Watzke will sich nicht äußern

Großes Schweigen im Steuerfall "Ulrich H."

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Uli Hoeneß will sich derzeit zu der Anklageerhebung in der Steueraffäre nicht äußern.

München - Gerade einmal sechs Sätze umfasste die Pressemitteilung der Münchner Justiz zur Anklage gegen Uli Hoeneß. BVB-Boss Watzke will sich zum dem Fall nicht äußern.

Am Tag danach war im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ nur wenig mehr als Schweigen. Allen voran Bayern-Präsident Uli Hoeneß hielt sich nach der Anklage gegen seine Person wegen Steuerhinterziehung zurück. „Ich sage nichts dazu, weil es nichts mehr dazu zu sagen gibt“, zitierte die „Bild“-Zeitung (Mittwoch) den Vereinspräsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. „Es steht alles in der Pressemitteilung des Oberlandesgerichts.“

Nun ja. Nicht wirklich „alles“ hatte in der gerade einmal sechs Sätze umfassenden Mitteilung der Münchner Justiz gestanden. Details zu dem spektakulären Fall wurden nämlich unter Verweis auf die in Steuerstrafverfahren geltenden besonderen Geheimhaltungspflichten nicht mitgeteilt. Kein einziges Wort zur Rolle der Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten, keinerlei Angaben zur Höhe der fraglichen Steuerschuld.

Hier erscheint Uli Hoeneß gut gelaunt zum Audi Cup

Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa
Uli Hoeneß beim Eintreffen an der Allianz Arena am Mittwochabend. Kommentare zu seiner Steueraffäre waren dem offenbar gut gelaunten Bayern-Präsidenten nicht zu entlocken. © dpa

Nur so viel ist klar: Die monatelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II müssen viele Erkenntnisse zutage gefördert haben. Justiz-Sprecherin Andrea Titz verwies in ihrer Mitteilung ausdrücklich auf den Umfang der Ermittlungsakten, die nun die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II beschäftigen werden. „Angesichts des Umfangs der Ermittlungsakten“ und der Tatsache, dass der Verteidigung zunächst eine Äußerungsfrist von einem Monat zugebilligt worden sei, sei mit einer Entscheidung über die Zulassung der Anklage voraussichtlich frühestens Ende September zu rechnen, hieß es. Das Warten im Fall „Ulrich H.“ geht also weiter.

Rückblick. Im Januar hatte sich Hoeneß beim Finanzamt wegen Steuerhinterziehung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, durchsuchte das Haus von Hoeneß am Tegernsee und erwirkte einen Haftbefehl gegen den Bayern-Präsidenten. Gegen Kaution blieb der Vereinschef, dessen Steuer-Fall im April publik wurde, jedoch auf freiem Fuß.

Mit der nun erfolgten Anklageerhebung ist ein Prozess gegen Hoeneß ein Stück näher gerückt. Spätestens dann dürfte sich auch der Bayern-Aufsichtsrat erneut für den Fall seines Vorsitzenden interessieren. Vor knapp drei Monaten hatte das Gremium einstimmig ein Rücktrittsangebot von Hoeneß abgelehnt. Damals hieß es aber auch: „Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen.“

Doch wann liegen in der „Angelegenheit“ neue Erkenntnisse vor? Bayern-Aufsichtsrat Edmund Stoiber meldete sich dazu zu Wort und mahnte eine endgültige Klärung an. „Es bleibt weiter abzuwarten, zu welchem Ergebnis die gerichtliche Klärung dieses Steuerfalls und dieser Selbstanzeige kommt“, befand der frühere bayerische Ministerpräsident und ehemalige CSU-Vorsitzende im Münchner Merkur (Donnerstag).

