dem in der Hinrunde über weite Strecken praktizierten Power-Fußball zurücksehnen. Die Bayern sollten also keine Köpfe, sondern besser die Bälle durch die gegnerischen Abwehrreihen rollen lassen. Dann kehrt bestimmt auch bald wieder Ruhe ein.

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