Bremer zurecht gestutzt 

Bayern marschiert - die Liga klatscht

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Allein gegen alle: Wie sein Team stand auch Werder-Verteidiger Garcia auf verlorenem Posten.

München - Der FC Bayern hat am Samstag die aufmüpfigen Bremer zurecht gestutzt - und die bedanken sich auch noch dafür.

Heutzutage gibt man sich nicht einfach die Hand, heute klatscht man sich ab. Die Finger zeigen nach oben, die Daumen haken ineinander ein, und oft wird der Handschlag begleitet von einem mächtigen patschenden Geräusch. Pep Guardiola und Viktor Skripnik haben sich am Samstag so verabschiedet. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Szene für den Trainer von Werder Bremen der Höhepunkt des Tages war. Kurz zuvor hatte Skripnik eine irritierend unterwürfige Bilanz dieses Nachmittags gezogen, die in dem Satz gipfelte: „Wir sind stolz auf dieses 0:4.“ Immerhin, um ein Autogramm hat er Guardiola nicht gebeten.

Guardiola ignoriert die Coaching Zone, wie er es immer tat

Wenn der FC Bayern in seiner bewegten Geschichte nicht schon so viel erlebt hätte, dann hätte er sich über diesen Ausflug und seine Begleiterscheinungen ernsthaft wundern müssen. Im Vorfeld hatten die Bremer keinen Zweifel daran gelassen, dass sie vor den berühmten Gästen keinesfalls buckeln würden, und mit einer gezielten Spitze gegen das Schiedsrichter-Wesen der Partie eine gehörige Prise Gift beigemengt. Die Debatte um die angebliche Bayern-Hörigkeit der Referees und um Pucks, die an Köpfe knallen, steckte den emotionalen Rahmen dieses Spiels ab. Als dann aber die Partie vorbei war und sich der Rauch verzogen hatte, war doch alles halb so wild gewesen. Thomas Müller klang wie nach einer Wirtshauskeilerei, bei der sich alle abreagiert hatten und keiner ernsthaft Schaden nahm: „Das war ganz amüsant.“

Unter Vermarktungsaspekten hätte der Liga nichts Besseres passieren können als das verbale Nord-Süd-Duell im Vorfeld. Ohne diese Aufregung wäre es ein Bayern-Spiel wie Dutzende andere gewesen, gestrickt nach dem immergleichen Muster: Ein Weilchen darf der Gegner sich aufpumpen und die Muskeln spielen lassen, dann macht der Favorit dem kecken Treiben kurzerhand ein Ende. Diesmal war es Müller. Dass er im ersten Anlauf am Torwart scheiterte, war egal. Er wartete einfach, bis die Kugel wieder zu ihm rollte, und traf im zweiten Versuch (24.).

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Klasse zeigt sich auch darin, dass Schwieriges spielend leicht aussieht. So war es bei Müllers Schlenzer und erst recht bei David Alabas famosem 2:0 (45.). Kein Bremer hat sich hinterher über die Berechtigung dieses Freistoßes kurz vor der Pause beschwert. Auch dass Pep Guardiola die Coaching Zone in bewährter Manier nur als unverbindliche Empfehlung interpretierte, an die man sich halten kann oder auch nicht, fand keine Erwähnung mehr. Der wütende Widerstand, der sich nach dem hitzigen Vorgeplänkel abgezeichnet hatte, beschränkte sich auf eine Phase Mitte der zweiten Halbzeit, als im Minutentakt Gelbe Karten gezückt wurden, vier Rudelbildungen aufzulösen waren, und die Bremer einen Foulelfmeter hätten bekommen können, weil Jerome Boateng Sebastian Prödl am Trikot gezogen hatte (65.). „Das ist mir durchgegangen“, gestand Schiedsrichter Kinhöfer.

Doch nicht mal der glühendste Werder-Fan wäre auf die Idee gekommen, diesen Moment als spielentscheidend zu beklagen. Dafür waren die Gäste zu unantastbar. „Als es hitzig wurde, haben wir dagegengehalten“, fand Müller, der sich mit einem Tor und zwei Vorlagen besonders gut wehrte. Der vierte Treffer in der Nachspielzeit war die finale Pointe, eine Ohrfeige für die Aufmüpfigen, die sich erdreistet hatten, den Bayern Wettbewerbsvorteile zu unterstellen. „Ich habe ja gesagt, wir müssen hier gewinnen“, erinnerte Karl-Heinz Rummenigge. „Das ist dann die Höchststrafe und fertig.“ Thomas Eichin, Aufrührer der letzten Woche, war angemessen kleinlaut: „Ich habe keinen Bonus gesehen.“

Schon bald werden Franck Ribéry und Arjen Robben den Betrieb wieder aufnehmen, der gelbgesperrte Xabi Alonso und Manuel Neuer sowieso, über den Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen witzelte, er habe seinen Resturlaub bis Ende März abbauen müssen. In vollkommener Entspannung beendeten die Bayern ihre Dienstreise. Selbst Matthias Sammer, sonst für jeden Streit zu haben, war zum Abschied großzügig gestimmt. Die Bremer Attacken seien vergeben und vergessen, „wir sind nicht nachtragend“. Er traf Thomas Eichin in der Pause. Es soll sogar zu einem Handschlag gekommen sein.

Marc Beyer

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