Hoeneß: Die Steuer-Affäre in Zitaten

Die dpa hat die wichtigsten Zitate von Uli Hoeneß zur Steuer-Affäre zusammengestellt. © dpa
„Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht.“ (Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München am 20. April im Nachrichtenmagazin „Focus“, das die Selbstanzeige öffentlich machte) © dpa
„An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht.“ (Hoeneß am 21. April in der „Sport Bild Plus“) © dpa
„Ich darf im Moment nichts sagen, denn ich befinde mich in einem schwebenden Verfahren. Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen.“ (Hoeneß am 22. April in der „Süddeutschen Zeitung“) © dpa
„Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen.“ (Hoeneß am 22. April im „Münchner Merkur“) © dpa
„Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen. Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit.“ (Hoeneß am 24. April in der „Sport Bild“) © dpa
„Die nächste Aufsichtsratssitzung findet wie geplant am 6. Mai statt, das steht schon seit vorigem November fest - und bis dahin passiert überhaupt nichts.“ (Hoeneß am 29. April in der „Süddeutschen Zeitung“) © dpa
„Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.“ (Hoeneß am 2. Mai in der „Zeit“) © dpa
„In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin.“, (Hoeneß am 2. Mai in der „Zeit“ über seine Börsen-Spekulationen) © dpa
„Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß.“ (Hoeneß am 2. Mai in der „Zeit“) © dpa
„Es gibt zwei Uli Hoeneß, eigentlich drei. Einer ist der seriöse, konservative Geschäftsmann, beim FC Bayern, bei unserer Wurstfabrik. Der zweite Uli Hoeneß ist auch privat sehr konservativ, nur klassische Geldanlagen, wenn Aktien, dann halte ich sie mindestens drei bis zehn Jahre. Dieser Uli Hoeneß ist wie Warren Buffett, er denkt langfristig und strategisch. Und dann gibt es den dritten Uli Hoeneß ..., der dem Kick nachgejagt ist, der ins große Risiko ging. Vielleicht steckt dahinter auch die Sehnsucht, die Wirklichkeit zu vergessen, auszubrechen. Das geht an der Börse gut.“ (Hoeneß am 2. Mai in der „Zeit“) © dpa
„Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Person dem Verein schadet, werde ich Konsequenzen ziehen. Andererseits steht der Verein sportlich und wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor - und daran habe ich auch einen großen Anteil. Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions League zurücktreten. (Hoeneß am 2. Mai in der „Zeit“) © dpa
Nachdem das Magazin "Stern" berichtet hatte, bei den Steuerermittlern habe sich ein Hinweisgeber gemeldet, der über einen Anwalt neue und unglaubliche Angaben über Uli Hoeneß’ Finanzgeschäfte gemacht habe, platzte es aus dem Bayern-Präsidenten heraus: "Absurde Unwahrheiten werden nicht wahr, wenn man sie ständig wiederholt. Ich habe meinen Anwalt, Herr Nesselhauf aus Hamburg, gestern gebeten, gegen diesen Wahnsinn vorzugehen und alle juristischen Maßnahmen zu ergreifen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass jetzt hier jeder meint, mich verfolgen zu können und ich werde das jetzt nicht mehr weiter zulassen. Damit ist auch alles gesagt. Herr Nesselhauf wird heute alle juristischen Maßnahmen ergreifen, um gegen diesen Wahnsinn im Stern vorzugehen." © dpa

Rückendeckung hatte Hoeneß vor gut zwei Wochen auch von Adidas-Chef Herbert Hainer erhalten. „Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für diese Position gibt“, sagte Hainer, der stellvertretender Vorsitzender des Bayern-Aufsichtsrates ist. „Diesen Äußerungen ist aktuell nichts hinzuzufügen“, hieß es dazu am Mittwoch beim fränkischen Sportartikelhersteller. Der Automobilhersteller Audi, dessen Chef Rupert Stadler ebenfalls Stellvertreter von Hoeneß im Bayern-Aufsichtsrat ist, wollte keine Stellungnahme abgeben.

