"Der hätte keinen Trainer so stark werden lassen"

Magath über Pep: Mit Hoeneß wäre das nicht passiert

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Ein Bild aus gemeinsamen Bayern-Zeiten: Rummenigge, Hoeneß und Magath (v.l.).

München - Felix Magath glaubt, dass kein Trainer beim FC Bayern jemals so viel Macht besessen hat, wie derzeit Pep Guardiola. Grund hierfür soll in erster Linie sein, dass Uli Hoeneß nicht mehr da ist.

Keine Frage: So dominant, wie der FC Bayern seit zwei Jahren in der Bundesliga auftritt, hat man den Rekordmeister trotz der vielen Erfolge in der Vergangenheit nie gesehen. Trainer Pep Guardiola hat die Mannschaft nach seinem Amtsantritt und der Übernahme von Jupp Heynckes' Triple-Truppe auf ein noch höheres Niveau gehoben, wenngleich der Spanier (bislang) nicht an den großen Erfolg seines Vorgängers anknüpfen konnte.

Trotzdem: Guardiola hat mittlerweile im Verein einen Stellenwert, den zuvor wohl noch nie ein Übungsleiter an der Säbener Straße innegehabt hat. Jeder Wunsch des Trainers wird ihm von den Augen abgelesen, interne Machtkämpfe entscheidet er für sich (Müller-Wohlfahrt) und es scheint beinahe so, als könne Guardiola die Konditionen für den neuen Vertrag, den der FC Bayern seinem Coach ab Sommer anbietet, selber bestimmen.

Doch hat Pep insgesamt zu viel Macht beim FC Bayern? Nein, findet zumindest der ehemalige Bayern-Trainer Felix Magath. "Quälix", der auf den Stationen seiner Trainer-Karriere immer gerne die komplette Verantwortung übernommen hat und keine Gleichberechtigten an seiner Seite duldete, glaubt, dass die besondere Konstellation, die sich Guardiola in München geschaffen hat, nur durch den Abschied von Uli Hoeneß möglich war. "Guardiola hat sich einen sehr hohen Stellenwert innerhalb des Klubs geschaffen, der sich jetzt auch im Spiel ausdrückt. Er hat mehr Macht, als es jemals ein Trainer bei den Bayern vorher hatte. Ich glaube, das war nur möglich, weil Uli Hoeneß nicht mehr da ist", sagte Magath in einem Interview mit der FAZ.

Der derzeit arbeitslose Trainer findet, dass Guardiola derzeit in jeglicher Hinsicht am längeren Hebel sitzt. "Mit Hoeneß wäre das nicht gegangen. Der hätte keinen Trainer so stark werden lassen. Er hat einen Trainer nur akzeptiert, wenn er selbst die Machtverhältnisse bestimmt hat." Darunter hatte seinerzeit auch Magath zu leiden, der 2006 den FC Bayern trotz zweimal in Folge gewonnenem Double verlassen musste. Rückblickend sagt er: "Wenn man diese Macht einem Trainer nimmt, spüren die Spieler das sofort. Hoeneß hat das gemacht, indem er die Spieler hochholte in sein Büro und sie sich ausweinen ließ. Und wenn er ihnen dann sagte, da muss ich doch mal mit dem Trainer reden, hat der Spieler schon gewonnen und der Trainer schon verloren."

Guardiola dagegen hat seine Macht zementiert. Freilich nicht ohne dabei hervorragende Arbeit abzuliefern. "Guardiola hat mit dem FC Bayern nicht nur sportlich einen erfolgreichen Weg eingeschlagen, sondern sich intern auch sehr, sehr stark positioniert. Er ist auch Konfrontationen nicht ausgewichen und hat eine Menge erreicht - zum Beispiel, dass der FC Bayern sich von seinem langjährigen Guru, dem Doktor Müller-Wohlfahrt, getrennt hat", analysiert Magath.

Als pauschale Kritik an Hoeneß will Magath seine Worte aber nicht verstanden wissen. Die jahrzehntelange Arbeit des ehemaligen Managers und Präsident zollt Magath jede Menge Respekt ab. "Er hat diesen Verein zu einer Macht geführt, wie es nichts Vergleichbares mehr in Deutschland gibt. Bis vor drei Monaten galt das allenfalls noch für VW. Nicht einmal die Bundeskanzlerin hat solch eine Macht wie der FC Bayern München."

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