Bericht über Hintergründe des Abschieds

Fünf Personalien, die Peps Entscheidung wohl beeinflussten

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Er liebt ihn, er liebt ihn nicht, er liebt ihn ... Pep Guardiola (r.) mit Mario Götze.

München - Pep Guardiola verlässt den FC Bayern zum Saisonende, Carlo Ancelotti kommt. So weit, so bekannt. Doch warum verlässt Pep die Bayern wirklich? Liegt es tatsächlich nur an seiner Motivation, Projekte nicht länger als drei Jahre verfolgen zu wollen?

Nach einem Bericht der "Sport Bild" gibt es angeblich noch andere Gründe, warum Guardiola nicht bereit war, seinen Vertrag beim FC Bayern zu verlängern. Diese sollen zwar nicht unmittelbarer finanzieller Natur gewesen sein, wobei die Bayern den Gehaltsirrsinn der englischen Premier League - Manchester City soll den Katalanen ja angeblich mit einem Salär von 25 Millionen Euro pro Jahr locken - garantiert nicht mitgemacht hätten. Doch Pep Guardiola soll das Wirtschaften des FC Bayern insgesamt zu konservativ gewesen sein. Wo Vereine aus England und Spanien sich in Unkosten stürzen und teilweise fette Schulden anhäufen, regiert beim deutschen Rekordmeister seit jeher die Vernunft in Transferfragen. Rote Zahlen sind bei den Roten ein absolutes Tabu. 

Zwar hat der FC Bayern seine Transferpolitik in den vergangenen Jahren dem internationalen Markt etwas angeglichen, die vereinsinterne Rekordablösesumme für Javi Martinez (40 Millionen Euro) liest sich im internationalen Vergleich jedoch immernoch wie der Versuch eines geizigen Schotten, mit einem einzigen Konfetti für Stimmung zu sorgen.

Bei aller Machtfülle, die die Bayern-Bosse Pep Guardiola in den vergangenen Jahren offerierten und bei den vielen verzweifelten Versuchen, den Star-Trainer zum Bleiben zu überreden - klar war immer: Von seiner rationalen Vereinspolitik wird der FC Bayern niemals abweichen! 

Auch deshalb dürfte Pep nun weiterziehen ins gelobte Land der britischen Pfunde. Dort spielt Geld dank lukrativster TV-Verträge sowie dekadenter Unterstützung durch Investoren keine Rolle. Fälle wie die folgenden, die Pep beim FC Bayern in den vergangenen Jahren mittragen musste, wird es dort nicht geben:

Toni Kroos: Der Nationalspieler forderte im Frühjahr beim FC Bayern eine Vertragsverlängerung und eine Anhebung seines Salärs in die Klasse eines Mario Götze, also jenseits der zehn Millionen Euro. Der Verein stellte sich stur, selbst auf laut "Sport Bild" mehrmaliges Bitten Guardiolas hin. Kroos wurde für 30 Millionen Euro an Real Madrid verkauft. Ein gutes Geschäft, doch Pep trauerte dem Spieler lange hinterher. Für den Coach wurde die Mannschaft durch den Verkauf Kroos' in ihrer Entwicklung, zumindest was die Philisophie Guardiolas betrifft, zurückgeworfen.

Mario Götze: Als Antrittsgeschenk wollte Pep Guardiola im Sommer 2013 unbedingt Neymar aus Brasilien verpflichtet haben. Doch die Bayern-Bosse machten dem Trainer schon kurz nach der Vertragsunterschrift im Winter 2013 klar, dass man das Wagnis, einen in Europa unerfahrenen Spieler aus Südamerika für teures Geld holen zu wollen, nicht eingehen werde. Stattdessen verpflichtete der FC Bayern Mario Götze von Borussia Dortmund. Den "liebt" Guardiola zwar laut eigener Aussage heiß und innig. Doch so richtig glücklich ist er mit dem deutschen WM-Finaltorschützen nie geworden. Neymar dagegen hat sich beim FC Barcelona in die Top 3 der Weltfußballer katapultiert.

Luis Suarez: Guardiola soll den Stürmer 2013 den Bayern vorgeschlagen haben. Damals stand der "Uru" noch beim FC Liverpool unter Vertrag, war aber auf dem Markt. Die Klubführung lehnte laut "Sport Bild" ab, stattdessen musste Guardiola mit Mario Mandzukic Vorlieb nehmen. Dass diese beiden nicht die besten Freunde wurden, ist bekannt ... Suarez wechselte ein Jahr später (er hatte mittlerweile seinen Vertrag verlängert) für 80 Millionen Euro zum FC Barcelona - ein Jahr zuvor hätte er wohl nur die Hälfte gekostet.

Arturo Vidal: Pep Guardiola schätzt Arturo Vidals Qualitäten ungemein. Nur: So dringend hätte er den Chilenen im vergangenen Sommer gar nicht gebraucht. Stattdessen wollte Pep einen Rechtsverteidiger von internationaler Klasse verpflichten, um Philipp Lahm weiterhin im Mittelfeld einsetzen zu können. So aber kam Vidal, und Lahm spielt in dieser Saison meistens hinten rechts. Bei einem Gespräch im vergangenen Oktober soll Guardiola zu Rummenigge gesagt haben: "Philipp Lahm war der Einzige, der mich von Anfang an verstand."

Xabi Alonso: Mit seinem Landsmann verhandelte Guardiola angeblich bereits in der Winterpause der Saison 2013/2014 über einen späteren Wechsel im Sommer. Alonsos Vertrag lief aus, er wäre zum Nulltarif zu haben gewesen. Die Bayern-Bosse aber sollen sich mit ihrer Entscheidung, auch wegen der ungewissen Zukunft von Toni Kroos, zu lange Zeit gelassen haben. Am Ende ging Kroos und Alonso kam, allerdings hatte der da seinen Vertrag in Madrid bereits verlängert - und kostete daher knapp zehn Millionen Euro Ablöse.

Auch Spieler wie Pogba, Verratti, Hazard, Sterling oder De Bruyne sollen Guardiola vorgeschwebt haben. Der Klub dagegen kam mit Akteuren der Kategorie Calahanoglu, Castro oder Walcott um die Ecke. Auch das soll Pep nicht zufrieden gestellt haben.

Wie dem auch sei: Die Entscheidung ist gefallen. Pep wird in der nächsten Saison nicht mehr Trainer des FC Bayern sein, sondern aller Wahrscheinlichkeit in Manchester oder London. Dort wird man ihm jeden Transferwunsch von den Augen ablesen. Denn Rote Zahlen existieren weder bei den "Blues" des FC Chelsea, den "Red Devils" von Manchester United noch den "Skyblues" von Manchester City - einer dieser drei Klubs wird wohl Guardiolas neuer Arbeitgeber werden.

tz

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