Fragen und Antworten im Steuerfall Hoeneß

Die Steueraffäre um Uli Hoeneß beschäftigt nicht nur die Justiz, sondern auch die Öffentlichkeit. Oftmals ist es aber sehr schwer als Laie durch diesen Fall durchzublicken. Auf den folgenden Fotos finden sie die prägnantesten Fragen und Antworten im Fall Hoeneß. © dpa
Was wollte Hoeneß mit der Selbstanzeige erreichen?Hoeneß hatte im Januar eingeräumt, Kapitalerträge auf einem Konto in der Schweiz nicht versteuert zu haben. Er hatte auch eine recht hohe Abschlagszahlung ans Finanzamt überwiesen, um auf Nummer sicher zu gehen. Zuvor war das Steuerabkommen mit der Schweiz gescheitert. Hoeneß wollte daher reinen Tisch machen, um straffrei aus der Sache herauszukommen. Eine rechtzeitige und lückenlose Offenbarung durch den Steuerbetrüger ist aber äußerst kompliziert. Fehlt auch nur ein noch nicht verjährtes Detail, klappt es nicht mit der Strafbefreiung per Selbstanzeige. © dpa
Warum jetzt die Anklage?Dass das Ganze nicht einfach werden wird, zeigte bereits der Haftbefehl, der gegen eine Kaution außer Vollzug gesetzt wurde. Schon die Hausdurchsuchung nach der Selbstanzeige galt als ungewöhnlich. Womöglich gab es handwerkliche Fehler. Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft könnten auch zu der Einschätzung gelangt sein, dass bereits Entdeckungsrisiko bestand. Die Meinungen gehen aber darüber auseinander, wann ein Steuerbetrüger etwas geahnt oder gewusst haben müsste und wann er sich zu spät angezeigt hat. © dpa
Wie geht es jetzt weiter?Eine Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München II schaut sich die Beweismittel an und prüft, ob es hinreichend Tatverdacht gibt, eine Verurteilung wahrscheinlich ist und die Anklage zugelassen wird. In diesem „Zwischenverfahren“ kann das Gericht natürlich auch zu der Ansicht gelangen, dass die Selbstanzeige von Hoeneß wirksam war. Die Richter könnten dann die Klage auch ablehnen. © dpa
Muss gerade in so einem Fall die Staatsanwaltschaft besonders genau arbeiten?Davon ist auszugehen. Gerade bei einem solch öffentlichen Fall dürfte die Anklagebehörde akribisch Fakten zusammengetragen haben - wobei auch die Staatsanwaltschaft objektiv sein muss und Argumente sowohl für als auch gegen eine Anklage prüfen muss. Auch Steuerberater und Rechtsanwalt Markus Deutsch geht davon aus, dass die Staatsanwälte sich gut vorbereitet haben: „Die wollen eine Bauchlandung natürlich vermeiden. Aber alles ist möglich.“ © dpa
Kann Hoeneß trotzdem ohne Haftstrafe davon kommen?Das ist möglich. Die Staatsanwaltschaft dürfte zwar einen maximalen Betrag an hinterzogenen Steuern zusammengetragen haben. Ob sich die Richter dem aber anschließen, bleibt abzuwarten. So könnte ein Teil der Steuerschuld schon verjährt sein, was am Ende zu einer Bewährungsstrafe führen könnte. Bei besonders schwerer Steuerhinterziehung drohen aber bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. © dpa
Wann geht ein Steuerbetrüger nach Selbstanzeige straffrei aus?Wenn alle Vorgaben erfüllt sind. Wer pro Jahr und Steuerart mehr als 50 000 Euro hinterzogen hat, muss auch fünf Prozent Zuschlag zahlen - neben Hinterziehungssumme und Zinsen. Strafrechtlich verfolgt werden können Steuerbetrüger für fünf Jahre. In schwereren Fällen - die Summe der verschwiegenen Steuern eines Jahres liegt bei 100 000 Euro und mehr - verjährt Steuerhinterziehung erst nach zehn Jahren. Mit einer Geldstrafe kommt man ab dieser Summe kaum davon, eine Haftstrafe wird aber oft zur Bewährung ausgesetzt. © dpa
Und wann wird es richtig ernst?Laut Bundesgerichtshof wird Gefängnis in der Regel fällig, wenn mehr als eine Million Euro Steuern hinterzogen und eine strafbefreiende Selbstanzeige abgelehnt wurde. Es sei denn, andere Gründe sprechen dagegen, ein Geständnis etwa. Eine misslungene Selbstanzeige kann eine Strafe zumindest lindern. Ist die Selbstanzeige voll wirksam, geht ein Steuerbetrüger straffrei aus - selbst wenn er Milliarden am Fiskus vorbei geschleust haben sollte. © dpa

Zurückhaltung war am Tag danach auch in der Fußball-Branche das oberste Gebot. „Ich halte es für stilbildend, wenn wir - als größter Konkurrent - uns dazu nicht äußern“, erklärte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im TV-Sender Sport1. Er sprach im Namen vieler.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Die Steuer-Affäre um Uli Hoeneß sorgt nachhaltig für Wirbel. Wir listen einige wichtige zeitliche Abfolgen der Affäre und politischer Entscheidungen auf. Die Fotos sind Archivfotos von Uli Hoeneß. © dpa
2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagt Hoeneß der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren. © dpa
Oktober 2010: Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten. © dpa
April 2012: Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu. © dpa
November 2012: Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern. © dpa
Dezember 2012: Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande. © dpa
Januar 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das nun gescheiterte Steuerabkommen gesetzt. © dpa
20. März 2013: Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe. © dpa
20. April 2013: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert. © dpa
21. April 2013: Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern. © dpa
23. April 2013: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0. © dpa
1. Mai 2013: Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben und nimmt seinen FC Bayern gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. © dpa
4. Mai 2013: Hoeneß besucht während des Bundesliga-Schlagers zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ein Play-off-Spiel der Bayern-Basketballer in München. © dpa
5. Mai 2013: Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, dass Mitglieder aus Bayern Münchens Aufsichtsrat Hoeneß auf der Sitzung des Kontrollgremiums am darauffolgenden Tag zum Rückzug spätestens nach dem Champions-League-Finale drängen wollen. © dpa
5. Mai 2013: Hoeneß' Vorgänger Franz Beckenbauer lehnt für den Fall eines Rückzugs von Hoeneß eine Übernahme der Ämter ab. © dpa
6. Mai 2013: Bayern Münchens Aufsichtsrat trifft sich in der Allianz Arena und berät die Situation. © dpa
Das Ergebnis: Der Aufsichtsrat spricht Hoeneß das Vertrauen aus und lehnt sein Rücktrittsangebot ab! Das Gremium will die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei neuen Erkenntnissen mit dem Thema befassen. © dpa
11. Mai 2013: Die 23. Meisterschaft darf gefeiert werden, und Hoeneß fährt beim Autokorso zum Marienplatz mit. Doch trotz aller Gesten und warmer Worte wirkt Hoeneß inmitten der Feiergesellschaft betrübt. © AFP
25. Mai 2013: Selbst im Moment des großen Triumphes steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal. © AFP
1. Juni 2013: Das Triple ist perfekt: Nach Meisterschaft und Champions League holen die Münchner auch den DFB-Pokal. © dpa
24. Juni 2013: Hoeneß stellt den neuen Trainer Pep Guardiola mit in München vor. Danach hält er sich öffentlich weiter zurück. © dpa
24. Juli 2013: Uli Hoeneß rechnet in seiner Steuerangelegenheit mit einer baldigen Entscheidung. „Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt. Ich denke, in den nächsten zwei, drei Monaten wird es eine Entscheidung geben“, sagt er am Rande des Testspiels gegen den FC Barcelona. © dpa
30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München muss nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Präsidenten des FC Bayern München entscheiden. © dpa
7. August 2013: Laut eines Berichts des "Stern" habe sich bei den Steuerermittlern ein Hinweisgeber gemeldet, der über einen Anwalt neue und unglaubliche Angaben über Uli Hoeneß’ Finanzgeschäfte gemacht hat. Wichtigste Information: Auf dem Schweizer Konto des Bayern-Bosses sollen mehrere hundert Millionen Euro gelegen haben! © dpa
8. August 2013: Bei einem Golfturnier platzt es aus Hoeneß heraus: "Ich muss da mal was klarstellen. Absurde Unwahrheiten werden nicht wahr, wenn man sie ständig wiederholt. Ich habe meinen Anwalt, Herr Nesselhauf aus Hamburg, gestern gebeten, gegen diesen Wahnsinn vorzugehen und alle juristischen Maßnahmen zu ergreifen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Es hängt immer davon ab - wenn in der Öffentlichkeit Ruhe ist, geht es einem gut. Wenn Sie solche unglaublichen Unterstellungen erleben müssen wie ich heute, dann geht es einem natürlich nicht gut. Deswegen habe ich mich jetzt entschieden, mich in Zukunft zu wehren. Ich werde mir in der Richtung nichts mehr gefallen lassen." © dpa
4. November 2013: Die Pressestelle des Oberlandesgerichts gibt bekannt, dass die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II die Anklage gegen Uli Hoeneß „unverändert“ zugelassen hat. Der erste Verhandlungstermin wird für den 10. März anberaumt. © dpa
13. November 2013: Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen. „Ich werde mich jedem Votum, das Sie treffen, unterwerfen.“ © dpa
23. Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter. Hoeneß hatte Strafanzeige gestellt. © dpa
10. März 2014: Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ wegen Steuerhinterziehung. Gleich zum Auftakt ein Knaller: Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. © dpa
11. März 2014: Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Der Präsident des FC Bayern soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage der neuen Zahlen sind Berechnungen einer Steuerfahnderin nach der Sichtung weiterer Akten. © dpa
12. März 2014: Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten. © dpa
13. März 2014: Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig. © dpa
14. März 2014: Hoeneß verzichtet auf eine Revision. Zudem legt er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender von Bayern München mit sofortiger Wirkung nieder. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert „Respekt vor der Entscheidung“. © AFP
10. Mai 2014: Uli Hoeneß erhält ein Erpresserschreiben, in dem nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie Gewalt angedroht wurde, sollte er nicht eine sechsstellige Summe bezahlen. Würde er diese Summe nicht zahlen, so werde es ihm im Gefängnis schlecht ergehen - egal in welcher Anstalt er seine Strafe verbüßen würde. Am selben Abend noch wird der Täter bei einer fingierten Geldübergabe durch die Polizei festgenommen. © dpa
2. Juni 2014: 81 Tage nach der Urteilsverkündung tritt Hoeneß in der JVA Landsberg/Lech seine Haftstrafe an. Seine Steuerschuld in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro (inkl. Strafe und Zinsen) hat er da bereits beglichen. © dpa
20. September 2014: Erster Ausgang für Hoeneß: Für einige Stunden kann der prominente Häftling das Gefängnis verlassen, um sich mit seiner Familie zu treffen. © dpa
16. Dezember 2014: Der Erpresser von Hoeneß wird zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 51-Jährige hat gestanden, den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern vor dessen Haftantritt mit einem Drohbrief erpresst und 215 000 Euro verlangt zu haben. © dpa
24. Dezember 2014: Zu Weihnachten erhält Hoeneß Urlaub und darf erstmals wieder daheim - zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern - schlafen. Auch den Jahreswechsel darf Hoeneß zu Hause verbringen. © dpa
1. Januar 2015: Hoeneß wird Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen. Der FC Bayern München hat mehrfach erklärt, dass Hoeneß in der Jugendabteilung arbeiten werde. © dpa
2. Januar 2015: Uli Hoeneß absolviert seinen ersten Arbeitstag beim Rekordmeister. Gegen 18 Uhr verlässt er das Vereinsgelände (Foto), kommt anschließend gegen 18.20 Uhr in der Justizvollzugsanstalt Rothenfeld an, einer Außenstelle der JVA Landsberg, in der er ab sofort lebt. © Götzfried
1. März 2015: Hoeneß besucht erstmals seit seiner Inhaftierung wieder ein Bayern-Spiel - das 2:0 der U19 beim FSV Mainz 05. © dpa
13. März 2015: Hoeneß hat ein Jahr nach seiner Verurteilung „seinen Frieden gefunden“ und „ein Stück seiner Würde zurückbekommen“, berichtet Karl-Heinz Rummenigge. © dpa
27. August 2015: Das ZDF zeigt „Uli Hoeneß - Der Patriarch“, ein Dokudrama. Am 8. September zieht Sat.1 mit der „Udo-Honig-Story“ nach, einer Satire mit Schauspieler Uwe Ochsenknecht als Hoeneß. © dpa
21. Dezember 2015: Hoeneß meldet sich telefonisch beim Radiosender Antenne Bayern, spendet spontan 10.000 Euro für einen guten Zweck und wünscht sich den Song „Hello“ von Adele. © dpa
24. Dezember 2015: Hoeneß und seine Frau Susi (r.) bewirten an Heiligabend jugendliche Flüchtlinge im Wiesseer Golfclub. Es gibt Hendl mit Pommes sowie Bayern-Fanartikel. © dpa
Hoeneß, Chronologie
Am 18. Januar 2016 gab das Landgericht Augsburg die vorzeitige Entlassung von Hoeneß nach der Hälfte der Strafe bekannt. Wegen guter Führung kommt er am 29. Februar wieder frei. Der Rest seiner Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. © AFP

dpa

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